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Rostock Wird der Weidendom entweiht?

Von CLLA | 26.06.2018, 05:00 Uhr

Interims-IGA-Chef will die grüne Kirche auch für weltliche Feiern öffnen. Mitglieder des Freundeskreises sehen darin Satzungsverstoß.

Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten, Konzerte: Seit der Internationalen Gartenschau (IGA) 2003 ist der Schmarler Weidendom eine geweihte Kirche und dient mehreren Rostocker Gemeinden als Veranstaltungsort. Deshalb betrachten die Mitglieder des Vereins, der sich um den Erhalt und Betrieb der grünen Kirche kümmert, die Pläne des aktuellen IGA–GmbH-Chefs Matthias Horn mit Sorge.

Der hat den Freundeskreis Weidendom und die Kirchengemeinden gebeten, zu prüfen, ob das weltgrößte lebende Bauwerk für weltliche Trauungen zugelassen werden kann – auch eine mögliche Entweihung war im Gespräch. „Das hat uns schon berührt“, sagt Reinhardt Schmidt. Der Vereinsvorsitzende kann im Weidendom auf zahlreiche Helfer zählen, die sich trotz ihres zum Teil bereits hohen Alters jede Woche vor Ort engagieren. Der Großteil der Ehrenamtler hätte einen kirchlichen Hintergrund. „In unserer Satzung steht, dass wir uns um die Organisation und Führung des kirchlichen Lebens im Weidendom kümmern – da geht es nicht um Kommerz, deshalb gibt es da schon einen Interessenkonflikt“, so Schmidt.

Matthias Horn sieht die Überlegungen als eine der Maßnahmen, „um mehr Menschen in den Park zu holen“. Dafür müsse der Kreis des Publikums erweitert werden, zum Beispiel durch das Angebot, den Weidendom für freie Trauungen oder weltliche Feiern zu öffnen. Die Gespräche hätten dabei nicht unter einem bösen Stern gestanden, sondern es sei gemeinsam überlegt worden, was getan werden könnte. „Und die rein kirchliche Nutzung schließt eben 90 Prozent der Menschen hier aus“, so Horn.

Dem widerspricht Reinhardt Schmidt und verweist unter anderem auf 3000 bis 4000 Besucher pro Jahr. Außerdem seien auch Gottesdienste zur Eheschließung möglich, wenn nur einer der Partner kirchlich ist.

„Natürlich stellt sich die Frage, wie lange der aktuelle Ehrenamtler-Kreis noch in der Lage ist, den Betrieb aufrechtzuerhalten“, so Schmidt. Auch die Finanzlage des Vereins sei abhängig von mehreren Sponsoren, den Mitgliedsbeiträgen sowie der Unterstützung durch den IGA-Park. Die Nutzung der grünen Kirche ist für den Freundeskreis und auch die Gemeinden aber klar: „Den Weidendom als reine Eventstätte – das wird es mit uns nicht geben“, sagt Thomas Ratzlaff, Vorsitzender des Kirchengemeinderates der Ufergemeinde. Auch das Angebot von Matthias Horn, dass die Kirchengemeinden den Weidendom nach einer möglichen Öffnung gratis für ihre Veranstaltungen nutzen können, sei nett und theoretisch machbar, aber praktisch nicht gewollt, ergänzt Reinhardt Schmidt.

Kommentar von Claudia Labude-Gericke: Jetzt kommt es auf jeden an
Dass der amtierende IGA-Chef nach Möglichkeiten sucht, den Schmarler Park für Besucher attraktiver zu machen, ist kein Verbrechen, sondern sein Job. Klar, dass sein Blick dabei auch auf den Weidendom fällt, der sich als Trau-Kulisse sicher super vermarkten lässt.  Klar ist aber auch, dass Matthias Horn mit diesem Ansinnen all jenen auf die Füße tritt, die seit vielen Jahren mit oftmals letzter Kraft dafür sorgen, dass die grüne Kirche das Schmuckstück bleibt, das sie ist. Wenn der Freundeskreis den Weidendom weiter für seine Zwecke nutzen will, muss er alle Anstrengungen darauf legen, weitere und vor allem jüngere Mitstreiter zu finden. Wem am Erhalt des Weidendoms in der aktuellen Form gelegen ist, der sollte sich jetzt dafür engagieren – selten war es wichtiger.