Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Rostock Volkstheater: Land setzt Rostock die Pistole auf die Brust

Von Christine Weber | 28.11.2012, 06:56 Uhr

Diskussionsbereitschaft, Enttäuschung, offene Ablehnung - die Positionierung der Landesregierung zu den Theatermodellen hat in der Rostocker Bürgerschaft ganz unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

Die Linksfraktion etwa sieht durch die Stellungnahme der Koalition ihre Befürchtungen bewahrheitet. "Von Anfang an zielte die Landesregierung auf Fusionen ab, jetzt hat sie bewiesen, dass die angeblich offene Diskussion nur Schein war", sagt Linken-Fraktionschefin Eva-Maria Kröger.

Am Dienstagabend hatte der Koalitionsausschuss in Schwerin zu den neun von der Beraterfirma Metrum erarbeiteten Modellen zur Theaterstruktur des Landes getagt. Ergebnis: zwei Landesopern (Modell 4) oder zwei Staatstheater (Modell 7). Über diese beiden Varianten soll Kultusminister Matthias Brodkorb (SPD) jetzt mit den theatertragenden Kommunen diskutieren. Varianten, nach denen Rostock seine Eigenständigkeit bewahrt, wurden verworfen. Nach Modell 7 würden das Rostocker Volkstheater mit dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin fusionieren, nach Modell 4 die Musiktheater- und Orchestersparten beider Häuser.

"Mit den Fusionen würde es zu einem massiven Stellenabbau und zum Verlust von Kulturangebot und Qualität kommen", sagt Kröger. Die Fraktionen der Bürgerschaft sollten nun beraten, ob und wie sie dem Volkstheater jetzt den Rücken stärken können.

Die CDU-Fraktion bedauert, dass kein Modell zur Diskussion steht, in dem sich die drei kulturellen Schwerpunkte im Land - Schwerin, Rostock und Greifswald/Stralsund - widerspiegeln. "Die Frage ist allerdings, ob wir uns überhaupt wehren können", sagt Fraktionschef Prof. Dieter Neßelmann.

Ein Modell mit drei Standorten befürwortet auch die SPD in der Rostocker Bürgerschaft. Die Sozialdemokraten signalisieren aber Verhandlungsbereitschaft, ebenso wie die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. "Es muss eine erneute Diskussion stattfinden und die Modifikation der Modelle möglich sein", sagt Grünen-Fraktionschefin Simone Briese-Finke. Bei aller Diskussionen um die Struktur müsse am Ende allerdings vor allem eine konkret umsetzbare Lösung herauskommen, betont CDU-Mann Neßelmann. Ein Theaterneubau in Rostock sei dafür Voraussetzung.

Finanzielle Unterstützung für ein neues Haus hatte Brodkorb zuletzt an die Bereitschaft Rostocks gekoppelt, sich in eine Landesstruktur einzubinden. Für Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) setzt der Minister der Hansestadt Rostock damit die Pistole auf die Brust. Dr. Sybille Bachmann (Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09) geht noch weiter: "Das ist pure Erpressung." Eine Einschätzung, die auch Neßelmann teilt. Er sieht jetzt Methling in der Pflicht, mit dem Land zu verhandeln und sich dabei für Volkstheater und Neubau stark zu machen.

SPD-Fraktionschef Dr. Steffen Wandschneider schlägt diplomatischere Töne an: "Natürlich müssen wir uns mit dem Gesamtkonzept über einen Neubau verständigen. Dabei hoffen wir nach wie vor auf Unterstützung des Landes."