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Abstimmung hat begonnen Warum eine Rostockerin mit Lipödem Miss Germany werden will

Von Carolin Beyer | 09.10.2021, 10:20 Uhr

Vor drei Jahren erhielt Sina-Laureen Lange die Diagnose Lipödem. Ein Schock für die Rostockerin. Mit viel Disziplin schaffte sie es, schmerzfrei zu werden. Nun hofft sie, anderen Frauen Mut machen zu können.

Vor drei Jahren erhielt Sina-Laureen Lange die Diagnose Lipödem. Ein Schock für die Rostockerin. „Damals hat es mir den Boden unter den Füßen weggerissen“, sagt sie. Doch aufgeben und ein Leben voller Operationen und Schmerzen hinnehmen, kam für die 28-Jährige nicht infrage. Entgegen der Empfehlungen ihrer Ärzte entschied sie sich gegen eine OP und wählte einen außergewöhnlichen Weg. Mit ihrer Geschichte möchte sie nun die neue Miss Germany 2021 werden.

„Bei einem Lipödem handelt es sich um eine Ansammlung von Fettzellen. Diese tritt aber oftmals nicht alleine auf. Die Zellen nehmen zusätzlich Flüssigkeit auf und üben Druck aus. Dadurch entstehen dann starke Schmerzen“, erklärt Dr. Ulf Thorsten Zierau, Experte für Gefäßchirurgie aus Rostock. Normalerweise würde die Krankheit mit einer Kombination aus verschiedenen Therapien behandelt werden. Die meisten Patienten kommen jedoch um eine Operation in Form einer Fettabsaugung nicht herum.

Schmerzfrei ohne Eingriff

„Ich hatte damals eine Darm-OP. Danach musste ich meine Ernährung umstellen und fing an, Sport zu machen. Ich merkte, dass ich trotz meiner Erkrankung abnehmen kann und die Schmerzen weniger wurden“, berichtet Sina-Laureen. Obwohl ihr gesagt wurde, dass man als Lipödem-Patientin nicht abnehmen und die schmerzhaften Fettknötchen nur operativ entfernen könne, wollte die Rostockerin es versuchen. Auf ihrem Instagram-Kanal sina.laureen.official teilt sie seitdem ihre Erfahrungen.

„Ich habe dann Sport gemacht, meine Ernährung umgestellt und natürlich weiterhin die wichtigen Behandlungen gegen das Lipödem durchgeführt“, so die Freizeitpädagogin. Neben der Physiotherapie und der Behandlung mittels eines Lymphomaten sei laut Sina-Laureen auch eine Kompressionsstrumpfhose wichtig. Diese trägt sie heute mit Stolz. „Viele Frauen, die ein Lipödem haben, schämen sich für die Strumpfhose, aber man muss nur wissen, wie man sie stylt“, so die Rostockerin.

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Mit viel Disziplin schaffte die 28-Jährige es, 50 Kilogramm abzunehmen. Laut Experte Dr. Zierau ist das jedoch nicht die Regel. Nur durch die Regelmäßigkeit und den intensiven Sport konnte Sina-Laureen schmerzfrei werden. Geheilt wird sie jedoch nie sein. Nun möchte sie anderen Frauen, die an der Krankheit leiden, Mut machen.

Miss Germany als Plattform nutzen

Um das zu erreichen, hat sich Sina-Laureen für den Titel der Miss Germany beworben. Ein klassischer Schönheitswettbewerb ist der Kampf um die schwarz-rot-goldene Schärpe schon seit zwei Jahren nicht mehr. Schaulaufen in Bikinis – das ist mittlerweile Geschichte. Die Veranstalter des Miss Germany-Wettbewerbs krempelten das Konzept komplett um. Dieser soll nun modernen Frauen eine Bühne bieten, die Verantwortung übernehmen, ihr Umfeld nachhaltig positiv beeinflussen und sich und andere Frauen bestärken, so Andre Padecken von der Miss Germany Corporation.

In diesem Jahr haben sich 12.000 Frauen für den Titel beworben, so Padecken. Davon kamen allein 500 Bewerbungen aus Mecklenburg-Vorpommern. Sina-Laureen Lange ist eine von drei Teilnehmerinnen aus Rostock, die es in die Top 160 geschafft haben. Aktuell kann auf der Homepage des Wettbewerbs pro Woche für 40 Frauen abgestimmt werden, damit diese in die nächste Runde kommen. Das Voting für Sina-Laureen beginnt in der nächsten Woche.

Sollte Sina-Laureen oder eine der anderen Kandidatinnen aus MV den Titel der Miss Germany 2021 gewinnen, wäre sie die Erste, die jemals aus dem Bundesland gewonnen hat. Mit ihrem Sieg hätte sie die Möglichkeit, noch mehr Aufmerksamkeit für die Erkrankung Lipödem zu generieren. „Ich habe so viel vor, ich möchte andere Frauen, die auch unter der Krankheit leiden, erreichen und sie darin bestärken, dass sie das auch schaffen können. Ich würde auch gerne im Fernsehen darüber sprechen oder ein Buch schreiben“, sagt die Rostockerin. Bis dahin hofft sie, dass in der kommenden Woche viele Menschen für sie abstimmen und sie unter die Top 80 kommt.