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Warnemünde Vom Turm die Schifffahrt im Blick

Von Reiner Frank | 22.07.2009, 01:57 Uhr

In der Warnemünder Verkehrszentrale steht ein Wachwechsel bevor. Im September verabschiedet sich der langjährige Leiter Peter Dottermusch (62) in die Altersteilzeit. Die Hanse Sail wird für ihn der letzte große Höhepunkt seiner Laufbahn als Nautiker sein, um dann an Klaus-Peter Nitsch zu übergeben.

"BW Havlys" läuft aus dem Chemiehafen aus. Fähren passieren den Seekanal. Ein Zulauf für Caterpillar wird gemeldet. Über Kanal 73 erfolgen per Ukw die Informationen für die Schifffahrt von der Warnemünder Verkehrszentrale. Über 30 Meter lange Schiffe, die Rostock ansteuern, haben sich hier anzumelden. Im "Blauen Wunder" auf der Hohen Düne, wie sie seit vielen Jahren im Volksmund bezeichnet wird, laufen die Fäden für den Schiffsverkehr zusammen. Gestern Vormittag hat hier die Nautiker-Crew um Thomas Bock alle organisatorischen Vorkehrungen zu treffen.

"Zu unseren Aufgaben zählt die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs", erklärt Peter Dottermusch, der Leiter der Verkehrszentrale. Und das weit über die Rostocker Hafeneinfahrt hinaus. Der Verantwortungsbereich reicht vom Leuchtfeuer Buk bis zur polnischen Grenze. Seit dem 1. Februar 2005 werden von Warnemünde aus auch die Hafenzufahrten nach Stralsund, Wolgast und Sassnitz überwacht. Wismar ist dagegen Lübeck-Travemünde zugeordnet. AIS, das automatische Identifikationssystem, sowie Radar machen es möglich. Jährlich sind so etwa 45 000 Schiffe im Blickfeld. In diesem Jahr ist ein Rückgang von 200 Schiffen monatlich zu verzeichnen, so Dottermusch.

Sechs leitende Nautiker vom Dienst und 18 Assistenten bilden den Mitarbeiterstamm. Jeweils vier von ihnen sind im Schichtdienst, so dass die Verkehrszentrale Tag und Nacht besetzt ist. Unter Beoachtung ist auch die Kadetrinne. Alle vier Stunden gibt es für die Schifffahrt auf der stark frequentierten Wasserstraße Informationen vom Turm. "Seit der neuen Betonnung hat es hier keinen Unfall mehr gegeben", kann Peter Dottermusch konstatieren.

35 Jahre und sechs Monate hat der gebürtige Leipziger in der Verkehrszentrale seinen Dienst versehen. Nur unterbrochen von einem Jahr, wo er den Seenotkreuzer "Stoltera" zu führen hatte. Über das Segeln, was er in Schwerin während der Schulzeit begann, hatte er seine Liebe zur Seefahrt entdeckt.Er lernte bei der DSR, fuhr auf verschiedenen Frachtern weltweit zur See, erwarb auf den Seefahrtsschulen in Wustrow und Warnemünde das Kapitänspatent.

Am 1. April 1974 wurde die Verkehrszentrale sein Tätigkeitsfeld. Anno 1970 war das "Blaue Wunder" als Ersatzbau für die alte Lotsenstation gebaut worden. Auch die Zentrale Verkehrs-, Seenotrettungs- und Eisbrecher-Leitstelle des Seefahrtsamtes, so die damalige Bezeichnung, bekam hier ihren Sitz. Nach der Umstrukturierung Anfang der 90er-Jahre übernahm Peter Dottermusch von Jürgen Michel, der als Chef-Nautiker zum Wasser- und Schiffahrtsamt (WSA) Stralsund ging, die Leitung der Verkehrszentrale. Parallel zum Ausbau der Hafenzufahrt wurde auch das "Blaue Wunder" modernisiert, war der Verkehr seit Ende 1998 zwei Jahre lang vom Tonnenhof aus zu dirigieren.

2001 konnte Dottermusch mit seiner Crew von der seinerzeit modernsten Verkehrszentrale Deutschland Besitz ergreifen. Die Einführung neuer Simulationstechnik wird nun Aufgabe seines Nachfolgers sein.

Langeweile werde er nicht haben, versichert der Nautiker. So sind Törns mit dem Boot bereits vorprogrammiert.