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Norddeutsche Neueste Nachrichten Vaterfigur

Von Benjamin Lassiwe | 03.08.2009, 06:14 Uhr

Der Dalai Lama hat der Welt etwas zu sagen.

Großväterlich und stets mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen füllt er die Fußballstadien dieser Welt, wie derzeit die Frankfurter WM-Arena. Sein gewaltloser Kampf für die Befreiung Tibets machte ihn zu jemandem, auf den man gerne hört: Schon ein Blick auf den jahrzehntealten und blutigen Nahostkonflikt zeigt, wie es in Tibet auch aussehen könnte, wenn das geistliche Oberhaupt der Tibeter von etwas anderem Charakter wäre. Doch das allein erklärt nicht, warum so viele Zeitgenossen den weisen Mann aufsuchen. Besser hilft da der Vergleich mit einem Papstbesuch: Der Dalai Lama ist eine Vaterfigur für Menschen, die ihre Religion längst vergessen haben. Es sind spirituelle Antworten, die die postmodernen Europäer bei dem bescheiden meditierenden Mönch aus Tibet suchen. Wirkliche Buddhisten allerdings werden die meisten Stadionbesucher wohl nicht werden. Genauso wenig, wie die katholische Kirche nach der Wahl von Benedikt einen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen hatte, profitieren die Buddhisten von einem Besuch des Dalai Lama. Denn in der Postmoderne steht am Ende meist der religiöse Flickenteppich: Jeder mixt sich seinen Glauben selbst zusammen: Ein bisschen Buddhismus, ein bisschen Christentum, ein bisschen Kabbala. Nur mit Religion im herkömmlichen Sinne hat das nicht mehr viel zu tun.