Rostock : Blindenhunde müssen nicht draußen bleiben

Mit Blindenführhund Cedric und Rentner Unkas (vorn) lebt Silvia Peske in Lichtenhagen. Im Einsatz ist nur noch Cedric. Austoben dürfen sich die beiden im Garten.
Mit Blindenführhund Cedric und Rentner Unkas (vorn) lebt Silvia Peske in Lichtenhagen. Im Einsatz ist nur noch Cedric. Austoben dürfen sich die beiden im Garten.

Silvia Peske kämpft dafür, ihre Blindenführhunde auch in Geschäfte mitnehmen zu dürfen

von
02. Februar 2018, 12:00 Uhr

Silvia Peske ist durch ein Glaukom seit 16 Jahren blind. Alltagssituation wie der Straßenverkehr oder das Umschiffen einer lockeren Gehwegplatte, selbst eines Aufstellers im Einkaufszentrum können der Rostockerin zum Verhängnis werden – wäre da nicht Cedric. Der vierjährige Blindenführhund geleitet sie sicher um alle Hürden und bewahrt sie vor Gefahren. „Ich vertraue ihm mein Leben an“, sagt die gelernte Krankenschwester. Damit ist nicht an der Geschäfts- oder Lokaltür Schluss. Aber genau das verlangen manche Rostocker Einrichtungen – obwohl ein ausgebildeter Blindenführhund ein von der Krankenkasse anerkanntes, gefördertes Hilfsmittel ist.

„Grundsätzlich darf ich ihn eigentlich überall mit reinnehmen.“ Praktisch ist sie schon bei einer Discounter-Kette, beim alten Citti oder auch einem großen Möbelhaus gescheitert – in der ersten Stufe. „Die sind bei ihrer Meinung geblieben – auch nachdem sie erfahren haben, dass er ein Blindenführhund ist.“ Und dann? Sich ausschließen lassen oder einen für Tausende Euro ausgebildeten Blindenführhund draußen anbinden? „Dann muss man sich den Geschäftsführer kommen lassen.“ Beim Discounter kam sie prompt rein, schrieb danach der Kette eine E-Mail, bekam eine Entschuldigung und hatte seitdem dort nie wieder Probleme. Beim Möbelhaus kam der Geschäftsführer und ließ sie – natürlich – rein. Laut Behindertengleichstellungsrecht „ist die Nutzung behinderungsbedingt notwendiger Hilfsmittel zulässig“. Davon seien insbesondere auch Blindenführ- und Assistenzhunde umfasst. Private Rechtsträger sind damit aber nicht verpflichtet, das kritisiert der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband. Das EU-Hygienepaket stellte aber klar, dass kein Verbot für das Führen von Blindenführhunden in Verkaufsräumen von Lebensmittelunternehmen besteht.

„Die Geschäfte haben Hausrecht, aber sie müssen mir den Einkauf ermöglichen“, erklärt die Lichtenhägerin die Praxis. Und das hat sie durchaus auch schon ausgereizt, einen Mitarbeiter verlangt, der bei Cedric bleibt, während sie allein in den Laden muss. In einem Warnemünder Traditionsfischrestaurant ist sie gescheitert, beim Hummerkorb das Gegenteil: Eine Kellnerin brachte sogar direkt Wasser für Cedric. Auch bei Rewe in Groß Klein habe sie sehr gute Erfahrungen, wie auch in der St.-Thomas-Kirche, für die sie im Gemeinderat ist. „Es gibt solche und solche Menschen.“

Cedric ist nicht ihr erster Blindenführhund. Vor 12 Jahren bekam sie Labrador Unkas, aber heute 13 Jahre und vier Monate alt, sieht er selbst sehr schlecht, hat wahrscheinlich Grauen Star. Cedric löste ihn ab, versteht sich ausgezeichnet mit Unkas, dem Silvia Peske nach hervorragender Arbeit auch eine schöne Rente bei sich ermöglichen will. Mit dem Negativeffekt, dass die Hansestadt Rostock Hundesteuer für den tierischen Rentner will. Blindenführhunde an sich sind von der Hundesteuer befreit – auf Rügen lassen Kommunen das auch für Hunde in Rente gelten. Bei der städtischen Behindertenbeauftragten Petra Kröger hat Peske Hilfe gefunden, um vielleicht auch die Hansestadt zu sensibilisieren.

„Es ist so mühsam, man muss sich überall durchbeißen“, sagt Peske. Allein die Genehmigung für Hilfen für Behinderte wie Orientierungs- und Mobilitätstraining oder eben die Hunde seien kräfteaufreibend. Dazu kommen die „normalen“ Hürden des Alltags. Gelegentlich regen sich auch Passanten auf: Sie würde ihren Hund quälen, weil er ein Geschirr trägt, „der Köter“ solle aus dem Laden raus oder müsse an die Leine. „Es wäre wünschenswert, dass die Leute aufgeklärter wären“, sagt Peske.

Blindenführhunde arbeiten im Geschirr, dafür sind sie ausgebildet. Leinenzwang gilt für sie nicht und nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz stellt ein generelles Verbot der Mitnahme eines Blindenführhundes eine unzulässige Diskriminierung dar. Die Ausnahmen macht Peske wenn dann selbst, etwa für die Sprechstundenhilfe beim Arzt, die Angst vor Hunden hat.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen