Sturm der Entrüstung : Reutershagens historischer Kern steht vor dem Verkauf

Hier soll den Plänen der Stadt zufolge ein Doppelhaus entstehen.
Hier soll den Plänen der Stadt zufolge ein Doppelhaus entstehen.

Stadt schreibt den Druwappelplatz aus und entfesselt damit einen Sturm der Entrüstung bei den Anwohnern

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12. Juni 2015, 12:00 Uhr

Die Hansestadt hat den historischen Kern Reutershagens zum Verkauf ausgeschrieben – und damit den Zorn der Anwohner des Druwappelplatzes auf sich gezogen. „Im Interesse unserer Identität und Geschichte sollte die Stadt ihr Vorhaben noch mal überdenken“, sagt Erik Schreiber, Sprecher einer Initiative für den Erhalt des Platzes. Der Druwappel oder auch Mecklenburger Traubenapfel gilt als eine der ältesten Sorten des heutigen Bundeslands. Bekanntheit erlangte er unter anderem durch die Werke des niederdeutschen Autors und Namensgebers des Viertels, Fritz Reuter.

Die Ausschreibung des knapp 600 Quadratmeter großen Grundstücks läuft noch bis zum 26. Juni. „Wir erwarten runde 100 000 Euro für den Haushalt“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). „Es geht darum, attraktiven Wohnraum anzubieten.“ Gebaut werden solle ein Doppelhaus für zwei Familien. Derzeit darf eine Teilfläche des Druwappelplatzes noch unentgeltlich als Garten genutzt werden. Damit wäre nach dem Verkauf Schluss.

Die Anwohner wollen das verhindern und die Grünfläche erhalten. Aus ihrer Sicht sei der Platz schon immer öffentlich gewesen, so Schreiber. Er sagt: „Uns schwebt vor, in Zusammenarbeit aller eine Streuobstwiese mit Druwappel-Bäumen zu gestalten.“ Aktuell stehen sieben Bäume auf dem zum Großteil stark zugewucherten Gelände, darunter zwei mehr als 80 Jahre alte Linden. Auch sie sollen nach dem Wunsch der Anwohner erhalten bleiben. „Der Platz ist die Geburtsstätte von Reutershagen“, sagt Roswitha Weinberger. Sie lebt gleich nebenan in einem der ältesten Häuser des ab 1921 entstandenen Viertels. „Der Platz soll erhalten bleiben, statt verkauft zu werden. Es sollte eher ein Gedenkstein gelegt werden“, so Weinberger. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, hat sie Unterschriften gesammelt.

Unterstützung kommt auch vom Ortsbeirat, der einen Verkauf ebenfalls ablehnt. Von dem Vorhaben erfahren hatten die Mitglieder nur aus dem Städtischen Anzeiger. OB Methling räumt ein: „Die Verständigung des Ortsbeirats hätte sich gehört.“ Er steht weiterhin zum Verkauf, sagt aber zu, die endgültige Entscheidung dem Hauptausschuss der Bürgerschaft zu überlassen. „Wir müssen uns entscheiden, was wir wollen: Geschichte oder Geld“, sagt Finanzsenator Chris Müller (SPD). Die Stadt müsse sich von Grundstücken trennen, „die nicht zwingend einen Zweck erfüllen“. Unterdessen wollen die Anwohner am 26. Juni um 15 Uhr den Geburtstag Reutershagens auf dem Druwappelplatz feiern.

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