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Blaue Flotte Rostock : Drei Generationen vereint ein Ziel

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Väter, Söhne und Enkel im Dienst der Schifffahrt. Über eine Gehlsdorfer Familie und die „Rostocker 7“ der Blauen Flotte #wirkoennenrichtig

nnn.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 12:00 Uhr

Die Lage am Wasser kennzeichnet seit jeher das Rostocker Leben. Die Stadt am Meer prägt die Berufe ihrer Einwohner. Fischer gingen von hier auf Fangfahrt, Seeleute lockte es von der Warnow aus in die Ferne. Schiffe liefen hier vom Stapel und fanden an der Warnow ihren Heimathafen und vielfältige Dienstleister im Umfeld. Die ganze maritime Welt Rostocks und ihre wechselvolle Geschichte ist hier verwurzelt und auch heute bestimmen Seefahrt, Schiffbau und Hafen das Leben der Hansestädter mit. Einige stellen wir in einer losen Beitragsfolge in ihrem Metier vor. „Besanschoot an!“ heißt es zum Auftakt über drei Generationen einer Gehlsdorfer Schifferfamilie.

Schon bevor die Hansestadt im nächsten Jahr ihr 800-jähriges Jubiläum feiert, kann sie in diesem Jahr auf ein kleines Jubiläum zurückblicken. 1932, somit vor 85 Jahren, schlug die Geburtsstunde für ein kleines Unternehmen, das heute als „Blaue Flotte“ in Rostock bekannt ist. Der Sandbootfahrer Fritz Schütt (1905 bis 1984) hob es seinerzeit aus der Taufe und dessen Söhne, Enkel und Urenkel setzen die seemännische Tradition bis heute fort.

Für Peter Schütt (82) wuchsen seinerzeit bereits auf der Barkasse „Dieter“ unter den Fittichen seines Vaters die sprichwörtlichen Seebeine. Während sein Bruder Dieter mit diesem Boot dann vor 40 Jahren den Werksverkehr von der Neptun-Werft zum Betriebsteil in Gehlsdorf initiierte, hatte es ihn bereits 1958 hinaus auf hohe See gezogen. Auf dem Lehrschiff „Theodor Körner“ begann sein beruflicher Werdegang als Seemann, bereits zehn Jahre später war er Kapitän. Sein erstes Kommando erhielt er auf dem Frachter „Stralsund“ im Afrika-Dienst. Reisen führten ihn aber auch nach Südamerika, Kuba und Archangelsk. Die letzten zehn Jahre bei der DSR wurde die „Fleesensee“ – ein Frachter vom Typ Poseidon – sein Brotschiff.


Vor 85 Jahren die Wurzeln gelegt


Die Enkelin Wibke Schütt (28) knüpfte an die Tradition ihres Großvaters an. Auch sie geht nach dem Studium an der Seefahrtsschule auf große Fahrt. Sie ist bei der Reederei Hamburg Süd gemustert und als 2. Offizier auf dem 10 500 TEU-Containerfrachter „Cap San Augustin“ im Einsatz, der auf der Relation zwischen Hamburg und Buenos Aires unterwegs ist. Bei Hamburg Süd zeigen immerhin vier Kapitäninnen in der Flotte die beruflichen Möglichkeiten auch für Frauen. Nach dem Urlaub gehört Wibke zu einer Crew, die Anfang Dezember den Neubau „Polar Costa Rica“ von der Werft in Korea abholt.

Auch für den Enkel Vincent (21) ist die Seefahrt das Berufsziel geworden. Der zunächst anvisierte Weg zum Leistungssportler hatte sich aus verschiedenen Gründen zerschlagen. Inzwischen ist er bei der seemännischen Ausbildung, die er im nächsten Jahr als Schiffsmechaniker abschließen wird. Die Zwischenprüfung auf dem Wege dahin hat er erst kürzlich erfolgreich gemeistert.

Sein Ausbildungsbetrieb ist die Reederei „Bugsier“. Nach dem ersten Lehrjahr auf dem großen Notfallschlepper „Nordic“ hat er auch bereits auf verschiedenen Hafenschleppern zeigen können, was er als Azubi gelernt hat – von Hamburg, Rostock und Wilhelmshaven bis nach Antwerpen, wo zuletzt sein Tätigkeitsfeld war.

Der Vater, Fahrgastschiffer Olaf Schütt (54), hat diese kleinen Kraftpakete bei seinen Fahrten durchs heimische Hafenrevier täglich im Blick. Bei einem Urlaubstörn im Frühjahr auf einem Hamburg-Süd-Frachter zwischen New York und Santos konnte er sich auch überzeugen, wie seine Tochter an Bord eines Frachtriesen auf hoher See ihren Mann steht.


Vom Stadthafen zum Neuen Strom


Das Arbeitsfeld vom Kapitän der „Rostocker 7“ begrenzt dagegen die Küste, es ist die so genannte Strandlinie zwischen dem Rostocker Stadthafen und dem Neuen Strom in Warnemünde. Sein Schiff, das 146 Gästen unter Deck und 250 Personen an Deck komfortabel Platz bietet, hatte er 2003 eigens für die IGA bauen lassen. Der kleine Vorgänger, mit dem er 1993 seine Tätigkeit als Fahrgastschiffer in der Blauen Flotte begann, war zu klein geworden. Die Blaue Flotte hatte sein Onkel Dieter, der Kapitän der „Hansestadt Rostock“, 1991 mit dem Fahrgastschiff „Recknitz“ aus der Taufe gehoben. Für dessen Bruder Peter bot sich nach dem großen Aderlass der DSR die Mithilfe im Familienbetrieb an und mit der „Kasper Ohm“ (der alten und dann auch neuen) war der Älteste der Familie etliche Jahre im Unternehmen tätig und hilft auch heute noch mal aus, wenn Not am Mann ist.

Gegenwärtig bilden vier Schiffe die Blaue Flotte, in der Dieters Sohn Thomas die „Mecklenburg“ führt und auch noch weitere Schütts wie Heike und Kathrin im Einsatz sind. Drei Generationen der Schifferfamilie waren Mitte August an Bord der „Rostocker 7“ vereint, als Oma Helga ihren 80. Geburtstag feierte. Peters Frau hat übrigens viele Jahre im Verein der Seemannsfrauen aktiv mitgewirkt und so fehlten die natürlich auch nicht in der Geburtstagsrunde.

Olaf Schütt und seine Kinder haben ein gemeinsames Hobby – das Segeln. Bei der jüngsten Mittwoch-Regatta wollten so auch Wibke und Vincent mit ihm trotz des schlechten Wetters gemeinsam zeigen, dass sie mit Tampen, Schot und Pinne gut umzugehen verstehen. Für das Segeln, so der Fahrgastschiffer, bleibe aber nicht viel Zeit. Die Hauptsaison ist zwar vorbei, aber auch danach gibt es neben der Bedienung der Strandlinie auch mit Charterfahrten nicht wenig zu tun, sind vielfältige Wartungsarbeiten gefragt.

Olaf Schütt, der auf ein bislang erfolgreiches Jahr zurückblickt, kann sich bei seinen Dienstleistungen auf ein eingespieltes Team stützen. Marlies Rohde, Sonja Glienke und Jana Buse sind Teil der Personenschifffahrt „Rostocker 7“.


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