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Hintergrund Die Bedeutung der Hanse im Mittelalter und heute

Von Marek Majewsky | 01.08.2018, 14:01 Uhr

Der mittelalterliche Zusammenschluss hat zwar an Bedeutung verloren, für viele Städte in Mecklenburg-Vorpommern ist die Marke „Hansestadt“ aber immer noch von großer Bedeutung.

Niederdeutsche Kaufleute schlossen sich Mitte des 13. Jahrhunderts zusammen, um ihre wirtschaftlichen Interessen im Ausland gemeinsam zu verfolgen. Rund 400 Jahre lang prägte das „Hanse“ genannte Bündnis Wirtschaft, Handel und Politik in Nordeuropa, bis es im 17. Jahrhundert an Bedeutung verlor.

Welche Bedeutung hatte die Hanse im Mittelalter?

Als sich die Hanse entwickelte, spielten Staaten noch eine geringe Rolle. Ein Vergleich mit heutigen Organisationen ist nach Angaben des des Historikers Ernst Ludolf Münch daher zwar schwierig, dennoch könne man sagen, dass die Hanse eine der ersten Globalisierungsorganisation war.

Rostock und Wismar bildeten laut Münch mit Lübeck im Mittelalter grenzübergreifend den Kern der Hanse. Doch auch andere Städte konnten von dem wirtschaftlichen Aufschwung durch die Hanse profitieren, betont der Professor für mecklenburgische Landesgeschichte an der Uni Rostock. So habe etwa Neubrandenburg Hopfen für Rostock geliefert, wo Bier auch für den skandinavischen Markt gebraut worden sei.

Welche Bedeutung hat die Hanse in der heutigen Zeit?

Um an die mittelalterliche Tradition anzuknüpfen, wurde 1980 im niederländischen Zwolle die Hanse der Neuzeit gegründet. Der Bund mit Sitz in Lübeck will „einen Beitrag zur wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und staatlichen Einigung Europas“ leisten. Mitglieder sind inzwischen 190 Städte in 16 Ländern.

Welche Rechten und Pflichten haben die Mitgliedsstädte? 

Die Hanse ist wie im Mittelalter auch heute noch ein loser Zusammenschluss von Städten ohne eigene Rechtspersönlichkeit, wie die Hansestadt Stralsund mitteilt. Er habe nicht die Fähigkeit, Verpflichtungen einzugehen oder Verträge zu schließen. In der Geschichte seien die Hansetage das einzige Organ der Hanse gewesen, erläutert ein Sprecher der Stadt Rostock.

Was erhoffen sich Städte heute von dem Namenszusatz „Hansestadt“?

In größeren Städten wie Hamburg, Bremen oder Lübeck ist der Zusatz zu einer Art Marke geworden. Gerade für kleinere Städte gebe es daher eine hohe symbolische Bedeutung, sagt Münch. Doch der Zusatz ist nicht nur Aushängeschild. Nach der Wende habe es etwa in Rostock eine Rückbesinnung auf Traditionen vor den beiden deutschen Diktaturen gegeben, so auch die Idee, den Titel der „Freien Hansestadt“ wieder zu benutzen.

„Der Zusatz 'Hansestadt' ist Prädikat und Verpflichtung zugleich“, heißt es aus Stralsund. Der Titel habe einerseits eine Anziehungskraft für Touristen, andererseits gebe es die Verpflichtung, dass etwa die historische Altstadt für kommende Generationen erhalten bleibe.

Ähnlich äußert sich ein Sprecher der Stadt Demmin, die ebenfalls ein Möglichkeit der Werbung für sich sieht und gleichzeitig an die Traditionen der Stadt erinnern will. „Insbesondere in unserer Zeit, in der Globalisierung, Wirtschaftskrisen und elektronische Vernetzung die Wirtschaft zu bestimmen scheinen, ist ein Besinnen auf die alten, bodenständigen Werte der Hanse ein bedeutsamer Kontrapunkt“, hieß es.