Podiumsdiskussion zur OB-Wahl : Verschiedenste Ideen für attraktivere Stadtteile

Die Sanduhr gibt ihre Redezeit vor: Uwe Flachsmeyer (Grüne), Steffan Bockhahn (Linke), Dirk Zierau (UFR), Moderator Michael Fengler, Claus Ruhe Madsen (parteilos), Sybille Bachmann (Einzelbewerberin), Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) diskutieren (v.l.)
Die Sanduhr gibt ihre Redezeit vor: Uwe Flachsmeyer (Grüne), Steffan Bockhahn (Linke), Dirk Zierau (UFR), Moderator Michael Fengler, Claus Ruhe Madsen (parteilos), Sybille Bachmann (Einzelbewerberin), Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) diskutieren (v.l.)

Die OB-Kandidaten diskutieren dieses Mal in Dierkow. Es geht um Bebauung, Durchmischung und Grünflächen.

nnn.de von
18. April 2019, 06:00 Uhr

Rostock |

Co-Living. Man lebt in kleineren Räumen, hat aber mehr Gemeinschaftsflächen. Sybille Bachmann, Einzelbewerberin


„Wer zuerst anfängt, wird ausgewürfelt“, sagt Moderator Michael Fengler. So begann die Podiumsdiskussion im Ortsamt Ost in Dierkow. Sechs der neun Oberbürgermeisterkandidaten sitzen an der langen Tafel aufgereiht. Zwischen ihnen eine riesige Sanduhr und ein blauer Plüsch-Würfel. Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) würfelt zuerst und hat direkt die Sechs. Doch bei diesem Spiel startet die Eins und damit Einzelbewerberin Sybille Bachmann.

Jeder Kandidat bekommt 40 Sekunden

„Ich bin eine sehr bekannte Unbekannte“, stellt sie sich selbst vor. Dennoch bringe sie 20 Jahre kommunalpolitische Erfahrung mit. Sie weiß, die Misstrauenskultur ist ein Problem. Daher fordert sie: „Wir müssen mehr Politik erklären.“ Danach erzählen die einzelnen Kandidaten ihren Weg zur Kandidatur: Claus Ruhe Madsen (parteilos) mit viel Witz, Steffen Bockhahn (Linke) mit Anekdoten aus seiner Zivildienst-Zeit in Toitenwinkel und Chris Müller-von Wrycz Rekowski selbstbewusst: „Ich halte mich für gut qualifiziert und gut motiviert.“

Dann beginnt der Fragenmarathon. 25 Fragen sind für knapp zwei Stunden angesetzt. Jeder Kandidat bekommt 40 Sekunden Zeit von der Sanduhr, dann geht das Mikrofon an den nächsten. Die Fragen waren den Bewerbern zuvor bekannt, sie konnten sich vorbereiten.
 

Segregation - was sind die Strategien?

Moderator Michael Fengler startet direkt mit einem großen Thema: Die starke Segregation in Rostock, welche Strategien haben die Kandidaten? Alle sind sich einig: Es braucht mehr Durchmischung. Aber wie? Dirk Zierau (UFR) findet: „Wir wollen alle Stadtteile attraktiver gestalten.“ Uwe Flachsmeyer (Grüne) stimmt zu, Stadtentwicklung könne man nur als Ganzes denken. Seine Idee: Mehr Kreativzentren, nicht nur in der Stadtmitte, sondern beispielsweise auch am Sternplatz in Toitenwinkel.

Sie würfeln, wer anfangen darf.
Katharina Golze
Sie würfeln, wer anfangen darf.


Sybille Bachmann nennt Quartiersmanagement für alle Stadtteile als Lösung, ebenso Bildungs- und Sportlandschaften. Statt Neubau fordert sie eine bessere Durchmischung innerhalb eines Hauses. Dazu bremst sie Steffen Bockhahn aus: „Leistungsgesetze werden nicht im Rathaus entschieden.“ Er plädiert für einen Nachteilsausgleich, vor allem in Toitenwinkel und Dierkow. Madsen sieht eine Zukunft darin, die Ortsbeiräte zu stärken. Und Chris Müller-von Wrycz Rekowski sieht vor allem bei den Kindern und Jugendlichen in diesen Stadtteilen Förderungsbedarf.

Tiny Houses, Co-Living und Lückenbau

Ein attraktiver Stadtteil hat auch viel mit der Bebauung zu tun. Mehr sozialen Wohnungsbau in der Stadtmitte, KTV und im Hansaviertel und zugleich attraktiver Wohnungsbau in Toitenwinkel sieht Flachsmeyer als Lösung. Nur so gelinge eine bessere Durchmischung. Madsen bringt als Alternative Tiny-Häuser ein. Auch wolle er sich mehr mit dem Landkreis verständigen, denn "wir wollen als Region wachsen und nicht nur als Stadt." Bachmann entgegnet, auch die kleinen Häuser seien mittlerweile unerschwinglich, besser: Lückenbau, Aufstocken und eine neue Bodenpolitik.
 

Co-Living. Man lebt in kleineren Räumen, hat aber mehr Gemeinschaftsflächen. Sybille Bachmann, Einzelbewerberin


Stellt sich die Frage: Grünflächen oder Verdichten? Flachsmeyer, Bachmann und Müller-von Wrycz Rekowski sind sich einig: Aufstocken auf einetagige Kaufhallen oder Kitas. Flachsmeyer weiß aber auch: "Nicht zu eng verdichten, die Leute brauchen den Blick ins Grüne" und auch Kleingärten. Madsen und Bachmann teilen den Gedanken kleiner Kommunen. "Co-Living. Man lebt in kleineren Räumen, hat aber mehr Gemeinschaftsflächen", erklärt Bachmann. Auch habe sie bereits mit einem Wohnungsbauträger gesprochen, Studenten- und Seniorenwohnen zu verknüpfen. Madsen und Zierau sagen zudem beide, sie wollen mit den Bürgern diskutieren, wie sie leben wollen.

Bürger fragen interessiert die Kandidaten

Eine Bürgerin aus Gehlsdorf meldet sich: "Wie wollen sie sicherstellen, dass die Infrastruktur mitwächst?" Applaus. "Ein Prozessmangel, den wir in der Stadt haben", gesteht Müller-von Wrycz Rekowski. Alle sechs sind sich aber einig: Rostocks ÖPNV ist besser als anderswo. Flachsmeyer und Müller-von Wrycz Rekowski sagen aber auch: Wenn ein neues Stadtgebiet entsteht, müsse zuerst die Infrastruktur geplant werden. Bachmann macht sich zudem für eine gemeinsame Verkehrsgesellschaft mit Umland und Stadt stark ebenso für eine Straßenbahnerweiterung.

Ich bin hier leider nicht eingeladen worden. Edgar Schulze, Einzelbewerber


Als sich ein nächster Bürger meldet und nach einer Fährverbindung statt Fahrradbrücke zwischen Gehlsdorf und Innenstadt fragt, meldet sich plötzlich auch Einzelbewerber Edgar Schulze zu Wort. Er sitzt im Publikum und nicht im Podium. "Ich bin hier leider nicht eingeladen worden", sagt der Bewerber, doch wolle er auch seine Position zum Thema kundtun. Moderator Michael Fengler lenkt entschuldigend ein: Als die Einladungen raus gingen, waren nur die sechs Bewerber im Podium bekannt.

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