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Rostock Zweite Reihe als Müllhalde der City?

Von NICP | 10.06.2017, 08:00 Uhr

Anlieger der Eselföterstraße kämpfen mit Abfallproblem #wirkoennenrichtig

Gibt es in der Innenstadt ein Klassensystem? Den Anliegern der Eselföterstraße kommt das gelegentlich so vor. Die Geschäftsanlieger oder auch Praxen der Breiten Straße stellen ihren Müll nämlich bei ihnen in der Straße ab – zulässig und genehmigt – obgleich die Anlieger der Eselföterstraße ihre Mülltonnen verstecken müssen, versenken oder Hinterhöfe nutzen.

Dazu kommt und das ist das Hauptärgernis: „Die Zeiten werden nicht eingehalten“, sagt Jana Dolinga-Pinick. Tatsächlich: Werktags halb drei, sieben Tonnen stehen schon, obwohl sie laut städtischer Abfallsatzung erst ab 20 Uhr in die Straße gebracht werden dürfen und vor 10 Uhr wieder abgeholt werden müssen. Das schreckt Laufkundschaft ab. Weiß die Stadt nichts davon? – Doch, sagt Dolinga-Pinick, wenn die ihren Namen hören, wüssten sie schon Bescheid. Und sie ist nicht allein. „Mindestens sieben Jahre ist das schon so“, sagt Ricarda Hilpert von Kids only. „Das stört hier jeden“, sagt Julia Ebert von Giulia. „Das ist Geruchsbelästigung und auch eine Gefahr“, meint Frank Kessler, erst vor ein paar Monaten mit dem Modegeschäft Männerherzen eingezogen. Wenig später stolpert eine Passantin an der Tonne vorbei, ein Kinderwagen muss auf die Straße ausweichen. Eine Begründung, die sie bei Beschwerden bekommen haben sollen: Die Eselföterstraße sei nun mal keine 1A-, sondern 1B-Lage. Deswegen dürften sie auch nicht dauerhaft ein Schild in der Kröpeliner Straße aufstellen, dass auf alle Geschäfte in der Straße verweist. Wohingegen eine Gastronomie der Kröpeliner Straße das dauerhaft an fast der angefragten Stelle dürfe.

Die Müllproblematik ist dem Stadtamt wohl bekannt. „Besonders bei den Anliegern in der Eselföterstraße sind die bereitgestellten 240-Liter-Abfallbehälter seit vielen Jahren ein Ärgernis“, so Cornelia Bady, Sachgebietsleiterin für Ordnungs- und Verwaltungsangelegenheiten. Aktuell sei die Problematik jedoch nicht aufgelaufen, heißt es – obwohl Dolinga-Pinick einen Schriftverkehr mit der Verwaltung von vor drei Monaten vorlegen kann. Vor Ort gab es bereits Gespräche mit Ämtern und Entsorgungsunternehmen – wohl auch letzten Spätsommer. „Für alle Gewerbetreibenden der Breiten Straße ist lediglich die Hofeinfahrt die einzig mögliche und für die Entsorgungsunternehmen anfahrbare Örtlichkeit“, so Bady. Die zweite Einfahrt zum selben Hof würden sich die Gewerbetreibenden der Eselföterstraße aber als Option wünschen – nur wäre das ein paar Euro teurer für die Nachbarn aus der Breiten Straße, weswegen die das ausgeschlagen hätten. „Die Warenlieferung funktioniert aber darüber“, bringt Roswitha Radde vom Modegeschäft Luise ein. Lösung? – Laut Bady sei vor Ort besprochen worden, „dass bei erkennbaren Verstößen die Anlieger Kontakt mit dem Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) aufnehmen“. Dieser könne Ordnungswidrigkeiten in der Bußgeldstelle der Stadt anzeigen. Dolinga-Pinick hatte vom KOD aber wohl noch nichts gehört. Wie die anderen Anlieger will sie nur, dass die Stadt für Ordnung sorgt, dass Zeiten und Abstellorte eingehalten werden, ideal die zweite Durchfahrt auch genutzt wird und ernst genommen werden.

Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) will vor Ort einen Dialog moderieren, damit die zähe Müllthematik doch noch ein glückliches Ende finden soll.