Rostock : Stirbt der Wochenmarkt auf dem Margaretenplatz?

So leer könnte der Margaretenplatz zukünftig auch mittwochs bleiben, wenn die Händler des Wochenmarktes auf den Doberaner Platz umziehen dürfen.
So leer könnte der Margaretenplatz zukünftig auch mittwochs bleiben, wenn die Händler des Wochenmarktes auf den Doberaner Platz umziehen dürfen.

Die Verkäufer wollen auf den Doberaner Platz. Der zuständig Ortsbeirat und die Händler zeigen wenig Begeisterung.

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01. Juli 2020, 05:00 Uhr

Kröpeliner-Tor-Vorstadt | Stammkunden des Wochenmarktes auf dem Margaretenplatz in der Rostocker Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) könnten zukünftig mittwochs vergebens nach den Verkaufsständen suchen. Denn die Händler wollen auf den Doberaner Platz umziehen. Auf diesem hatten sie aufgrund von Bauarbeiten auf dem Margaretenplatz in den vergangenen zwei Monaten gastiert.

"Wir haben gemerkt, dass wir auf dem Doberaner Platz mehr Zulauf haben. Der Margaretenplatz ist wie ein Abstellgleis", teilte der Geschäftsführer von Biofrisch Nordost, Martin Lamp am Montag auf Anfrage mit. Die Händler, die am Montag und Donnerstag auf dem Doberaner Platz stehen, zeigten sich jedoch wenig begeistert von dieser Idee. Auch die Mitglieder des zuständigen Ortsbeirates äußerten Kritik.

Fokus auf Bioprodukte und Regionalität

Die Idee sei es den Mittwoch als halben Markttag beizubehalten, teilte die Geschäftsführerin der Großmarkt Rostock GmbH, Inga Knospe auf Anfrage mit. Der Fokus solle auf Bio-Produkten und Waren von regionalen Erzeugern liegen. "Die Märkte sollen sich nicht gegenseitig kannibalisieren."

Martin Lamp ist einer von zwei Händlern, die den Wochenmarkt am Margaretenplatz am Leben erhalten, so Knospe. "Der Platz ist schön und hat eine besondere Atmosphäre", so Lamp. Dennoch sei der Standort schwierig, da so gut wie keine Laufkundschaft käme. "Mit den Stammkunden geht es für uns gerade so."

Der Verkauf auf dem Doberaner Platz, auf dem er auch donnerstags seinen Stand betreibt, sei lukrativer. Zudem könnte dort mit neuen Händlern mehr Vielfalt für die Kunden angeboten werden. Einige regionale Hersteller hätten bereits Interesse gezeigt, so Lamp.

Dobi-Händler haben Bedenken

Die Euphorie über einen zusätzlichen Markttag hält sich bei den Händlern des Doberaner Platzes in Grenzen.

Laut Großmarkt-Chefin Inga Knospe verkaufen seit  2007 rund zwölf bis 15 Händler immer montags und donnerstags ihre Waren auf dem Wochenmarkt auf dem Doberaner Platz.
Aline Farbacher
Laut Großmarkt-Chefin Inga Knospe verkaufen seit 2007 rund zwölf bis 15 Händler immer montags und donnerstags ihre Waren auf dem Wochenmarkt auf dem Doberaner Platz.


"Ich würde es nicht so gut finden, weil wenn man einen Markt zu oft betreibt, kann das auch die anderen Markttage kaputt machen", sagte der Rostocker Obst- und Gemüsehändler Marko Wolff am Montag. Wenn es am Mittwoch jedoch wirklich ausschließlich bei Bio-Händlern bliebe, könne es funktionieren, ergänzte seine Frau Franka.

Der Obst- und Gemüsehändler Marko Wolff verkauft immer montags und donnerstags auf dem Doberaner Platz.
Aline Farbacher
Der Obst- und Gemüsehändler Marko Wolff verkauft immer montags und donnerstags auf dem Doberaner Platz.


