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Rostock Volkstheater spielt nur bis Jahresende

Von Juliane Hinz | 09.05.2013, 08:39 Uhr

Das Rostocker Volkstheater hat seinen Spielplan für die Saison 2013/14 präsentiert.

Der reicht allerdings nur bis zum Jahresende. Dann ist Schluss. Zumindest wenn bis dahin kein anderer Weg gefunden ist, die fehlende halbe Million Euro im Wirtschaftsplan zu stopfen. Über dieses Szenario informierte Intendant Peter Leonard am Mittwoch. "Wir haben natürlich auch einen kompletten Spielplan konzipiert", sagt der Leiter der Bühne. Aber bislang sei nicht klar, ob dieser realisiert werden könne. "Denn wir wissen nicht, ob wir die damit verbundenen Verbindlichkeiten eingehen dürfen", erklärt Leonard. Das bedeutet, bis heute konnten keine Verträge mit Gästen, wie beispielsweise Regisseuren, Musikern und Solisten, geschlossen werden. Ganz einfach, weil nicht klar ist, ob das Geld dafür da ist. Der Wirtschaftsplan des Volkstheaters für 2014 ist nicht genehmigt. Es droht erneut das Aus für den Spielbetrieb oder im Umkehrschluss die Insolvenz. Dabei erholt sich das Theater gerade von der Spielzeit im Zelt. Laut Leonard wurden schon jetzt so viele Tickets verkauft, wie in der gesamten zurückliegenden Spielzeit.

"Es ist ein Skandal", sagt Cornelia Crombholz, ab kommender Spielzeit neue Schauspieldirektorin am Volkstheater. "Im Grunde habe ich keine Planungsgrundlage." Generalmusikdirektor Florian Krumpöck pflichtet ihr bei: "Es ist schade, dass man sich auf diese Weise deutschlandweit als einzigartig darstellen muss."

Zunächst hatte es Überlegungen gegeben, die fehlende halbe Million durch die Aufgabe des Theaters im Stadthafen sowie die Abwicklung der Sparte Tanz aufzubringen. Die Theaterleitung hatte diese Variante durchrechnen müssen, der Aufsichtsrat hat sie der Stadtverwaltung empfohlen. Von dieser kam nun jedoch das Nein und der Auftrag an die Theaterleitung, eine Alternative zu finden. "Der Gäste-Etat ist das einzige bewegliche Geld", sagt Crombholz. Alle anderen Gelder seien durch Verträge gebunden. Aber ohne Gäste - kein Theater. Intendant Leonard gibt ein Beispiel: "Für eine Mahler-Sinfonie brauchen wir vier Flöten. Es gibt dafür aber nur zweieinhalb Stellen." Wenn das Theater dieses Stück aufführen will, muss ein Gast engagiert werden.

Rostocks halber Spielplan
Volkstheater plant Premieren und Konzerte bis Ende des Jahres

Angesichts der unsicheren Finanzlage kann das Volkstheater zum jetzigen Zeitpunkt nur einen Spielplan bis Ende 2013 präsentieren.
• Schauspiel: Die neue Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz, die allerdings Mitte 2014 das Volkstheater schon wieder gen Magdeburg verlässt, startet die Saison mit einem Sommerspektakel. Dazu will sie Theaterleute aus ganz Deutschland einladen und an verschiedenen Orten Theater bieten. Der Höhepunkt soll die Premiere von „Till Eulenspiegel“ in einer ganz erwachsenen Version sein. Außerdem plant Crombholz in der Kleinen Komödie die Stücke „Tour de Farce“ und „Misery“ sowie die Reihe „Strandgut“. Weiterhin vorgesehen: „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“, „Harald und Maude“, „Väterchen Frost“ als Weihnachtsmärchen, ein musikalischer Abend sowie das Stück „Außer Kontrolle“, dessen Premiere sie bewusst auf den Silvesterabend gelegt hat, dem vielleicht letzten Vorstellungsabend im Theater im Stadthafen. Auch einige Serien sind geplant, unter anderem ein Kochtheaterstück sowie eine Kriminalreihe.
• Tanztheater: Katja Taranu tritt als Chefchoreografin die Nachfolge von Bronislav Roznos an. Für die erste Hälfte der Spielzeit plant sie mit „Zwanghaft-zwanglos“ ein heiteres Stück. Außerdem wird Roznos als Gast für Familien das Stück „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ inszenieren. Als Wiederaufnahme ist „Die Erschaffung der Welt“ zu sehen.
• Konzert: Bis zum Jahresende plant Generalmusikdirektor Florian Krumpöck vier Philharmonische Konzerte. Zu hören sind unter anderem Wagners Tannhäuser-Ouvertüre, Strawinskys Pulcinella-Suite und Mozarts Klavierkonzert d-Moll. Darüber hinaus wird es Classic-Light-Konzerte und Kammermusik im Barocksaal geben. Ein gemeinsames Projekt mit der St.-Johannis-Kantorei ist angedacht.
• Musiktheater: Im September feiert das Musical „Anatevka“ Premiere, ab Oktober ist Puccinis „Madame Butterfly“ zu erleben. Wieder aufgenommen werden „Die Fledermaus“, „Nabucco“ sowie „Hänsel und Gretel“ zur Weihnachtszeit.