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Schifffahrt Verjüngt wieder einsatzklar

Von RFRA | 01.08.2018, 12:00 Uhr

Der Notfallschlepper „Baltic“ war auf der Werft in Hamburg.

An seinem Liegeplatz am Warnemünder Werftbecken zeigt sich der Notfallschlepper „Baltic“ in frischen Farben. „Wir waren vom 6. bis 19. Juli auf der Werft in Hamburg“, erklärt Kapitän Hartmut Kuhlmann (60). Am 20. Juli um 6 Uhr war der Schlepper wieder daheim. Bei der Dockung auf der zur Lürssen-Gruppe gehörenden Norderwerft wurde der Unterwasseranstrich erneuert, erhielt das Schiff neue Generatoren, wurden verschiedene Reparaturen durchgeführt und schließlich das Farbkleid insgesamt aufgefrischt. Mit der Durchsicht und Verjüngungskur war das Klasse-Zertifikat nachzuweisen.

Seit 2010 liegt das 61 Meter lange, 15 Meter breite Kraftpaket, das eine Zugleistung von 127 Tonnen meistern kann, als Notschlepper für Havarien auf der Ostsee in Warnemünde in Einsatzbereitschaft. Tankerriesen, wie sie in der Ostsee verkehren, können problemlos an den Haken genommen werden. Für eine hohe Manövrierfähigkeit des knapp 3000 Tonnen schweren und 17 Knoten schnellen Schiffes sorgen zwei Bug- und zwei Heckstrahler. Über hydraulische Schleppwinden sind schwere Trossen aus Stahldraht zu handhaben. Der Schleppdraht hat einen Durchmesser von 62 Millimetern und eine Länge von 500 Metern. Der 16 Meter lange Ausleger eines Deckkrans reckt sich empor, Feuerlöschkanonen sind bei Bedarf einsatzbereit.

Hartmut Kuhlmann war seinerzeit bereits einige Wochen auf der spanischen Bauwerft tätig und bei der Überführung dabei. Während die „Baltic“ als Wächter der Schifffahrt in Warnemünde sowie „Fairplay 25“ in Sassnitz auf der Ostsee für den Bund zum Einsatz kamen, war es für die Nordsee der noch stärkere Kraftprotz „Nordic“. In einer europaweiten Ausschreibung hatte sich die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Küstenschutz mit diesen Neubauten der Reedereien Fairplay und Bugsier und ihrem Konzept die Charter für einen Zeitraum von zehn Jahren gesichert.

In dieser Arge bündeln die beiden inzwischen fusionierten Unternehmen gemeinsam mit Wiking Helikopter ihre Kräfte. Ziel ist auf der Grundlage des deutschen Notfallkonzepts die Gewährleistung eines optimalen und sicheren Schutzes der Küste bei Schiffshavarien.

Bei der „Baltic“ bilden acht Mann die Besatzung. Alle 14 Tage erfolgt der Wachwechsel. Ergänzt werden die Besatzungen durch ein Vier-Mann-Boarding-Team in Bereitschaft.

Bereits wenige Tage nach Indienststellung hatte der Notschlepper beim Brand der Fähre „Lisco Glory“ am 8. Oktober 2010 vor Fehmarn seine erste Feuerprobe zu bestehen. Weitere Einsätze folgten, zum Glück bislang nicht mehr in diesen Ausmaßen. Vor dem Ernstfall aber ist die Einsatzbereitschaft zu üben. Am Simulator bei Kopenhagen, wo auch die Behördenschiffe, wie die „Arkona“, trainieren, werden regelmäßig die verschiedensten Szenarien durchgespielt.

Am 12. August hat das Havariekommando auch wieder eine große Übung vor der „Haustür“ vorgesehen. Sie wird erstmals am Abend durchgeführt, um auch in der Dunkelheit gemeinsam mit dem Boarding-Team zu trainieren.

Der gebürtige Bützower Hartmut Kuhlmann hat ein erfahrenes Team an seiner Seite. Es muss jederzeit einsatzklar sein, wenn ein Notruf kommt. Da sich am Montag der Chiefmate Mathias Wegener in den Urlaub verabschiedete, kam bereits Matthias Panse an Bord – noch nicht als Ablöser-Kapitän, sondern zunächst als Vertretung des Chiefmates. Die Crew muss schließlich auf allen Positionen vollzählig sein. Auch während der Werftzeit der „Baltic“ gab es keine Sicherheitslücke. Der Schlepper „Fairplay 35“ war als Vertretung nach Warnemünde gekommen und ging dann weiter nach Sassnitz-Mukran, um nunmehr „Fairplay 25“ zu vertreten, die in die Werft ging. Zur Hanse Sail mag mancher das Schiff am Warnemünder Kai wieder vermissen. Es macht den Großseglern in Warnemünde Platz und liegt dann im Seehafen in Einsatzbereitschaft.

Kuhlmann ist inzwischen 26 Jahre bei Fairplay tätig. 1974 hatte er seine seemännische Laufbahn als Lehrling bei der DSR begonnen. Er war übrigens auf dem Lehrschiff „Fichte“ dabei, als hier die Filmreihe „Zur See“ entstand. Er ging mit Schiffen wie „Sondershausen“ und „Breitscheid“ in der Relation Fernost auf große Fahrt, machte an der Seefahrtsschule Warnemünde sein Kapitänspatent. In seiner Freizeit daheim in Katelbogen widmet er sich der Familie, Haus und Hof, wo es immer was zu tun gebe. Kuhlmann ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne, seine Frau ist Sozialpädagogin.

Bilder in der Messe der „Baltic“ erinnern an alte konventionelle Fairplay-Schlepper, die die Seeleute wegen ihrer Handhabung im Freien auch „Mopeds“ nannten. Eines dieser Schiffe hat im Hamburger Museumshafen inzwischen seinen Platz eingenommen. Heute finden die Schlepperbesatzungen wesentlich bessere Arbeits- und Lebensbedingungen an Bord vor. Kuhlmann hat sich als Betriebsrat seit 1994 dafür eingesetzt und auch dafür, dass die Heuer stimmt. Erst am 5. Juli hat er in der Tarifkommission in diesem Sinne erfolgreich mitgewirkt.