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Politik Will Rostock die Buga?

Von TOHI | 02.06.2017, 05:00 Uhr

Bürgerschaft stimmt am 14. Juni über Prüfauftrag ab. Angst vor finanziellem Debakel wie bei der IGA 2003.

Die Bewerbungspläne Rostocks für die Bundesgartenschau (Buga) 2025 treten in eine erste heiße Phase ein: Am 14. Juni entscheidet die Bürgerschaft, ob das Rathaus überhaupt ein räumliches, finanzielles und stadtplanerisches Konzept für den Bereich Stadthafen erstellen soll. Der Wirtschaftsausschuss hat am Mittwoch bereits grünes Licht für den Prüfantrag der CDU gegeben. „Unsere Intention ist nicht mehr und nicht weniger, als einen Daumen hoch oder runter zu bekommen“, sagt Ausschussmitglied Jan-Hendrik Brincker (CDU).

Matthias Horn, Referent für Stadtentwicklungsfragen im Rathaus, sichert bei einem positiven Votum der Bürgerschaft eine Vorlage bis zum Herbst zu. Bis dahin würden sowohl die inhaltliche und geografische Ausrichtung als auch mögliche Fördertöpfe geprüft. „Wir müssen vieles im Unterwarnowbereich sowieso anfassen, da könnte die Buga Mittel zum Zweck sein“, sagt Horn. Dafür sei die Schau vor allem deswegen hervorragend geeignet, weil Bund und Land viel Geld in die Infrastruktur zuschießen. „Das ist ein Plus“, sagt auch Helmut Schmidt (CDU).

Schwerin profitiere noch heute von den Investitionen, die für die Buga 2009 getätigt wurden. Die Landeshauptstadt hatte ihre Schau sogar mit einem Plus von drei Millionen Euro abgeschlossen – und damit einen Kontrastpunkt zum 20-Millionen-Euro-Defizit gesetzt, das Rostock mit der Internationalen Gartenbauausstellung 2003 erwirtschaftet hatte. Dieses Minus wirkt noch heute nach, unter anderem bei Finanzsenator Chris Müller (SPD). Er sagt: „Wir müssen sehen, ob wir es uns überhaupt leisten können – nicht, dass es wieder defizitär endet.“ Andrea Krönert (Grüne) fordert, die Fehler genau zu analysieren und aus ihnen zu lernen. Damals waren beispielsweise die Erlöse aus Eintrittsgeldern zu hoch veranschlagt worden, Manager hatten wegen fehlerhafter Kündigungen Abfindungen kassiert, eine Marketingagentur ohne Arbeitsaufwand ein Millionenhonorar.

Sandra Wandt (SPD) hat im Schweriner Stadtmarketing positive Erfahrungen mit der dort ausgerichteten Buga gemacht. Die Gartenschau habe die ganze Stadt belebt. Auch für Rostock „kann das wirklich eine Chance sein“. Ihre Parteikollegin Anke Knitter verweist allerdings darauf, dass das Schweriner Plus nur auf hohen Landeszuschüssen beruht habe. Zudem müsse aus ihrer Sicht vor jeder Planung der Bürgerentscheid zum Standort des Traditionsschiffs im September abgewartet werden. Bis dahin hat der Ausschuss für Stadtentwicklung den Antrag gestern vertagt.

Debatte: Soll  die Buga nach Rostock geholt werden?

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JA - Mit Fördergeld den Turbo zünden


Wer Visionen hat, muss nicht immer zwingend zum Arzt gehen. Aber er braucht die nötige finanzielle Ausstattung. Wenn Rostock sein Ziel schafft und ab dem Jubiläumsjahr 2018 schuldenfrei ist, dann sollte es keinen Hinderungsgrund  mehr für Träume von blühenden Landschaften geben. Stillstand ist Rückschritt – und an dem Filetstück der innerstädtischen Kaikante  muss sowieso etwas getan werden. Wieso nicht eine Bundesgartenschau zum Anlass nehmen und mit entsprechenden Fördermitteln  den Entwicklungsturbo im und rund um den Stadthafen zünden? Dass die IGA in Rostock eineBürgerschaft stimmt am 14. Juni über Prüfauftrag ab / Angst vor neuem Debakeln Schuldenberg hinterließ, sollte  14 Jahre später nicht mehr als Argument gegen die Neuauflage einer Gartenschau gelten.  Sondern vielmehr dazu dienen, aus Fehlern von damals zu lernen und es für 2025 besser zu machen. Feste sollte man feiern, wie sie fallen. Und die Hansestadt hat diesmal die Möglichkeit, anschließende Katerstimmung von vornherein zu vermeiden. Claudia Labude-Gericke


NEIN - Rostock verträgt keine zweite IGA


Rostock verträgt keine zweite IGASicher, die schwimmenden Gärten und die Seilbahn bei der IGA 2003 waren schön. Aber hinterher stand Rostock mit einem Defizit von 20 Millionen Euro und einem auf zehn Jahre gebundenen Parkgelände als weitgehend brachliegender Altlast da. Die Folgen sind bis heute zu spüren. Nicht nur beim nach wie vor zu zahlenden Euro Parkeintritt. Dass die Bürger im September über den Traditionsschiff-Standort abstimmen können, liegt nur an einer befristeten Ausnahmegenehmigung des Wirtschaftsministeriums – mit Fördermitteln sind auch immer Auflagen verbunden, die Spielräume einschränken. Das wäre bei der neuen Buga genauso. Übrigens: 2015 endete die Schau an der Havel mit zwölf Millionen Euro Miesen für die Kommunen, 2013 in Hamburg sogar mit 37 Millionen. Das sollte Rostock Warnung genug sein. Seit 2003 haben nur Schwerin und Koblenz ein Plus verzeichnet – dank der Fördermittel vom Steuerzahler. Und die fließen für den angestrebten Stadthafen-Umbau auch ohne Risiko-Buga. Torben Hinz