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Verhandlungen gescheitert Video: Polizei räumt besetztes "Betty" in Rostock

Von Stefan Tretropp | 19.10.2017, 09:35 Uhr

Ein längerer Streit um das Gebäude der alten Orthopädie in Rostock neigt sich dem Ende entgegen. Mehrere Tage war das Gebäude besetzt, nun griff die Polizei durch.

Die Räumung der "Betty" in der Rostocker KTV war seit den frühen Morgenstunden in vollem Gange. Nachdem ein erneuter und letzter Verhandlungsversuch am Dienstag zwischen den Besetzern und dem Studentenwerk, dem das Objekt gehört, gescheiert war, entschied sich die Polizei heute nun für die Räumung des seit geraumer Zeit besetzten Gebäudes.

So rückten am frühen Morgen mehrere Spezialkräfte an, umstellten das Gebäude mit Fahrzeugen und begannen, die Eingangstür aufzubrechen. In der einstigen Orthopädie trafen sie auf vier Personen. Zwei von ihnen konnten bereits ohne Widerstand aus dem Objekt begleitet werden. Drei weitere jedoch haben nach Polizeiangaben den Zugang mit "technischen Mitteln gegen das Wegtragen" so erschwert, dass die Polizisten mehrere Werkzeuge einsetzen müssen, um überhaupt an die Personen heranzukommen. "Wir haben weitere Personen in dem Gebäude gefunden, die sich mit technischen Mitteln gegen Wegtragen gesichert haben", sagte Dörte Lembke, Pressesprecherin der Polizei am Einsatzort.

Rostock

Klare Fronten: „Betty“ bleibt besetzt

Meinung – Katrin Zimmer
Durch eine moderierte Diskussion sollten die verhärteten Fronten zwischen Hausbesetzern und -eigentümern des Elisabethheims in der Ulmenstraße gestern aufgeweicht werden. Zwar verliefen die Gespräche zwischen Abrissgegnern und Studentenwerk friedlich, aber nicht konstruktiv. Deshalb halten die verbarrikadierten Personen das Gebäude weiter besetzt. Die Diskussion wurde nach mehr als zwei Stunden vorerst beendet, aber zumindest die Versorgung mit Lebensmitteln wieder erlaubt. Die war Besetzern und Unterstützern zufolge vonseiten der Polizei untersagt worden.

Das Elisabethheim – von den Abrissgegnern „Betty“ genannt – soll gemäß Plänen des Studentenwerks für ein neues campusnahes Studentenwohnheim mit Mensa weichen. Die seien dringend nötig, so Geschäftsführer Kai Hörig. Zu Semesterbeginn habe das Werk mehr als 1400 Bewerber ablehnen müssen. Kämen die in Wohnheimen unter, wäre auch den anderen Bewohnern in den betroffenen Vierteln geholfen, denn „die Studenten wären runter vom Wohnungsmarkt“, sagt Hörig.

Hausbesetzer und die gegründete Bürgerinitiative fordern stattdessen in der Betty „einen sozialen Freiraum zu schaffen, in dem jeder Vorstellungen einer bunten Stadt ausleben kann“. Ein neues Wohnheim könne genauso an anderen Standorten wie dem leerstehenden Polizeigebäude in der Blücherstraße entstehen, so der Vorschlag eines Besetzers. Auch eine gemeinsame Nutzung von Studenten und Betty-Befürwortern käme infrage, solange das Gebäude nur bestehen bliebe.

Dass das 1907 eingeweihte und 13 Jahre lang leerstehende Haus unter wirtschaftlichen Bedingungen und aus technischer Sicht nicht mehr zu retten sei, betonte Baugutachter Jörg Meling: „Allein die Wasserschäden verschlimmern sich jedes Jahr auf das Doppelte.“ Zudem müssten Schadstoffe entfernt werden. Einen Gebäudeteil oder zumindest die Fassade zu erhalten, halte er generell aber für denkbar.

Gegen die Besetzer hatte das Studentenwerk Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet. Fallen lassen will Hörig sie nicht: „Wir sind als Eigner für die Sicherheit der Personen im Haus zuständig. Die Verantwortung zu übernehmen, wenn etwas passiert, bin ich nicht bereit.“ Allerdings werde die Strafanzeige sofort zurückgezogen, sobald das Gebäude verlassen werde. Es sei mit der Polizei abgesprochen, dass Personalien aufgenommen, jedoch niemand festgenommen würde.

Nach den ergebnislosen Diskussionen sieht Ortsbeiratschefin Anette Niemeyer (Aufbruch 09) weiteren Verhandlungsbedarf: „Wir können das nicht am Fenster klären, sondern brauchen eine vernünftige Gesprächsebene.“ Es reiche nicht, nur mit Studentenwerk und Besetzern zu sprechen. Um alternative Standorte zu finden, müssten Uni und Bildungsministerium mit an den Tisch. Der Ortsbeirat will das Ensemble aus Elisabethheim, Nachbargebäuden und Park unter Denkmalschutz stellen lassen.

Zum Kommentar

Nach internen Informationen sollen sich die zwei übrigen Besetzer zum Teil einbetoniert und einen großen Autoreifen um sich gelegt haben. Das Studentenwerk Rostock will das Haus abreißen und dort ein Studentenwohnheim und eine neue Mensa errichten. Dagegen regte sich der Protest, so hatte sich seit über einer Woche die Gruppe „Betty bleibt“ in dem Gebäude verschanzt. Offiziell spricht die Polizei nicht von einer "Räumung" sondern von einer Durchsuchung.

Ein Notarzt und ein Rettungswagen wurden angefordert, da einer der einbetonierten Abrissgegner während der Befreiungbemühungen einen Schwächeanfall erlitt und stark dehydriert war. Mittlerweile konnten die Einsatzkräfte auch den letzten Verbliebenen freischneiden. Der Einsatz ist damit beendet.

Das Studentenwerk Rostock plant auf der Fläche den Bau eines Studenten-Wohnheimfür angehende Akademiker und eine Mensa mit 400 Plätzen. Die Initiative „Betty bleibt“ will das Haus dagegen sanieren.