Warnow Valley : Rostocks Kreativ-Viertel boomt

Bildhauerin Julia Kausch (32) ist seit 2012 am Warnowufer, an der Rostocker Technischen Kunstschule hatte sie bei Thomas Jastram die Bildhauerschule besucht. Seit es das Netzwerk des Valleys gibt, hat sich für sie das Arbeiten noch verbessert. „Es ist vielfältiger, gibt mehr helfende Hände und interessante Geschichten.“ Der Erfahrungsaustausch bereichert sie. Aber: „Ich brauche eigentlich größere Räume.“
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Bildhauerin Julia Kausch (32) ist seit 2012 am Warnowufer, an der Rostocker Technischen Kunstschule hatte sie bei Thomas Jastram die Bildhauerschule besucht. Seit es das Netzwerk des Valleys gibt, hat sich für sie das Arbeiten noch verbessert. „Es ist vielfältiger, gibt mehr helfende Hände und interessante Geschichten.“ Der Erfahrungsaustausch bereichert sie. Aber: „Ich brauche eigentlich größere Räume.“

Das Warnow Valley muss Standort aus Kapazitätsgründen wechseln. Möglichkeiten am Groten Pohl und im Osthafen, Chancen für Digitalisierung.

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27. Juni 2018, 08:00 Uhr

Sie nehmen schon lange keine Nische mehr ein in der Stadt – die Start-ups, die Künstler, die Alternativen. Sie haben in Rostock ein eigenes Quartier. Durch Feste und den Erfolg seiner Mitglieder hat das Warnow Valley sich in Rostock einen Namen gemacht. Aber passend zur (Kreativ-)Branche: Stillstand gehört nicht ins Konzept – das Valley soll wachsen.

Zunächst waren am Warnowufer 29 bis 31 zwischen Autowerkstatt und L 22 einzelne Kreative wie Bildhauerin Julia Kausch und die Rabauke-Filmproduktion, dann Co-Working-Spaces, also geteilte Arbeitsplätze, dann folgte die Vernetzung – wesentlich mit der Agentur FINT (Für Innovationen, Netzwerke und Transformationen). „Die Idee ist, diesen Ort zu nutzen, um miteinander zu arbeiten, sich bei Projekten zu helfen und Synergien entstehen zu lassen“, sagt Veronika Schubring von FINT. „Das ist aber etwas, das nicht von allein passiert.“ Deswegen hat das Valley einen Quartiermanager – Torsten Sohn. Seine Stelle ist über das Land für Strukturentwicklungsmaßnahmen gefördert. Eine zweite – für die wissenschaftliche Ausrichtung – ist bei Hiero, dem Institut für Entrepreneurship und regionale Entwicklung an der Uni Rostock angesiedelt. 2015 wurde das erste Warnow Valley Open Air mit einer Gruppe Kreativer gefeiert. Heute sind rund 50 am Standort: zwei Filmproduktionen, ein Tonstudio, Programmierer, Game-Software-Entwickler, Mode-, Grafik-, Schmuckdesigner, Illustratoren, Journalisten.

Die 1120 Quadratmeter Nutzfläche in den drei alten Lager- und Bürogebäuden sind mittlerweile zu wenig. „Wir sind 100 Prozent kapazitätstechnisch vermietet“, sagt Veronika Schubring. Das Valley will wachsen – räumlich wie inhaltlich. „Ein Kreativquartier, wie es uns vorschwebt, gibt es in Berlin, Hamburg, Leipzig zuhauf“, sagt Veronika Schubring, „da muss Rostock den Anschluss fassen“. Langzeitziel: Im Quartier ein Kompetenzzentrum für Kreativ- und Kulturwirtschaft unterzubringen – gestützt durch das Know-how an der Uni. „Eine Anlaufstelle für Kreativschaffende, Organisationen, Unternehmen – für die Zielgruppe der Gründer“, erklärt Sohn.

Mit dem Stadtplanungsamt und Rostock Business ist das Valley auf der Suche nach neuen Flächen. „Wir haben uns sechs Flächen angeschaut und analysiert, wohin kann die Reise gehen“, sagt Torsten Sohn. Neben insgesamt mehr Arbeitsräumen für neue Kreative sollen auch mehr Gemeinschaftsflächen entstehen. „Der Grote Pohl ist eine Option, da sind wir in Gesprächen mit der Stadt, da hängt es ganz entscheidend davon ab, wie schnell die Wohnbebauung passiert.“ Perspektivisch ab der zweiten Jahreshälfte 2019 soll dort laut Amt gebaut werden. Entstehen sollen 700 Wohnungen, ein Kindergarten, eine Schule, Raum für Forschung und eben möglicherweise die Kreativwirtschaft. Der Vorentwurf des Bebauungsplans liegt vor.

Auch infrage käme der Osthafen, für den die Stadt im Zusammenhang mit der Buga Pläne für ein kreatives Warnow-Quartier hegt. Die Sinai Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH hatte dazu Ideen vorgelegt.

Veronika Schubring sieht die räumliche Veränderung frühestens in fünf Jahren – und nur als gemeinsames Projekt. Wenn das Valley umzieht, dann nur im Verbund der Kreativen. „Das ist der Pfand, den wir haben, dass wir nicht fünf, sechs Kleinstunternehmen sind, sondern viele, die zusammenarbeiten“, sagt Sohn. So halten und ermöglichen sie sich auch die Miete und so könnten sie einen neuen Standort kofinanzieren.

„Wir haben nicht das Gefühl, dass wir vergessen werden, aber wir müssen wieder klarmachen, was die Bedeutung von Kreativ-Quartieren ausmacht und dass es hohe Nachfrage gibt“, sagt Sohn. Ein Thema sei branchenübergreifende Vernetzung. Die Kreativwirtschaft bringe auch Qualifizierungsmaßnahmen hervor – zur Digitalisierung, dazu, wie man sich als Selbstständiger organisiert. Das Valley arbeitet auch mit dem Unternehmerverband zusammen. „Unsere These ist, dass die Kreativwirtschaft ein wesentlicher Treiber von Digitalisierung ist“, ergänzt Veronika Schubring, „deswegen braucht es solche Orte, um die treibenden Kräfte solcher Prozesse auch hier zu halten“. Aktuell bemühen sie sich um Fördermittel aus dem Digitalisierungsfonds.

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