Rostock : Retter üben für den Notfall

Inszenierter Amoklauf: Die Teilnehmer müssen die „Opfer“ – Laiendarsteller aus der Jugend von DRK und THW – und sich selbst schnell aus der Schusslinie bringen.
Inszenierter Amoklauf: Die Teilnehmer müssen die „Opfer“ – Laiendarsteller aus der Jugend von DRK und THW – und sich selbst schnell aus der Schusslinie bringen.

Ärzte aus ganz MV trainieren bei einem Aktionstag in der Hansestadt das Vorgehen bei Terroranschlägen.

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03. September 2018, 08:00 Uhr

Schmerzerfüllte Schreie schneiden sich durch den Schweizer Wald. Blutverschmierte Körper liegen auf der Erde, dazwischen Sanitäter, die versuchen, den Verwundeten zu helfen, ohne dabei selbst in die Schusslinie des Attentäters zu geraten. Erschreckend real ist die Szenerie hinter dem Trihotel, wo Rettungskräfte aus ganz MV für den Ernstfall üben – einen Terroranschlag.

Für den Ausnahmezustand vorbereitet

Das Training ist ein Teil des Programms am Notfalltag der Arbeitsgemeinschaft in Mecklenburg-Vorpommern tätiger Notärzte (AGMN). „Spätestens seit Paris ist klar geworden, dass terroristisch motivierte Anschläge oder Amokläufe häufiger geworden sind und vielleicht auch in Deutschland passieren können“, sagt Dr. Sven Hauschild, Anästhesist am Klinikum Südstadt. Als Reservist der Bundeswehr weiß er, wo die Unterschiede zwischen einem Verkehrsunfall in ruhiger Ortschaft und der Versorgung Verletzter im Krisengebiet liegen.

Für den Notfalltag am Sonnabend hat Hauschild erfahrene Experten gewinnen können, die die 110 Teilnehmer aus MV in Theorie und Praxis schulen. Von der taktischen Planung für den Fall eines Amoklaufs über Hilfsmittel zur raschen Blutstillung und dem Luftröhrenschnitt bis zur großen Terrorübung ist alles dabei. Das Szenario: Ein Wagen ist in eine Menschenmenge gerast. Es gibt Verletzte, die gerettet werden müssen. Doch der Fahrer steigt schwer bewaffnet aus, jede Sekunde bereit, das Feuer zu eröffnen.

„Wichtig ist eine schnelle Behandlung des Patienten, aber gleichzeitig die maximale Sicherheit für sich selbst zu bewahren“, erklärt Dr. Cornelius Kasch, Unfallchirurg und Katastrophenschutzbeauftragter der Stadt.

Maßnahmen an mehreren Stationen

Während die blutverschmierten Laiendarsteller aus der Jugend von DRK und THW in ihren Rollen als Verletzte lautstark und überzeugend aufgehen, schaffen die Kursteilnehmer die „Opfer“ hinter einen großen Van. „Der ist zwar nicht durchschusssicher, bietet aber immerhin Sichtschutz“, skizziert Kasch eines der taktischen Mittel, die die Militärkollegen den Rettungssanitätern und Notärzten beibringen.

Am Modell erklärt Rettungssanitäter Johannes Schicht (l.) Martin Henze, wie per Nadelstich sofort Druck vom Spannungspneumothorax genommen wird und Luft entweicht.
Kazi
Am Modell erklärt Rettungssanitäter Johannes Schicht (l.) Martin Henze, wie per Nadelstich sofort Druck vom Spannungspneumothorax genommen wird und Luft entweicht.
 

An einer anderen Station üben die Teilnehmer Maßnahmen, die in den ersten Sekunden über Leben und Tod entscheiden können. Was im Falle eines Spannungspneumothorax’ – einer Lungenverletzung, bei der eingedrungene Luft entweichen muss – bedeutet, dass per Nadelstich sofort der Druck genommen werden muss. „Ihr geht vom Schlüsselbein aus und sucht die fünfte Rippe. Die Nadel muss immer auf der Oberseite gesetzt werden, weil unten die Nerven entlanglaufen“, erklärt Rettungssanitäter Johannes Schicht.

Luftröhrenschnitt Dr. Claudia Scheltz, ärztliche Leiterin des Rostocker Rettungsdienstes,
Kazi
Luftröhrenschnitt Dr. Claudia Scheltz, ärztliche Leiterin des Rostocker Rettungsdienstes,
 

Die Teilnehmer probieren sich an seinem Modell aus. Knackpunkt: „Viele kennen Materialien und Techniken in der Theorie, kommen aber nicht dazu, sie praktisch anzuwenden. Dafür ist der Notfalltag gedacht“, betont Dr. Claudia Scheltz, ärztliche Leiterin des Rostocker Rettungsdienstes, während sie einen Luftröhrenschnitt simuliert.

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