Seelsorge : Wenig reden und ganz viel zuhören

15 ausgebildete Seelsorger sind für Menschen da. Arvid Schnauer ist einer von ihnen. Er hört zu, wenn Bedürftige sich ihren Schmerz und ihre Probleme von der Seele reden wollen.
15 ausgebildete Seelsorger sind für Menschen da. Arvid Schnauer ist einer von ihnen. Er hört zu, wenn Bedürftige sich ihren Schmerz und ihre Probleme von der Seele reden wollen.

Angebot der Diakonie „Zeit zum Gespräch“ bietet schnelle und unkomplizierte Hilfe.

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14. Juni 2016, 05:00 Uhr

Einen Fahrplan gibt es nicht. Jemand kommt, setzt sich hin, fängt an zu erzählen oder weint erst einmal. „Und wir hören einfach zu“, sagt Arvid Schnauer. Er ist einer von 15 Ehrenamtlichen, die an jedem Freitag von 14 bis 16 Uhr bei einem offenen Angebot für bedürftige Menschen unter dem Angebot „Zeit zum Gespräch“ da sind.

In den Räumen der Beratungsstelle der Diakonie in der Stampfmüllerstraße hören die Berater den Menschen zu, die sich ein Problem von der Seele reden müssen. „Wir sind für sie da, wenn der Leidensdruck zu groß wird“, sagt Anja Basch, die seit einem Jahr dort ehrenamtlich tätig ist.

Mit Trennungen, Vaterschaftsproblemen, Existenzängsten, Drogensucht, Krankheiten oder Schicksalsschlägen haben die anonymen Besucher zu kämpfen. Oftmals fehle der familiäre Rückhalt, der in solchen Momenten fürs Zuhören da ist, so Schnauer. Das offene Angebot versteht sich als ein Gesprächsangebot mit ausgebildeten Seelsorgern und nicht als therapeutische Beratung. „Unsere Aufgabe ist es nicht, sie zu beraten, sondern emotional bei ihnen zu sein“, betont Schnauer. In guten Fällen finden die Besucher beim Reden selbst zu einer Lösung.

Der Pastor im Ruhestand und Krankenhausseelsorger gibt keine Ratschläge zur Lebensführung. „Sollte doch einmal die Notwendigkeit einer weiteren Beratung bestehen, verweisen wir zum Profi und vermitteln auch gern einen Psychologen“, so Schnauer. Ohne Anmeldung können gesprächsbedürftige Menschen spontan in der Anlaufstelle vorbeischauen. „Die Wartezeiten für einen Termin beim Psychologen sind oftmals lang, aber der Redebedarf ist groß“, sagt er. Mit einem Gespräch sei vielen Menschen bereits geholfen.

Auch Anja Basch, die mehrere Jahre als Telefonseelsorgerin gearbeitet hat, bemängelt, dass sich Menschen zu schnell an den Psychologen wenden: „Zu wenige wissen, dass es unser Gesprächsangebot gibt.“ Immer zwei Ehrenamtler sitzen den Menschen gegenüber, um auch in akuten Krisensituationen schnell reagieren zu können.

Im vergangenen halben Jahr haben sie 47 Menschen mit Redebedarf betreut.

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