Kinderstube Storchennest : Ehrenamtler beringen Küken im Landkreis Rostock

von 29. Juni 2020, 18:00 Uhr

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In Groß Lüsewitz ist zum ersten Mal seit 2008 ein Küken im Storchennest. Behutsam wird es von Ehrenamtler Gunnar Gernhöfer beringt.
In Groß Lüsewitz ist zum ersten Mal seit 2008 ein Küken im Storchennest. Behutsam wird es von Ehrenamtler Gunnar Gernhöfer beringt.

Mit einer Hebebühne sind die Storchenschützer im Landkreis unterwegs. Einige Jungvögel überlebten die Unwetter nicht.

Landkreis Rostock | Es ist erst kurz nach acht Uhr, da wird es plötzlich unruhig im Horst der Störche in Petschow. Zwei Männer fahren am Montagmorgen mit einer Hebebühne an das Nest heran, um die neu geborenen Küken mit ihren Nummerringen auszustatten. Kaum sind die zwei schmächtigen Vögel beringt, setzen sich die Weißstorchschützer Gunnar Gernhöfer und Christoph Roscher wieder in ihren Wagen und fahren zum nächsten Horst. 18 weitere Nester warten noch auf sie, bis in die Dämmerung sollen noch mehr als 40 Jungstörche beringt werden. Ringe funktionieren wie ein Personalausweis "Heute kriegen alle ihren Personalausweis", verkündete Weißstorchbeauftragter Stefan Kroll am Montag Vormittag. Damit meint er die Ringe, sie dienen im Verlauf des Storchenlebens dazu, die Herkunft und das Alter der Tiere nachzuvollziehen. Die gelben Ringe oberhalb des Knies würden seit einiger Zeit erprobt, da sich andere Modelle zum Teil als nicht lange haltbar erwiesen hatten, erklärt Kroll. "Falls die neuen Ringe dennoch abfallen sollten, bleiben die alten, silbernen Ringe am Fußknöchel." Störche werden im Alter von drei bis fünf Wochen beringt. "Die Jungstörche verfallen in eine Art Starre, wenn sie sich bedroht fühlen. Dann fällt es uns viel leichter, die Tiere zu beringen", erklärt Gunnar Gernhöfer, als er die Vögel in Broderstorf markiert. Mit einem kurzen und behutsamen Handgriff hat er beide Ringe angebracht. Darüber hinaus kontrolliert er auch den Zustand der Nester. "Manchmal findet sich Plastikmüll zwischen dem Gehölz, an denen die Jungstörche vielleicht ersticken könnten. Das reinigen wir natürlich, oder legen etwas Stroh nach." Verwaistes Küken findet neue Familie Die beiden Jungstörche im Horst am Broderstorfer Kindergarten wurden am Montag nicht nur beringt, sie durften sich auch über ein neues Geschwisterchen freuen. Ein verwaistes Küken aus dem Nest in Gnemern musste in einer neuen Familie untergebracht werden. "Im alten Horst war ein Elternteil des Kükens verschwunden, vermutlich gestorben. Aufmerksame Anwohner beobachteten, dass vor etwa zwei Wochen nur noch ein Elterntier vor Ort war", sagte Stefan Kroll. Da ein einzelner Storch nicht gleichzeitig für Versorgung und Schutz sorgen konnte, hungerte das Küken und war lang alleine im Nest. Kurzerhand wurde es von Ehrenamtlern gerettet und in der Tierklinik in Rostock zwei Wochen aufgepeppelt. "Es ist jetzt genau so groß, wie die bereits vorhandenen Küken im Broderstorfer Nest. Die Elterntiere sind gesund und fleißig, da ist das gerettete Küken sehr gut aufgehoben", so Kroll. Unter dem Jubel der Kinder aus der angrenzenden Kita "Kinderland" wurden die neuen Geschwister zusammen beringt. Todesfälle durch Unwetter Die Beringungsaktion ist die Dritte und somit Letzte in diesem Jahr. Die Hebebühne wird seit 2009 durch die Bauernverbände in Bad Doberan und Bützow finanziert. Im Altkreis Bad Doberan und dem Altkreis Ribnitz-Damgarten wurden mehr als 90 Küken beringt. Nach bisherigem Stand starben bei Unwettern mit Starkregen in den vergangenen Wochen zehn Küken. Trotz der wetterbedingten Todesfälle bleibt Stefan Kroll optimistisch. "Das Ergebnis ist eher mittelprächtig. Zunächst mal hoffen wir, dass sich das Waisenküken gut an seine neue Familie in Broderstorf gewöhnt." Darüber hinaus sei man erfreut, nach 12 Jahren ohne ein Küken in Groß Lüsewitz nun endlich wieder ein Jungstorch im dortigen Horst zu haben. ...

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