„Rostock für alle“ : Bürger demonstrieren für Toleranz

„Rostock für alle“ ist das Motto unter dem 1000 Menschen auf die Straße gehen.
„Rostock für alle“ ist das Motto unter dem 1000 Menschen auf die Straße gehen.

„Rostock nazifrei“ hat großen Zulauf bei Kundgebungen, Fahrradzug und Konzert. 150 bis 200 Rogida-Anhänger müssen ihre Route ändern.

von
01. März 2015, 22:00 Uhr

Über Rostock kreist gestern bis abends ein Polizei-Hubschrauber. Darunter: buntes Treiben in der Innenstadt. Das Bündnis „Rostock nazifrei“ hat als Reaktion auf den angemeldeten Rogida-Aufmarsch viele Protest-Aktionen organisiert. Unter dem Motto „Rostock für alle“ beteiligen sich knapp 1000 Menschen, davon nach Polizeiangaben 550 Demonstranten. In der Marienkirche predigt Tilman Jeremias zudem Toleranz vor 400 Menschen.

Am Kröpeliner Tor stehen von 14 bis 15 Uhr 400 Demonstranten – Jugendliche, Familien mit Kindern, Pärchen im Rentenalter, Gewerkschaftler und Politiker. „Unser Rostock ist keine Bühne für Fremdenfeindlichkeit“, verkündet Bügerschaftsmitglied Claudia Barlen (SPD). Großer Applaus, Transparente wehen im Wind. „An Rogida: Ihr seid nicht das Volk“, steht auf einem. „Man sieht es immer unverblümter: Es ist keine Bewegung aus der bürgerlichen Mitte, es sind Rechtsextreme, die gegen Flüchtlinge polemisieren“, sagt Landtagsabgeordneter Johannes Saalfeld (Grüne). Das zeichne sich bei den Aufmärschen der Pegida-Ausläufer in MV in den letzten Monaten ab. Auf der Bühne folgen ihm Landtagsabgeordneter Hikmat Al-Sabty (Linke), der die Politik aufruft, gegen Rassismus zu mobilisieren, oder auch Katayoun Hosseini aus dem Iran, die die Situation von Flüchtlingen beschreibt, das Leid in Lagern, die Angst: „Wir wünschen uns mehr Toleranz.“ Vom CSD steht wenig später Schwester Rosa auf der Bühne. Hass müsse man mit Liebe begegnen, sagt sie und singt „Lass die Sonne in dein Herz“. Nach 15 Uhr zieht die Menge zum Goetheplatz und bleibt dort. So kommt Rogida später nicht durch. Die rund 200 Demonstranten, vorwiegend Männer ab 20 Jahren mit Deutschlandfahnen und Schildern à la „Ami go home“, verharren bis 16.45 Uhr am Bahnhof Nord. Nicht weit entfernt ist zuvor die Rad-Demo angekommen. Rogida ist eingekesselt. 260 Beamte passen auf, dass genug Abstand bleibt zwischen den Parteien. Dann passiert es aber doch. Als Rogida über den Südring in die Schwaaner Landstraße zieht, schieben ein paar Demonstranten auf dem Rückweg Mülltonnen auf die Straße und zünden sie an. Die Rogida-Anhänger sollen nicht durch. Flaschen werden gegen Beamte geworfen. Die kriegen die Situation wieder unter Kontrolle, aber: Es werden Verfahren wegen Brandstiftung und Sachbeschädigung eingeleitet. Rogida wird zur Nordseite des Bahnhofs umgeleitet. Dort treten viele ab 18.40 Uhr die Heimreise an. Unterdes: friedliche Stimmung am Kröpeliner Tor. Die Band Antispielismus spielt zum Abschluss für die Demonstranten von „Rostock für alle“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen