Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Warnemünde Fischkutter machen sich rar

Von Sabine Schubert | 05.11.2018, 17:27 Uhr

Mit den Jahren sind immer weniger Fischkutter auf dem Alten Strom zu sehen. Fischer Karl-Heinz Ruschau hilft dem Heimatmuseum Warnemünde an die traditionelle Fischerei zu erinnern.

„Was ist das hier für ein Durcheinander. Marode Netze und Reusen, daneben Angelzubehör, Schlittschuhe und Anker. Da muss doch einer mal Ordnung schaffen“, sagt Hannelore Hoppe beim Blick in den Hof des Heimatmuseums. Die Schriftführerin des Museumsvereins hat sich an Fischer Karl-Heinz Ruschau gewandt, der ebenso wie seine Frau Erna ein großes Herz für das Warnemünder Museum hat.

„Habe mir die Sache mal angeschaut. Und dann ging’s los“, sagt der 85-Jährige, der mal wieder in seinem privaten Fundus gekramt und gut erhaltene Netze und Reusen mit- und fachmännisch vor einer frisch geweißten Hauswand angebracht hat. „Nun kann sich der Besucher vorstellen, wie der Aal in die Reuse gelangt“, freut sich der Warnemünder, der mit seinem kleinen Boot noch hin und wieder unterwegs ist und dem Fisch nachstellt. „Die Reusen sind mir jetzt zu schwer, deshalb kaufe ich mir einen Aal, wenn ich darauf Appetit habe. Aber das Stellnetz setze ich noch selbst, bringe so Flundern oder einen Dorsch nach Hause, den meine Frau in den verschiedensten Varianten zubereitet“, verrät der rüstige Senior, während er das Fischernetz im Museumshof anbringt. „So steht ein Zwei-Meter-Netz im Wasser. Oben befindet sich die Schwimmleine. Und unten jene aus Blei. Ein Heringsnetz kann sogar vier bis fünf Meter hoch sein“, erklärt der Fischer. Schließlich nimmt er die Bojen ins Visier, die eine Nummer tragen, die wiederum dem jeweiligen Fischer zugeordnet ist. Sind die Bojen mit einer roten Flagge versehen, künden sie von einem Stellnetz. Eine schwarze Flagge hingegen weist auf Reusen hin. „Heute sind die Netze und Reusen aus Perlon, in der DDR hieß das Dederon. Die können nach dem Saubermachen gleich wieder verwendet werden. Früher, als sie noch aus Baumwolle oder Sisal gefertigt waren, mussten sie nach ihrer Verwendung zum Trocknen aufgehängt werden. Das war deutlich mehr Arbeit“, erinnert sich Karl-Heinz Ruschau, der ab 1947 bei seinem Großvater Hermann Ruschau auf dessen Zehn-Meter-Kutter „Hertha“ den Beruf des Fischers von der Pike auf lernte, im heutigen Haus Stoltera die Fischereifachschule besuchte, um ab 1949 mit Schiffen des Fischkombinates in der Barents- und in der Nordsee oder vor Island dem Hering, Rotbarsch und Heilbutt nachzustellen. „Im November 1953 habe ich meine Erna geheiratet. Da war Schluss mit langen Reisen. Habe zunächst bei Hermann Hahn als Fischer angeheuert. Ab 1956 habe ich in der ein Jahr zuvor gegründeten Fischereiproduktionsgenossenschaft gearbeitet“, erinnert sich der 85-Jährige an stürmische Zeiten. „Wenn wir heute auf den Alten Strom schauen, sehen wir immer weniger Fischkutter. Das ist traurig. Damit die Erinnerungen nicht ganz und gar verloren gehen, ist es einfach wichtig, dass im Heimatmuseum an die traditionelle Fischerei erinnert wird“, nennt der Warnemünder einen gewichtigen Grund für sein Engagement.