JUBILÄUM DER SEEMANNSMISSION : Im Turm von St. Nikolai geboren

Die DSM-Crew (v. l.): Dorothea Flake, Folkert Janssen, Regina Qualmann und Rolf Spannaus
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Die DSM-Crew (v. l.): Dorothea Flake, Folkert Janssen, Regina Qualmann und Rolf Spannaus

Vor 25 Jahren wurde die Seemannsmission Rostock gegründet / Am Sonntag festliches Beisammensein im Chorraum der Kirche

nnn.de von
27. Januar 2016, 12:00 Uhr

Es geschah am 31. Januar vor 25 Jahren. Unangenehmer Wind peitscht Schneeregen in die Gesichter der Passanten, die an diesem Abend in der Rostocker Altstadt unterwegs sind. Ein kleiner Kreis an der Schifffahrt Interessierter findet sich unter dem schützenden Dach der Nikolaikirche zusammen. Es sind unter anderem Seeleute, Seemannsfrauen und Kirchenvertreter, die zum Turm der altehrwürdigen St. Nikolai hinauffahren. Sie wollen die Vorkehrungen für die Einrichtung einer Station der Seemannsmission im Hafen Rostock erörtern. Vorausgegangen waren Kontakte der Deutschen Seemannsmission e. V. aus Bremen mit dem Oberkirchenrat in Schwerin, um die Kirche für den Aufbau einer Anlaufstelle für Seeleute als Teil ihrer sozial-diakonischen Arbeit mit ins Boot zu holen. Gemeinsam wurde der Kurs abgesteckt. Das hieß zunächst einen Verein zu gründen, was an jenem Abend im Turmzimmer von St. Nikolai auf der Tagesordnung stand.


Für die Eröffnung Segel gesetzt


Die Pastoren Rolf Grund aus Warnemünde und Peter Wittenburg, damals Pastor von St. Petri, erläuterten bei der Gründungsversammlung Sinn und Zweck der Seemannsmission, stellten einen Satzungsentwurf vor, schließlich wurde ein Gründungsvorstand gesucht. Dafür erklärten sich die Seemannsfrau Heike Schönemann, die Erzieherin Kerstin Behrendt und die Gewerbelehrerin Marianne Hoffmann (heute Langer) bereit. Die Arbeit der Deutschen Seemannsmission Rostock e. V. konnte beginnen.

Für die Stelle als Stationsleiter hatte sich Folkert Janssen, Seemannsdiakon in Brunsbüttel, bereit erklärt, nach Rostock zu wechseln. Und das zu den damaligen Gehaltsbedingungen im Osten (das waren 40 Prozent der entsprechenden Bezüge im Westen) sowie den gegebenen Provisorien. Janssen, der als Seemann bereits Rostock und einige Rostocker kannte, reizte es, etwas Neues aufzubauen. Am 12. Juni 1991 trat er seinen diakonischen Dienst im Rostocker Hafen an.

Der damalige Hafendirektor Dieter Noll stellte Räume am Liegeplatz 35 als erste Heimstatt zur Verfügung (heute Sitz der Poststelle), in der auf 58 Quadratmetern Fläche Kerstin Behrendt als erste sozialdiakonische Fachkraft auf ABM-Basis die Vorbereitungen für die Einrichtungen der Station zur Betreuung der Seeleute traf.

Am 4. August war es dann so weit. Im Rahmen des Warnemünder Sonntags der Seefahrt wird der sozialdiakonische Dienst an Seeleuten feierlich eröffnet. Dafür wurden zünftig die Segel gesetzt. Der Transfer nach dem Gottesdienst in der Warnemünder Kirche zum Seehafen erfolgte mit dem 3-Mast-Gaffelschoner „Großherzogin Elisabeth“, der bei einem Ostseetörn zum zweiten Mal Rostock besuchte. Im Hafen erhielt der Seemannsclub den Namen „Hollfast“, was für Halt und Stütze steht.

Zwei denkwürdige Ereignisse folgen im Oktober des Gründungsjahres: Die Willi-Grünert-Stiftung übergibt dem Club einen Mini-Bus und somit die erste mobile Hilfe für Bordbesuche und die Beförderung von Seeleuten. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wird dann am 24. Oktober der neue Vorstand des Vereins gewählt. Der damalige Hafenkapitän Stefan Rathmanner wird 1. Vorsitzender und führt den Verein durch manch schwieriges Fahrwasser bis zum Jahre 2008. Viele Eckpunkte der Entwicklung tragen seine Handschrift mit.

Ein Problem ist wiederholt die Finanzierung. Eine Quelle wird mithilfe der Schiffsmakler aufgetan, deren Verband 1994 der Seemannsmission die freiwilligen Schifffahrtsabgaben zugänglich macht. Der Hafen stellt wiederum dem Seemannsclub die Räume mietfrei zur Verfügung. Die Kirche ist ein weiterer verlässlicher Partner. Schließlich konnten Teile der Einnahmen aus den Fischereirechten der Hansestadt als Finanzierungsquelle genutzt werden. Die entsprechende Änderung der Fischereisatzung im September 1999 war ein Bekenntnis der Hansestadt zur Arbeit für die Seeleute aus aller Welt.

Entsprechend der gestiegenen Besucherzahlen stellte 1993 die Hafen-Entwicklungsgesellschaft Räume in der einstigen Vorgarküche des Überseehafens zur Verfügung. Seit März 2008 finden die Seeleute „Hollfast“ auf der Rückseite des Hafenrestaurants und damit in einer noch komfortableren Anlaufstelle, um Kontakt zur Heimat aufzunehmen und in geselliger Runde sich auszutauschen, in Büchern des Hauses oder in den NNN zu lesen, die die Redaktion seit Ende 1991 den Seeleuten stiftet.

Weit über 140 000 Seeleute und andere Gäste besuchten von 1991 bis Ende vorigen Jahres den Club, von den Mitarbeitern erfolgten rund 40 000 Bordbesuche. Es gab Begegnungen mit 14 000 Seeleuten und 363 Krankenhausbesuche. 918 Einzelhilfen stehen ebenso zu Buche wie über 2500 Ausflüge mit über 9000 Seeleuten, der Tausch von Büchern und Devisen sowie die Gestaltung von Gottesdiensten und Andachten, an denen mehr als 9600 Seeleute teilnahmen.


An historischer Stätte der Wegbereiter


So weit einige Daten aus der Chronologie im Zeitraffer. Darüber werden am Sonntag beim festlichen Beisammensein anlässlich des 25-jährigen Bestehens einige Zeitzeugen aus eigenem Erleben berichten können. Die Jubiläumsveranstaltung findet am Ort der Gründung im Chorraum der Nikolaikirche statt. Hier erinnert eine Gedenktafel an den 1844 in Rostock geborenen Seemannspastor Friedrich Martin Elias Harms, einen der Wegbereiter des Seemannsmissionswerks in England und in Deutschland praktisch dessen Gründungsvater.


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