Innovation : Rostocker in Boston im Klima-Finale

Im Modell verdeutlichen Julia Dombrowe (v. l.), Lars Krüger, Sarath Reddy Ravula, Mithma Samarawickrane, Uta Hermes, Aléxia Teren und Nils Methling, wie die Enzyme direkt beheizt werden.
Im Modell verdeutlichen Julia Dombrowe (v. l.), Lars Krüger, Sarath Reddy Ravula, Mithma Samarawickrane, Uta Hermes, Aléxia Teren und Nils Methling, wie die Enzyme direkt beheizt werden.

Beim Climate CoLab des Massachusetts Institute of Technology überzeugen die Tüftler von Gensoric mit ihrer revolutionären Energieversorgung #wirkönnenrichtig

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12. Januar 2018, 21:00 Uhr

Mit ihrem Willpower Energy-Projekt ist die Rostocker Firma Gensoric ins Finale des Climate CoLab Wettbewerbs des Massachusetts Institute of Technology (MIT) Boston gestürmt. Sie produziert mithilfe von Enzymen, aus der Luft gefiltertem Kohlenstoffdioxid, Wasser und grünem Strom Methanol. Dieser Energiespeicher ist bis zu 160 Tage haltbar und macht fossile Rohstoffe wie Erdöl oder Kohle überflüssig.

Die Bostoner Hochschule zählt zu den weltweit führenden technischen Eliteuniversitäten. Sie sucht mit dem Wettbewerb innovative Ansätze zur Erfüllung der globalen Klimaziele. Bis zum Finaleinzug hatten Experten die Wahl zwischen den Bewerbern. „Jetzt geht es nur noch darum, Leute zu mobilisieren“, sagt Gensoric-Sprecherin Uta Hermes. Noch bis Montag läuft die Abstimmung. Die Rostocker treten in der Kategorie Gebäude an und konnten bislang 520 Unterstützer gewinnen. Für das führende Projekt stimmten bisher 851 Unterstützer. Es will aus Kokosnusschalen Baumaterial herstellen. Dem Gewinner winken 10 000 Dollar und die Chance, das Projekt international zu vermarkten – unter anderem durch eine Reise nach Boston, erklärt Hermes.

Mit der Marktreife ihrer Anlage rechnen die Rostocker 2019. Ihren Wettbewerbsangaben zufolge produziert der Prototyp 6,36 Liter (fünf Kilogramm) Methanol pro Tag. Dafür benötige er 6,9 Kilogramm Kohlenstoffdioxid, 68,2 Kilowattstunden Strom, neun Liter Wasser und 179 Gramm Enzyme. Die Menge Methanol erzielt demnach bei der Rückumwandlung 30 Kilowatt elektrische oder 60 Kilowatt thermische Leistung. Die dafür nötige Brennstoffzelle liefert die Partnerfirma Silent-Power AG aus der Schweiz.

 

Zielgruppe der Rostocker sind Wohnhäuser, zunächst vor allem im Neubau. Unter anderem kooperieren sie dabei mit der Schelfbauhütte, einem Architekturbüro aus Schwerin. „Wir haben eine Zusammenarbeit beschlossen“, sagt Hermes. Eine erste praktisch genutzte Anlage könnte somit bereits im Vorwärts-Quartier in der Landeshauptstadt entstehen. Dafür haben die Partner gerade eine mit 30 000 Euro dotierte Auszeichnung im Ideenwettbewerb EnEFF.Gebäude 2050 erhalten. Vergeben wird diese auf Initiative der Bundesregierung. Langfristig will Gensoric die Verkaufskosten seiner Anlage senken: Ziel sind vergleichbare Preise zu bestehenden Systemen, etwa Wärme- und Stromgeneratoren für 12 400 Euro von Vaillant.

Und auch der Betrieb soll billiger werden, sodass das Kosten-Nutzen-Verhältnis dem von Erdgas entspricht. Aktuell liegt das den Angaben zufolge bei sechs Cent pro Kilowattstunde. Anfangs werde man diese Marke allerdings noch übertreffen. Erst die Massenproduktion senke die Kosten. Für die halbjährlich auszuwechselnden Enzyme, Wartung und Dienstleistungen rechnen die Rostocker mit Belastungen für die Nutzer von 250 Euro.

Internet: www.climatecolab.org

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