Integration : Ohne Angst ins kühle Nass

Lernen bringt Freude: Mohamed Ali, Ahmed, Abdalziz und Noori Ali (v. l.) haben Spaß beim Schwimmunterricht im Flussbad.
Lernen bringt Freude: Mohamed Ali, Ahmed, Abdalziz und Noori Ali (v. l.) haben Spaß beim Schwimmunterricht im Flussbad.

Vereine organisieren Schwimmkurs für 45 Kinder und Jugendliche

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25. August 2016, 12:00 Uhr

„Ahmed komm, Ahmed komm, Ahmed komm.“ Der 15-jährige Junge tippelt über den Steg, das gelbe Handtuch um seine Schultern gelegt. Er feuert sich selbst an: „Ahmed komm!“ In die 20 Grad warme Warnow zu springen, kostet den Jungen Überwindung. „Ahmed komm!“ Er geht eine Stufe, dann die nächste. Bis zu den Knien steht er im Wasser. Um seine Hüfte trägt er eine Schwimmhilfe. Seit er als Kind von seiner Cousine ins Wasser geschubst wurde, hat er Angst davor. Sein Blick schweift über das Wasser. Er stößt sich ab – und schwimmt.

Ahmed ist einer von 45 Kindern und Jugendlichen, die in den vergangenen vier Wochen dank der Vereine Balance of Power, Soziale Bildung und Wassersport Warnow Rostock im Flussbad schwimmen gelernt haben. Wenn morgen das große Abschlussfest gefeiert wird, erhalten etwa dreiviertel der Teilnehmer ein Seepferdchen, einige sogar das bronzene Schwimmabzeichen. Die Idee, einen integrativen Schwimmkurs anzubieten, hatten die Sozialpädagoginnen Jüte Sigeneger und Claudia Lübcke bereits im vergangenen Jahr. „Ich betreue viele Klienten aus anderen Ländern. Dabei habe ich festgestellt, dass die großen Jungs gar nicht schwimmen können“, erklärt Sigeneger ihre Initiative. In vielen Ländern gebe es anders als in Deutschland keinen verpflichtenden Schwimmunterricht. „Wer zum Beispiel aus kleinen Bergdörfern kommt, hat nie gelernt, sich im Wasser zu bewegen. Einige hatten zu Anfang große Angst, vor allem vor der Tiefe. Durch gegenseitiges Motivieren überwinden sie ihre Panik. Sie sagen sich selbst: ,Wenn ich mich traue, dann schaffe ich was.‘“

Für die Kurse waren ursprünglich 24 Plätze vorgesehen. Dass sich beinahe doppelt so viele Teilnehmer angemeldet haben, zeige den Bedarf. „Wir hatten auch Anfragen von erwachsenen Frauen, die gerne schwimmen lernen möchten.“ Unterstützt wird das Angebot vom Jugendamt. Nur so könnten die Fahrtickets zum Flussbad für die 8- bis 18-Jährigen finanziert werden. Zudem haben sich Rettungsschwimmer und Co-Trainer gefunden, die den Kurs ehrenamtlich begleiten.

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