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Schillerplatz 8 : Land verkauft Rostocker Prunk-Villa

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

BBL sucht Besitzer für Schillerplatz 8. Behörde veräußert jährlich Liegenschaften und erwirbt neue für Behörden

1038 Quadratmeter Stadtgeschichte, ein Zeugnis für die „repräsentative Wohnhausarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts“ – wie es das Landesamt für Denkmalpflege formuliert – steht leer in der Steintor-Vorstadt. Der Eigner ist der Betrieb für Bau und Liegenschaften des Landes (BBL). Und der sucht einen neuen Besitzer für die Villa am Schillerplatz 8, Ecke Baleckstraße, die bis 2013 von der Universität genutzt wurde.

Zuletzt war sie Sitz des Wossidlo-Archivs Rostocks am Institut für Volkskunde und Geschäftsstelle der Personalräte. Einige Türen sind noch beschriftet, andere Räume oder Aufbauten geben Rätsel auf – im Keller hängt eine Schultafel, dort gibt es etwas wie einen Essensraum, der Dachstuhl wurde nie zu Ende ausgebaut. „Die neuen Nutzer müssen eine Wertschätzung für Baukultur haben“, sagt BBL-Sprecher Christian Hoffmann. In historischen Dokumenten ist zu finden, wer in der Villa, die 1913 errichtet wurde, einst lebte. Im Rostocker Adressbuch von 1924 taucht der Name Dietrich Helmerich auf, damals war er Rentier. Anfang 1900 war er zusammen mit Adolf Müller und Georg Mahn Gesellschafter der Malzfabrik Grevesmühlen GmbH. Für die Brauerei des letzteren, Mahn & Ohlerich, produzierte die GmbH Malz.

Der BBL kann in der Villa keine Landesstelle unterbringen. „Deswegen wollen wir sie veräußern“, sagt Hoffmann. Ein normales Prozedere beim BBL. 2002 war dieser gegründet worden, um die Liegenschaften, die nach der Wende dem Land zugeordnet wurden, zu betreuen. Ausgeschlossen sind land- und forstwirtschaftliche Flächen, Naturschutz- und Straßenflächen sowie solche, die wasserwirtschaftlich genutzt werden.

1100 Liegenschaften – Gartenflächen wie Lagerhallen oder eben Villen – hat der BBL aktuell im ganzen Land. „Der größte Teil ist schon zugeordnet“, sagt Hoffmann. Die Behörde kennt die Bedarfe der Landeseinrichtungen – von Wasserschutzpolizei, Finanzämtern, Straßenbauverwaltung, Jugend-Arrest-Anstalt oder sogar Diensthundeschule. Ein Dezernat prüft, wenn eine Liegenschaft wie die Villa frei ist, ob die Ansprüche eines Nutzers dazu passen – was bei Weitem nicht immer der Fall ist. In der Villa etwa könnte unmöglich die Polizei einziehen – abgesehen davon, dass die in Rostock voll versorgt ist. „Der Denkmalschutz sagt zum Beispiel, dass die Fenster erhalten werden müssen“, sagt Hoffmann. Durchschusssicheres Glas könnte nicht eingebaut werden. Was der BBL nicht mehr braucht, behält er vor, wenn perspektivisch Bedarf ansteht oder verkauft die Flächen und Gebäude.

Für die Villa könnte sich Hoffmann Verschiedenes vorstellen – „Bürogemeinschaften, vielleicht Planer oder Juristen. Es ist eine sehr repräsentative Adresse.“

 

Hintergrund

Verkäufe

• Der BBL MV hat 2016 für insgesamt 2,7 Millionen Euro 47 Liegenschaften verkauft – zwischen wenigen Hundert und mehreren Hunderttausend Euro.
• Darunter: Das ehemalige Amtsgericht in Ückermünde, Gartenflächen in Neustrelitz, Arrondierflächen (die an ein Gesamtanwesen angrenzen) in Schwaan, eine Polizeistation in Dassow, eine historische Domkaserne in Ratzeburg (die früher zu einer Mecklenburger Stiftung gehörte) oder auch eine Fläche im Industriepark in Schwerin.
• 2015 waren es 27 Verkäufe, die 2,5 Millionen Euro brachten.

Ankäufe

• Der BBL hat 2016 vier Flächen für 190 000 Euro angekauft.
• Darunter: Erweiterungsflächen am Campus Südstadt, eine Fläche am Schloss Wiligrad bei Schwerin als Parkplatz dafür.
• 2015 kaufte der BBL zwei Liegenschaften für 1,2 Millionen Euro  – darunter der offene Vollzug der JVA Stralsund.

Schillerplatz-Villa

• Baujahr 1913
• Grundbucheintragung 1943
• Grundstück 490 Quadratmeter, Außenflächen gehören teils der Stadt, die sie veräußern würde.
• massives Ziegelbauwerk bis 38 Zentimeter Wandstärke
• zu erhaltendes Baudenkmal

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erstellt am 19.Jun.2017 | 05:00 Uhr

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