Uwe Schöbel ist der Kamera-Doktor : Wenn die Praktica streikt

Alte Technik wieder gefragt:  Die Praktica ist bei Kamera-Doktor  Uwe Schöbel in guten Händen.Dieter Brumm
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Alte Technik wieder gefragt: Die Praktica ist bei Kamera-Doktor Uwe Schöbel in guten Händen.Dieter Brumm

Uwe Schöbel ist einer der Letzten seiner Zunft, Kunden aus ganz Norddeutschland lassen ihren alten Fotoapparat bei dem Rostocker reparieren. Vor allem sind es Ostdeutsche, die der analogen Technik treu bleiben.

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05. September 2012, 11:01 Uhr

Rostock | Die Schraube ist so winzig, dass Uwe Schöbel durch eine Lupe schauen muss - mit viel Geduld und Routine repariert der 62-Jährige eine Praktica LLC, gebaut Ende der 1960er-Jahre vom Kombinat VEB Pentacon in Dresden. Aus einer Zeit, wo der Fotograf noch einen Film ein legen musste, höchstens 36 Bilder machen konnte. Längst ist diese analoge Technik von der digitalen Fotografie verdrängt - ohne großes Wissen scheinen heute jedem Bilder zu gelingen, können endlich viele Schnappschüsse gespeichert werden. Wird die klassische Fotografie deshalb bald für immer verschwinden?

"Nein", sagt Schöbel, der es wissen muss. Er ist einer der Letzten seiner Zunft, Kunden aus ganz Norddeutschland lassen ihren alten Fotoapparat bei dem Rostocker reparieren. Vor allem sind es Ostdeutsche, die der analogen Technik treu bleiben und - wie sollte es anders sein - mit einer Praktica foto grafieren. Denn die gilt als zuverlässig und unverwüstlich. "Damit kannst du einen Nagel in die Wand schlagen und danach weiter fotografieren", meint Schöbel. Und so hat er meistens auch nur Kameras auf der Werkbank, die Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Da kann es schon mal passieren, dass der Aufzug des Verschlusses eine Macke hat. Helfen kann der Kamera-Doktor bei einer Praktica fast immer, verfügt er doch über einen unbezahlbaren Schatz: Sein Vorgänger Wolfgang Strunz, der bereits den Kameraservice im Rostocker Blumenweg betrieb, hatte sich nach der Wende bei ehemaligen DDR-Betrieben kistenweise mit Ersatzteilen eingedeckt.

Mit den Jahren wurde die Praktica zum Kult, selbst bei jungen Leuten. Überhaupt, so erzählt Schöbel, erlebt die klassische Fotografie eine Retrowelle. "Wenn das Semester beginnt, habe ich bestimmt wieder einige Studenten, die bei mir eine analoge Kamera kaufen. Oder sie haben sich eine im Internet ersteigert, lassen sich von mir die Handhabe erklären." Der Kamera-Doktor berichtet, dass immer mehr junge Leute beim Fotografieren selbst gestalten wollen. Das schnelle Draufdrücken mit einer Digi reicht ihnen nicht. "Sie brauchen nur einen Belichtungsmesser in der Kamera, alles andere möchten sie selbst einstellen."

Bei aller Begeisterung für die analoge Technik, Schöbel hilft auch Kunden, die mit ihrer Digitalkamera Probleme haben. Allerdings sind die Möglichkeiten hier begrenzt, da die Ersatzteile zu teuer sind. "In 80 Prozent der Fälle ist eine Reparatur unwirtschaftlich", meint der Mechaniker aus Erfahrung und zeigt stolz die gerade reparierte Praktica.

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