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Strecke Rostock-Warnemünde soll schneller werden Zwei Drittel der S-Bahnen fallen aus

Von Torben Hinz | 08.11.2010, 07:54 Uhr

Wegen Bauarbeiten fallen auf der Strecke Rostock Hauptbahnhof-Warnemünde rund zwei Drittel aller S- Bahnen aus. Statt wie üblich alle 10 Minuten fahren die Züge in den nächsten drei Wochen nur noch alle 30 Minuten.

"Die Strecke wird für eine Geschwindigkeit von 80 Kilometern in der Stunde eingerichtet", sagt Deutsche Bahn-Sprecher Gisbert Gahler. Dafür wird ein Gleis komplett gesperrt, ICE-Fahrgäste aus München müssen am Hauptbahnhof in die S-Bahn Richtung Warnemünde umsteigen.

"Der Zustand ist auf drei Wochen gesehen eine Zumutung", sagt Marcel Drews vom Fahrgastverband Pro Bahn MV. Die S-Bahn sei das Rückgrat Rostocks für den Nordwesten und das Ostseebad. Von der Umstellung seien rund 50 000 Einwohner betroffen, die ihren Tagesablauf nun komplett umstellen müssten. "Auf andere Verkehrsmittel ausweichen ist schwierig", sagt Drews. Die Autos stünden im Stau und mit der Straßenbahn dauere die Fahrt in die Innenstadt noch länger. Alternativen fehlten. Zumal die Bahn ihre Fahrgäste erst zwei Wochen vor Beginn der Arbeiten informiert habe, dafür dann aber auch massiv mit Aushängen und Lautsprecheransagen.

Pro Bahn fordert nun eine zusätzliche Weiche in Lütten Klein. "Dann wäre wenigstens ein 15-Minutentakt fahrbar, auch bei nur eingleisigem Betrieb", sagt Drews. Laut deren Bahnsprecher Gahler sei diese Lösung aber nicht wirtschaftlich umzusetzen. "Das ist sicherlich auch immer eine Kostenfrage", sagt er.

Die Arbeiten in die Nachtstunden zu verlegen, sei wegen ihres erheblichen Umfangs ebenfalls nicht möglich. "Das würde mehr Lärm auf einen längeren Zeitraum bedeuten", sagt Gahler. Das sei im Sinne des Anwohnerschutzes nicht genehmigungsfähig und daher verworfen worden.

Um die Kapazität der ausgefallenen Züge zumindest zum Teil aufzufangen, hat die Bahn die Waggons der eingesetzten Züge von drei auf vier aufgestockt. "Das wird aber nicht ausreichen", sagt Drews. In Richtung Innenstadt seien die Wagen spätestens ab Evershagen komplett überfüllt. Die Massen an Menschen bräuchten dann auch länger, um ein- und auszusteigen. Das wiederum führe zu systembedingten Verspätungen, die sich nicht mehr aufholen ließen. "Dazu fehlen die Kapazitäten", sagt Drews.