Rostock : Schienenersatzverkehr sorgt weiter für Unmut

Dass Reisebusse statt Niederflurfahrzeuge eingesetzt werden, stößt unter anderem den Grünen sauer auf.
Dass Reisebusse statt Niederflurfahrzeuge eingesetzt werden, stößt unter anderem den Grünen sauer auf.

Grüne fordern bessere Taktung und mehr Niederflurbusse. Deutsche Bahn will Kritik prüfen.

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01. November 2018, 20:33 Uhr

Seit anderthalb Wochen trifft es vor allem die Pendler, die aufgrund der Bauarbeiten am Bahnhof Warnemünde zwischen Marienehe und dem Ostseebad den Schienenersatzverkehr nutzen müssen. Die Kritik reißt seitdem nicht ab: „Die aktuelle Situation ist ein Desaster“, erklärt Uwe Flachsmeyer. Der Fraktionschef der Grünen, der auch Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl ist, hat sich mit einem offenen Brief an die Deutsche Bahn und das Energieministerium MV gewandt. „Die Zahl der Ersatzbusse reicht bei Weitem nicht aus. Insbesondere Kinderwagen und Rollstuhlfahrer finden oft keinen Platz – weil die Busse überfüllt sind oder Reise- statt Niederflurbusse eingesetzt werden“, so Flachsmeyer. Bereits erfolgte Nachsteuerungen vonseiten der Bahn hätten keine entscheidende Verbesserung gebracht. Die seien aber dringend nötig. Vor allem, weil der Ersatzverkehr allein für die aktuelle Baumaßnahme noch bis 22. November andauert. Der Rostocker Kommunalpolitiker fordert im Interesse der Nutzer, dass mehr Niederflurbusse eingesetzt werden und diese zugleich in kürzerer Taktzeit fahren.

Dass es aber überhaupt einen Schienenersatzverkehr gibt, sei keine Selbstverständlichkeit, erklärt Ulrike Sennewald. Im bestehenden Verkehrsvertrag zwischen dem Land und der DB Regio sei laut der Sprecherin des Schweriner Infrastrukturministeriums kein entsprechendes Konzept vorgesehen. Das Land hätte das Bahn-Unternehmen dennoch beauftragt, während der Vollsperrung der S-Bahn-Strecke für Ersatzverkehr zu sorgen. Dieser soll ab Marienehe nahtlos ab den 15-Minuten-Takt anschließen, in dem die S-Bahn noch zwischen dem Hauptbahnhof und Marienehe verkehrt. „Eine engere Taktung ist nach Auskunft der DB Netz AG nicht möglich“, so die Ministeriumssprecherin.

Auch auf die Bestellung der Fahrzeuge habe das Ministerium keinen Einfluss, da diese durch die DB Regio erfolge und es sich aufgrund der Verfügbarkeit im Regelfall um Reisebusse handele. Die Sorgen und Nöte der Nutzer habe das Ministerium bereits bei den Planungen im Blick gehabt. Denn Ulrike Sennewald zufolge war die Vollsperrung bereits ab Bramow vorgesehen, wurde aber auf Wunsch des Landes weiter nach Norden verlegt – in Marienehe bestehe im Gegensatz zu Bramow ein gut ausgebauter Verknüpfungspunkt mit dem öffentlichen Nahverkehr.

Eine Bahn-Sprecherin zeigte sich gestern überrascht von der aktuellen Kritik. Vonseiten des Unternehmens sei man davon ausgegangen, dass die direkten Nachbesserungen nach Beginn des Ersatzverkehrs ausreichend wären. Die Hinweise der Rostocker Nutzer sollen nun aber intern noch einmal besprochen werden.

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