Mahnmal : Ein Zeichen der Versöhnung

Im Rathaus-Foyer ist seit gestern eine Ausstellung zu Mehmet Turgut und den anderen neun mutmaßlichen Opfern des NSU zu sehen. Erarbeitet wurde sie von der Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 12. März montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr.
Im Rathaus-Foyer ist seit gestern eine Ausstellung zu Mehmet Turgut und den anderen neun mutmaßlichen Opfern des NSU zu sehen. Erarbeitet wurde sie von der Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 12. März montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr.

Gedenkort für Rostocker NSU-Opfer Mehmet Turgut wird am Dienstag eingeweiht. Seine Brüder Mustafa und Yunus sind dabei.

nnn.de von
21. Februar 2014, 05:00 Uhr

Jetzt kommt einiges auf die Sonne an. Wenn sie am nächsten Dienstag scheint, werden ihre Strahlen um 10 Uhr exakt durch die Achse zweier parallel aufgestellter Bänke im Neudierkower Weg fallen – an dem Ort, an dem zu dieser Zeit, an diesem Tag vor genau zehn Jahren der Imbissverkäufer Mehmet Turgut starb. Die Hansestadt will mit der Einweihung des Mahnmals an das mutmaßliche Opfer der rechten Terrorgruppe NSU erinnern und zugleich ein Zeichen setzen für Toleranz und ein friedliches Miteinander. „Was geschehen ist, tut uns leid. Wir wollen das klare Bekenntnis abgeben, dass in Rostock kein Platz ist für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos).

Laut Anklage im Münchner NSU-Prozess waren die Neonazi-Terroristen Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos 2004 in Rostock die Täter. Das von dem Leipziger Künstler Tobias-David Precht gestaltete Mahmal solle am Tatort nun Menschen ermöglichen, mit dem Ereignis und auch untereinander in Dialog zu treten, so Kulturamtsleiterin Michaela Selling. Nach Prechts Entwurf werden sich die Bänke versetzt gegenüberstehen, in ihre Rückenlehnen ist ein Gedenktext auf Deutsch und Türkisch eingelassen.

Zur Einweihung am Dienstag wollen Mehmet Turguts Brüder Mustafa und Yunus aus der Türkei anreisen. Mustafa Turgut wird eine Ansprache halten, die Gefühle der Familie erklären – für ihn auch ein Baustein im Prozess der Aufarbeitung, wie er bei einem früheren Besuch sagte. Zur Veranstaltung erwartet die Hansestadt auch den türkischen Botschafter in Deutschland, Hüseyin Avni Karslioglu, sowie die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der NSU-Opfer, Barbara John. „Rostocker, die sich dem stillen Gedenken anschließen wollen, sind herzlich zur Veranstaltung eingeladen“, sagt Oberbürgermeister Methling. Ausgangspunkt des Mahnmals war ein künstlerischer Wettbewerb, den die Bürgerschaft ausgelobt hatte.

Diese Entscheidung sei ein Schritt hin zu einer zeitgemäßen Erinnerungskultur in der Hansestadt gewesen, so Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens (CDU). „Wir wollten, dass die Tat nicht nur dokumentiert wird, sondern dass es klick macht im Kopf.“ Eine Arbeitsgruppe hatte sich unter Jens’ Leitung schnell auf ein Mahnmal am Tatort geeinigt. Zuvor war die Umbenennung eines Wegs nach Mehmet Turgut am Widerstand aus den Ortsbeiräten gescheitert.

Mehmet Turgut arbeitete erst seit zehn Tagen im Imbissstand „Mr. Kebab Grill“ auf der Brachfläche zwischen Plattenbauten und Einfamilienhäusern im Neudierkower Weg, als der Mord geschah. Sein Chef fand ihn am 25. Februar 2004 gegen 10.20 Uhr auf dem Boden liegend. Den Moment schilderte er laut Dokumentation der Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair so: „Ich sah, wie das Blut aus seinem Hals schoss. Ich habe ihn gefragt, wer es war. Aber Mehmet konnte nicht mehr antworten.“

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