Rostock : Suchtklinik feiert Neueröffnung

Zur offiziellen Eröffnung begrüßten Cornelia Lenz (l.), Dr. Michael Köhnke und Katrin Kuphal gestern rund 200 Gäste. Fotos: Tohi
Zur offiziellen Eröffnung begrüßten Cornelia Lenz (l.), Dr. Michael Köhnke und Katrin Kuphal rund 200 Gäste. Fotos: Tohi

Friedrich Petersen Rehabilitationszentrum zieht von der Südstadt nach Groß Klein. 96 Betten für Alkohol- und Tablettenabhängige.

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22. August 2018, 21:00 Uhr

Nach 20 Jahren als Mieter am Standort in der Südstadt hat das Friedrich Petersen Rehabilitationszentrum für suchtkranke Menschen nun in Groß Klein neu gebaut. Am Mittwoch feierten Geschäftsführerin Katrin Kuphal und Chefarzt Dr. Michael Köhnke gemeinsam mit rund 200 Gästen, Mitarbeitern und Patienten die offizielle Eröffnung am Kleinen Warnowdamm 1b. In Betrieb ist die wohl modernste Suchtklinik Deutschlands aber schon seit März.

Sie hat 14 Millionen Euro gekostet und vereint das alte Zentrum in der Südstadt sowie die bisher in Feldberg beheimatete Luzin-Klinik. Der neue Komplex verfügt über 96 Einzelzimmer, eine Tagesklinik mit zwölf Plätzen, Sporthalle, Werkhallen für Holz-, Metall- und Ergotherapie, Fitnessraum und Sauna sowie Computerkabinett und Billardzimmer. „Wir behandeln hauptsächlich alkoholabhängige Menschen, die aber schon trocken sind, wenn sie herkommen“, sagt Köhnke. Hinzu komme ein geringer Prozentsatz Tablettenabhängiger. „Das sind alles legale Substanzen wie Schlaftabletten“, erklärt Köhnke. Davon abhängige Menschen würden in der Gesellschaft weniger auffallen, als Alkoholkranke.

In der Regel bleiben die Patienten zwölf Wochen in dem Rehabilitationszentrum, maximal sind es 16 Wochen. 400 bis 600 Abhängigen können die Mitarbeiter so jedes Jahr helfen. „Wir haben eine überregionale Belegung runter bis Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Bei denen, die Mitte 40 sind, legen wir Wert auf die berufliche Reintegration“, so Köhnke. Als Reaktion auf den demografischen Wandel sei aber auch eine neue Therapiegruppe für Sucht im Alter eingerichtet worden. Bei den über 65-Jährigen gebe es andere Themen, als die Rückkehr in den Arbeitsmarkt. Studien hätten ergeben, so der Chefarzt, dass ein Jahr nach der ersten Therapie in der Klinik 60 Prozent der Patienten weiter abstinent leben. Nach 16 Jahren sei es immerhin noch ein Drittel. Oftmals leiden die Patienten aber noch unter anderen Krankheiten wie einem Leberschaden oder Depressionen.

„Die Gesellschaft hat 14 Millionen Euro investiert“, sagt Gudrun Kappich, Aufsichtsratschefin der Evangelischen Suchtkrankenhilfe MV.
„Die Gesellschaft hat 14 Millionen Euro investiert“, sagt Gudrun Kappich, Aufsichtsratschefin der Evangelischen Suchtkrankenhilfe MV.
 

„Sucht ist kein Randproblem“, sagt Gero Skowronek vom Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe. In Deutschland gebe es laut Bundesregierung allein zwei Millionen Alkoholkranke, von denen jedes Jahr mindestens 74 000 sterben. Wie dringend die Klinik benötigt wird, unterstreicht auch Aufsichtsratschefin Gudrun Kappich. Trotz der Erweiterung um 20 Plätze „gibt es eine Warteliste“.

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