"Aus drei Händlern werden schnell mal zehn", sagte Händler Heiko Korsin. Sei darunter einer, der ähnlich wie er regionale Lebensmittel bereits am Mittwoch verkaufe, könnte ihn das am Donnerstag Umsatz kosten. "Es werden ja dadurch nicht auf einmal viel mehr Kunden kommen." Mit am Stand von Korsin verkauft Susanne Küster ihre selbst gebundenen Blumensträuße. "Der Markt sollte doch auch etwas besonderes bleiben", sagte sie.

Blumenhändlerin Susanne Küster und Markthändler Heiko Korsin verstehen, dass die Händler des Margaretenplatzes umziehen wollen, sehen in ihnen jedoch auch Konkurrenz.
Aline Farbacher
Blumenhändlerin Susanne Küster und Markthändler Heiko Korsin verstehen, dass die Händler des Margaretenplatzes umziehen wollen, sehen in ihnen jedoch auch Konkurrenz.


Gleicher Meinung ist auch Verkäufer Ako Ahmed. "Dreimal ist einfach zu viel." Trotzdem könne er den Wunsch nach einem Umzug verstehen.

Der Wochenmarkt auf dem Doberaner Platz könnte an Wertigkeit verlieren und die Kundschaft weniger werden, befürchtet Ako Ahmed, der dort montags Antipasti verkauft.
Aline Farbacher
Der Wochenmarkt auf dem Doberaner Platz könnte an Wertigkeit verlieren und die Kundschaft weniger werden, befürchtet Ako Ahmed, der dort montags Antipasti verkauft.


Ortsbeirat fürchtet das Aussterben des Platzes

Auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates der KTV wurde die Idee besprochen. Zuvor hatte es bereits ein Treffen mit Großmarkt-Chefin Knospe und den Händlern gegeben. "Ich kann sagen, dass es aus dem Unternehmerstammtisch heraus eher negativ aufgefasst wurde, dass der Markt geht, weil da was für die Lebenssituation der Menschen verloren geht", sagte Ortsbeiratsmitglied Andreas Szabó (parteilos). Aus unternehmerischer Sicht sei der Wunsch der Händler jedoch nachvollziehbar.

"Mir schmerzt da ein bisschen die Seele, das aufgeben zu müssen", sagte Beiratskollege Matthias Siems (SPD). Jahrelang habe der Ortsbeirat dafür gekämpft den Barnstofer Weg und den Margaretenplatz mehr zu beleben. Er könne zwar die Händler verstehen, dennoch sei der Markt wichtig für den Stadtteil, so Siems.

"Ich kann verstehen, dass der Ortsbeirat die Entwicklung in den Stadtteil hinein haben will. Der Markt am Margaretenplatz ist schön, hat aber wenig Luft nach oben", so Knospe am Montag. In der nächsten Sitzung des Ortsbeirates will Knospe das Konzept vorstellen und gemeinsam mit den Mitgliedern eine Lösung finden, mit der alle Beteiligten leben können, so die Großmarkt-Chefin.

Kommentar von Aline Farbacher

Alle Beteiligten einbeziehen

Es ist verständlich, dass die Händler vom Margaretenplatz auf den Doberaner Platz umziehen wollen. Denn aufgrund der zentralen Lage könnte dort mehr Kundschaft akquiriert und bessere Verdienste eingefahren werden. Zudem scheint eine Weiterentwicklung des Wochenmarktes auf dem Margaretenplatz, auf dem nur noch zwei der ursprünglich sieben Händler übrig geblieben sind, eher schwierig. Gut ist, dass die Idee bereits frühzeitig mit dem Ortsbeirat besprochen wird. Nun müssen jedoch auch die Markthändler des Doberaner Platzes einbezogen werden, damit diese sich nicht übergangen fühlen. Gemeinsam sollte außerdem darüber nachgedacht werden, wie der Margaretenplatz anderweitig belebt werden kann.


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