Landkreis Rostock : Bauern werben um Verständnis

Solange die obere Bodenschicht tagsüber antaut, dürfen die Bauern die Gülle ausbringen – auch wenn sonst Frost herrscht.
Solange die obere Bodenschicht tagsüber antaut, dürfen die Bauern die Gülle ausbringen – auch wenn sonst Frost herrscht.

Infoveranstaltung in Rethwisch soll über Problematik mit Landwirtschaftsfahrzeugen und Gülle aufklären. Immer wieder gehen Beschwerden ein.

nnn.de von
28. Februar 2018, 05:00 Uhr

Ein wenig erstaunt aufgrund der geringen Beteiligung hat sich Bürgermeister Horst Hagemeister (parteilos) gezeigt, als er am Montagabend die Infoveranstaltung im Rethwischer Freizeittreff eröffnete. Denn dass das Thema durchaus die Gemüter erhitzt, das wissen nicht nur die ortsansässigen Landwirte Rainer Uplegger und Georg Mayr. Auf ihren Wunsch hin hatte der Bürgermeister zu dem Abend geladen, um über die Problematik der Landwirtschaftsfahrzeuge sowie das Ausbringen von Gülle zu informieren. „Wir bekommen immer mehr Anzeigen wegen Staub, Pflanzenschutz oder Schmutz“, erläutert Rainer Uplegger das Problem. „Jetzt wollen wir die Bevölkerung aufklären. Denn der größte Teil der Beschwerden kommt von Zugezogenen. Sie wissen oft nichts über Landwirtschaft“, sagt der Betreiber eines Familienunternehmens. „Dabei handeln wir nach dem Gesetz und versuchen, die Bevölkerung so wenig zu beeinträchtigen wie möglich. Aber das lässt sich nicht immer vermeiden, denn Landwirtschaft findet draußen statt und ist wetterabhängig“, so Uplegger.

Allein in diesem Jahr hat Georg Mayr schon drei Anzeigen erhalten, 2016 waren es rund 40, weil der Geschäftsführer der Mühlenhof Agrar GmbH & Co. KG Gülle auf die Felder gebracht hat. „Seit Herbst gibt es eine neue Düngeverordnung, das hat die Situation verschärft. Viele glauben, wir dürfen jetzt nichts mehr, allerdings ist es nur anders formuliert“, weiß Uplegger. „Vom 1. November bis 31. Januar ist Auszeit, da darf dann nur mit Ausnahmegenehmigung Gülle aufs Feld gefahren werden“, erläutert Mayr die Bestimmungen. „Außerdem dürfen wir nichts aufs Feld bringen, wenn der Boden wassergesättigt ist, das bedeutet, wenn das Wasser auf ebener Fläche steht und nicht nur in Spurrinnen. Und bei Frost auf unbewachsenem Boden“, sagt der Halter von etwa 2500 Rindern. Mayr betont, dass Gülle ein Naturdünger sei und keine Gefahr bestehe, dass dieser irgendwohin laufe. „Ich glaube, die meisten Neubürger haben nichts gegen Landwirtschaft, sondern sind nur besorgt wegen der Grenzwerte. Wenn diese eingehalten werden, ist es gut“, versuchte ein Anwohner die Bedenken zu formulieren.

Für die anderen Anwesenden hingegen waren vielmehr die schweren Maschinen Diskussionsthema. Diese würden die Straßen kaputt fahren und, so die Forderungen, sollten sich an die Tempolimits halten. „Dazu sind die Fahrer angehalten“, erklärt Rainer Uplegger. „Außerdem ist jeder nur kurz betroffen“, meint der Landwirt, der auf etwas mehr Verständnis aus der Bevölkerung hofft. „Jeder, der hier wohnt, sollte sich bewusst sein, dass wir auf dem Dorf sind. Hier kommt nicht die Straßenbahn, hier kommt der Trecker“, machte Bürgermeister Horst Hagemeister deutlich.

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