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Abriss Heinkel-Mauer Rostock Video: Bewegung fordert ein Umdenken in der Erinnerungskultur

Von Torben Hinz | 16.01.2018, 20:45 Uhr

Demo für Erhalt von Denkmälern und Erinnerung

Unter dem Titel „Erinnerung braucht Denkmäler“ haben am Dienstag rund 40 Demonstranten vor der Heinkel-Mauer Stadt und Bürgerschaft zum Umdenken aufgerufen. „Wir fordern: Aufarbeitung der Geschichte statt Abriss der Denkmäler“, sagt Anette Niemeyer, die mit ihrer Bewegung Aufbruch 09 den Protest organisierte.

Elisabeth-Heim, Heinkel-Mauer, DMR-Halle, Werftkräne, Kleines Haus – die Summe und die fehlende Diskussion um die gefallenen Bauwerke stören die Demo-Teilnehmer. Der Ex-Chef des Stadtplanungsamtes, Christoph Weinhold, sagt: „Wir gehen mit unserer maritim-technischen Geschichte sträflich um.“ In den vergangenen Jahren hätten sich die Verluste gehäuft. „Das ist für mich leichtfertig und nicht vertretbar“, so der Architekt. Zumal wie bei der Heinkel-Mauer gute Lösungen für eine Einbindung auf dem Tisch gelegen hätten.

Anlass für den Protest sind die Abrissarbeiten an der Mauer im Auftrag der Wiro. Sie waren bereits am Montag vergangener Woche gestartet – sieben Tage vor dem angekündigten Termin. Mittlerweile ist ein gutes Stück am Ostende abgetragen. „Ich hoffe, dass an dieser Stelle nicht noch mal ein Mahnmal errichtet werden muss“, sagt Adam Sonnevend, der sich schon erfolgreich für die Erinnerung an die gesprengte Christuskirche eingesetzt hatte. Aus seiner Sicht ist der Mauer-Abriss völlig unnötig. Grund sei die „übertriebene Gewinnsucht eines städtischen Unternehmens, das ohne weiteres in der Lage wäre, die Mittel aufzubringen“. Die Rolle des Amtes für Denkmalschutz sei ebenfalls kritisch zu hinterfragen.

Das muss morgen dem Kulturausschuss der Bürgerschaft zum Umgang mit den Denkmälern Rede und Antwort stehen. „Um dieses Anliegen zu unterstützen, bin ich hier“, sagt Hannes Rother vom Verschönerungsverein. Auch er sieht die Abrissgenehmigung für die Heinkel-Mauer kritisch: „Man fragt sich, mit welchen Maßstäben gemessen wird.“ Demonstrantin Gabriele Köpke hat sogar den Eindruck, das bei der Stadt nur noch Klagen weiterhelfen würden. „Ich habe etwas dagegen, dass man die Erinnerung auslöscht“, sagt sie.

Darum geht es auch Torsten Preuß. Heinkel stehe mit der Montage des ersten Düsenflugzeugs der Welt und des Schleudersitzes ebenso für Fortschritt wie für die schreckliche Seite der Zwangsarbeit. „Das ist das letzte Stück von Heinkel in Rostock“, sagt der 45-Jährige. „Und jetzt kommen da Wohnungen, die sich keiner leisten kann.“

Kommentar von Torben Hinz: Geschichte anpacken
Die Bedeutung und die Schande der Heinkel-Werke für die Entwicklung Rostocks zur Großstadt sind gar nicht hoch genug einzuschätzen. Auf der einen Seite die schrecklichen Verbrechen und Zwangsopfer der Nazidiktatur, auf der anderen technische Meisterleistungen – im Dienste des Krieges. Dass an dieses zwiespältige Kapitel der Stadtgeschichte prominent erinnert werden muss, sollte unstrittig sein. Eine Mauer und zwei Schautafeln reichen dafür ohnehin nicht aus. Ein paar Stelen übrigens auch nicht. Das Thema bietet genug Stoff für eine Dauerausstellung. Stellt sich die Frage: Warum packt Rostock die Auseinandersetzung damit nicht endlich richtig an?