Unimedizin Rostock : Mutter und Kind therapiert

Erste Erfolge: Beim gemeinsamen Spielen kommen sich Bastian und Mama Christiane wieder näher.
Erste Erfolge: Beim gemeinsamen Spielen kommen sich Bastian und Mama Christiane wieder näher.

Einmaliges Familien-Konzept der Unimedizin Rostock gelingt durch Kooperation zwischen Kinder- und Erwachsenenpsychiatrie in MV

nnn.de von
13. Februar 2018, 12:00 Uhr

Um Eltern und Kindern Hilfe zu bieten, setzt die Unimedizin Rostock auf ein in der Region einmaliges Therapiekonzept. Dieses soll auch der 33-jährigen Christiane und ihrem Sohn helfen. Die Alleinerziehende liebt ihre beiden Kinder, auch wenn ihr Leben nicht immer einfach ist. Bei ihrem großen Sohn Bastian stößt sie allerdings an ihre Grenzen. Der 13-Jährige hat eine Lernbehinderung und ist verhaltensauffällig. „Ich fand einfach keinen Weg mehr, auf ihn einzugehen. Basti wollte nicht einmal mehr meine Nähe“, erinnert sie sich. Für die junge Mutter war es schwer mit anzusehen, wie sich Bastian von ihr entfremdete. Das führte dazu, dass ihre eigene Erkrankung, eine Depression, immer mehr zunahm. Probleme blieben unausgesprochen, Missverständnisse und Streit waren die Regel – am Ende zogen sich beide zurück.

Um sich ihrem Sohn wieder anzunähern und sich ihren eigenen Sorgen stellen zu können, hat sich Christiane Hilfe geholt. Die hat sie am Standort Bad Doberan gefunden, wo Kinder- und Erwachsenenpsychiatrie der Unimedizin Rostock gemeinsam eine Mutter-Kind-Therapie anbieten. Bundesweit gibt es nur sehr wenig vergleichbare Therapien. „Wir haben in einem Jahr ein Konzept entwickelt, bei dem neben der eigenen, störungsspezifischen Therapie der Fokus auch auf eine gemeinsame Behandlung von Mutter und Kind gerichtet ist“, erklärt Kinderpsychiater Dr. Alexander Dück. Er hat die beiden zusammen mit Jutta Schreckenbach, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, in der Tagesklinik behandelt. Das Konzept sei nicht starr, sondern werde individuell an die Patienten angepasst. „Wir führen jetzt wieder ein annähernd normales Familienleben“, resümiert die 33-jährige Mutter.

Zunächst wurde Bastian stationär in der Kinderpsychiatrie in Gehlsdorf aufgenommen, um durch eine vorgegebene Tagesstruktur, bestehend aus Spiel- und Mahlzeiten, Gesprächen, Ergo-, Musik- und Bewegungstherapie, die Verhaltensproblematik zu bearbeiten und so wichtige Grundlagen für die gemeinsame Behandlung zu schaffen. In einem nächsten Schritt ging es für den Jungen in die tagesklinische Betreuung nach Bad Doberan. Dort, in der Tagesklinik der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, hatte seine Mutter während Bastians stationärer Behandlung selbst psychiatrische Hilfe angenommen. Durch die enge Zusammenarbeit von Kinder- und Erwachsenenpsychiatrie sei eine gemeinsame Therapie von Eltern und Kind möglich, die darauf abziele, die Interaktion zwischen Eltern und Kind wieder zu verbessern.

„Unser Ziel besteht darin, Christiane die große Unsicherheit zu nehmen, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und sie in ihrer Rolle als Mutter zu stärken“, erklärt Dück. Es sei entscheidend für die Bewältigung des Alltags, dass Eltern auf ihre Ressourcen achten.

Damit Mutter und Sohn zurück zueinander finden, verbrachten sie nach langer Zeit in der Tagesklinik wieder die ersten gemeinsamen Momente. Sport- und Spielübungen sowie Gespräche halfen ihnen langsam, sich gegenseitiges Vertrauen zu schenken und sich erneut schätzen zu lernen. Dabei ließen sich Christiane und Bastian filmen, um selbst zu sehen, wie sie miteinander umgehen.

Was die vergangenen Jahre undenkbar war, ist für die kleine Familie nun Wirklichkeit geworden. „Wir reden viel mehr miteinander, sprechen über Probleme, suchen gemeinsam nach Lösungen – wir verstehen uns wirklich gut“, sagt Christiane stolz. Sie hat aber auch gelernt, sich Zeit für sich zu nehmen, wenn ihr alles über den Kopf wächst. Dabei kann sie Kraft tanken und danach wieder voll für ihren Basti da sein.

Zu Hause klappt es jetzt viel besser. Die Struktur aus der Tagesklinik versucht die Mutter weitgehend beizubehalten. Sie hat außerdem ein Belohnungssystem übernommen. Sind beide eine Woche lang gut miteinander umgegangen, belohnen sie sich mit einem kleinen Erlebnis: Eis essen oder ein gemeinsamer Filmabend. Nach ihrer Therapie sind Christiane und Bastian weiterhin in ambulanter Betreuung. „Das sichert langfristig den Erfolg“, begründet der Kinderpsychiater.

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