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Rostocker Wahrzeichen Hochwasser kippt Pläne für das Matrosendenkmal

Von Katrin Zimmer | 20.01.2019, 20:21 Uhr

Längst sollte das Matrosendenkmal im Rostocker Stadthafen saniert werden. Doch Material und Warnowlage machen Probleme.

Vertrocknete Gräser und Plastikfetzen flattern an den Bauzäunen am Warnowufer. Es sind Überreste der Sturmfluten zu Jahresbeginn. Einige Meter höher thronen in scheinbar sicherer Entfernung zwei bronzene Aufständische auf ihrem Sockel. Eigentlich sollte das Matrosendenkmal im Rostocker Stadthafen längst saniert werden. Doch hinter den Bauzäunen passiert seit Monaten nichts. Schwieriges Material und die nahe Warnowlage machen Probleme.

Aus elf Einzelteilen besteht die fast neun Meter hohe Skulptur von Wolfgang Eckardt. An den Nähten halten sie Schrauben zusammen. Die müssen nach mehr als 40 Jahren ausgetauscht werden. Unklar ist allerdings, welcher Belastung der 38 Tonnen schwere Rotguss standhält. "Es gibt Lösungen für alles. Die Frage ist nur, was das kostet", sagt Kulturamtsmitarbeiter Thomas Werner. Angedacht war, die Teile von innen neu zu verschrauben und zusätzliche Klammern zu setzen. Ein Berliner Statikbüro und die hiesige Schweißfachschule untersuchen derzeit Proben des Materials. Die Stadt warte auf deren Auswertung, so Werner. Erst dann könne entschieden werden, was zutun ist – und für wie viel Geld.

Ursprünglich anberaumt hatte die Stadt gute drei Millionen Euro für das Projekt. Davon sollten die 1977 aufgestellte Skulptur saniert, eine Terrasse und Grünflächen geschaffen werden. Die stehen jetzt auf der Kippe. Denn sie würden dem nächsten Hochwasser nach jetzigen Plänen nicht standhalten. "Das Gelände ist von der ehemaligen Neptun-Werft zum Kabutzenhof hin abschüssig. Um vor Hochwasser zu schützen, müsste es aber genau andersrum sein", erklärt er. Dass die Stadt das Denkmal erhalten will, sei sicher. Ob sie es finanziell leisten kann, hänge von der Unterstützung aus Schwerin ab, so der Denkmalexperte.

Wie sehr Rostock an seinem Matrosendenkmal hängt, zeigt Thomas Werner in seiner Ausstellung "Reichpietsch, Köbis, revolutionäre Matrosen“ im Kröpeliner Tor. Bei einer Führung am Sonntag skizzierte er die Geschichte des Kieler Matrosenaufstands von 1918 und die Entstehung der Rostocker Skulptur zwischen 1967 und 1977.

Zur Geschichte des Rostocker Matrosendenkmals

Am 5. September wurden die Matrosen Max Reichpietsch und Albin Köbis hingerichtet. Sie hatten auf dem Schlachtschiff MS "Prinzregent Luitpold" den Aufstand mitangeführt. 50 Jahre später rief Rostock zu einem Kampfappell im Ostseestadion auf. 13.000 Delegierte, darunter 7000 FDJler und 4000 Pioniere, marschierten vom Ulmenmarkt zum Kabutzenhof. "Das war sozusagen die Geburtsstunde des Denkmals", sagt Werner. Es wurde fester Bestandteil der Vision von SED-Bezirkschef Harry Tisch. Der überzeugte Ende der 1960er sogar den Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht von seinen Plänen für Rostock. Künstler Wolfgang Eckardt, überzeugter Kommunist und Pazifist, setzte sich dafür ein, die Matrosen weder bewaffnet noch uniformiert darzustellen. Für die Arbeit an der neun Meter hohen Skulptur wurde Eckardt 1970 für 353.000 Mark extra ein Atelier beim Fischkombinat Marienehe gebaut. Eine längere Krankheit und fehlendes Material verzögerten die Fertigstellung des Hohlgusses. Doch die Stadt hielt an dem Denkmal fest. 1974 stellte er ein erstes Modell fertig. Es wurde 1976 in Leningrad gegossen und nicht wie geplant in Lauchhammer. Dort war man mit Aufträgen für den Palast der Republik beschäftigt. Im Sommer 1977 wurden die Matrosen schließlich aus elf Einzelteilen zusammengebaut und feierlich eingeweiht.

Ausstellung im Kröpeliner Tor

Die Ausstellung "Reichpietsch, Köbis, revolutionäre Matrosen“ im Kröpeliner Tor ist noch bis zum 3. Februar zu sehen. Sie ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die nächste Führung mit Thomas Werner beginnt am Donnerstag, 31. Januar, um 15 Uhr. Am Mittwoch, 23. Januar, lädt Dr. Wolf Karge, der ehemalige Leiter des Kulturhistorischen Museums, um 19 Uhr zum 39. Geschichtssalon ins Kröpeliner Tor ein. Er spricht zum Thema „Verordnetes Gedenken – Die Gedenkstätte der revolutionären Matrosen in Rostock“.