Rostock : Wächst die Hansestadt nun doch nicht?

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Mathematiker äußert Zweifel an Prognose der Stadt.

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14. Dezember 2017, 05:00 Uhr

230 945 – an dieser Zahl erhitzen sich derzeit die Gemüter. Denn die von der Stadtverwaltung prognostizierte Bevölkerungszahl der Hansestadt Rostock im Jahr 2035 wird, seit sie im Raum steht, auch in Zweifel gezogen. Einwohner-Boom oder doch alles nur Wunschdenken? Skeptiker haben nun den aus Rostock stammenden Mathematiker Prof. Dirk Linowski um einen Kommentar gebeten. Und der fällt ernüchternd aus: inhaltlich unbegründet, methodisch unzulässig und noch zu erläutern. Der Fachmann bescheinigt der Prognose wenig Belastbarkeit.

Mitglieder des Netzwerkes der Rostocker Bürgerinitiativen (Robin) fühlen sich in ihren Bedenken bestätigt und fordern die Stadtverwaltung nun auf, die Prognose zu erklären oder sogar neu zu erstellen. Das Netzwerk hatte den Wissenschaftler um seine Expertise gebeten und will damit den Druck auf die Stadtverwaltung erhöhen. Die Befürchtung der Initiative: „Ohne stichhaltige Fakten und nachvollziehbare Argumente wird für Rostock ein massiver Neubaubedarf von 20 000 Wohneinheiten suggeriert“, erklärt Heiko Schulze, Sprecher des Netzwerkes. „Das ist keine Grundlage, um die richtigen Schlüsse für eine maßvolle und nachhaltige Entwicklung Rostocks zu ziehen.“

Linowski zeigt in seinem Kommentar die Schwächen der Prognose auf, die die kommunale Statistikstelle erstellt hat. So sei der Beobachtungszeitraum von 2002 bis 2015 zu kurz gewählt, um Schlüsse für eine Prognose bis 2035 zuzulassen. Üblich sei in so einem Fall, mehrere Szenarien zu erstellen. Darüber hinaus sei nicht transparent dargestellt, woher die neuen Bewohner kommen sollen. Mögliche Treiber für ein Wachstum seien Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor und in der Privatwirtschaft, die aber nicht absehbar sind. Ein Anstieg der Studentenzahl sei ebenso wenig plausibel, da die Uni ihre Studenten überwiegend aus MV generiert, die Zahl der jungen Erwachsenen hier aber allgemein abnehme. Eingemeindungen seien nicht im Gespräch und der Zustrom von Migranten – zur Zeit der Erstellung der Analyse im Februar 2016 noch relevant – mittlerweile eher marginal.

Die Rostocker Stadtverwaltung will die Kritik nun prüfen. Rathaus-Sprecher Ulrich Kunze versichert aber schon jetzt: „Die Abweichungen zu den Prognoseergebnissen werden jährlich in der Statistikstelle aufbereitet. So lag die Bevölkerungsprognose 2016 beispielsweise 124 Personen unter der tatsächlichen Einwohnerzahl von 207 492 Personen.“ Sollten signifikante Abweichungen festgestellt werden, werde die Prognose aktualisiert. Spätestens in fünf Jahren erfolge eine Anpassung sowieso planmäßig.

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