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Rostock : Bauamt genehmigt Hochzeitskran

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Denkmal in der Hellingstraße wird zum Veranstaltungsraum ausgebaut. Eine Außenstelle des Standesamtes ist hier in Planung. #wirkoennenrichtig

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erstellt am 10.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Ein seit Jahren schwelender Plan scheint Realität zu werden. Auf dem Hellingkran auf dem ehemaligen Werftgelände sollen Paare heiraten können. „Ein sehr schönes Projekt“, kommentiert Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Er selbst hat es – quasi privat – mit seinem Verein Tradition Ostseeschiffahrt angestoßen.

Der Verein hat bei der Stadt beantragt, in der Kanzel des Krans – in 26 Metern Höhe – eine Veranstaltungsstätte für 30 Personen einrichten zu dürfen, Toiletten, eine exklusive Schlafstätte mit Küche. „Mittlerweile liegt dazu auch die Baugenehmigung vor“, so Stadtsprecher Ulrich Kunze. Der Entwurf für Rostocks potenziell exponiertesten Trauungsraum stammt von Architekt Tilo Ries.

 

„Ich glaube, dass man da sehr schön eine Hochzeitsnacht verbringen kann“, sagt Methling, „man schwebt schon fast über den Wolken“. Damit die Paare aufsteigen können, wird der Verein außen einen Aufzug einrichten. Der stellt Stadtkonservator Peter Writschan zufolge keine Einschränkung des Denkmals dar. Das Landesamt und das Denkmalpflegeamt haben dem Vorhaben zugestimmt. Unterhalb des Krans sollen Parkplätze entstehen. Fehlt nur noch die Anerkennung als Trauungsraum. „Gemäß Personenstandsgesetz soll die Eheschließung in einer der Bedeutung der Ehe entsprechenden würdigen Form vorgenommen werden“, erklärt Ordnungssenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD).

Aufgrund des Aufwands bei externen Trauungsorten beschränkten sich viele Kommunen auf wenige besondere Trauungsorte, so auch Rostock. Derzeit seien es zwei Räume im Standesamt, einer im Rathaus, das Sportforum, die Vogtei Warnemünde, die Villa Papendorf und die Yachthafenresidenz Hohe Düne. Gelder fließen nicht zwischen Trauungsort und Stadt. „Die Brautpaare schließen die Verträge mit den Trauungsorten, wenn der Antrag auf Eheschließung gestellt ist“, so der Senator. Bereits 2014 hatten sich Bau-, Stadt- und Denkmalschutzamt zu einem Arbeitsgespräch mit dem Eigner, der Feuerwehr und Architekten auf dem Kran getroffen. Bauunternehmer Hilger Patzner hatte den Kran in Abstimmung mit dem Verein mit 300 000 Euro Spenden grundsaniert und dem rund 50 Mitglieder starken Verein übereignet. „Der Verein unternimmt sehr große Anstrengungen, dass der Kran für die Öffentlichkeit zugänglich ist“, sagt Methling. Denn neben den Verliebten, ihren Familien und Freunden soll sich der Veranstaltungsraum auch für außerordentliche Firmen- oder auch Familienfeiern öffnen können.

Was der Verein einnimmt, soll in den Erhalt von Traditionsgütern oder -einrichtungen investiert werden – wie etwa gefährdeter Schiffe. Doch bis es so weit ist, muss der Verein nach eigenen Schätzungen mehr als eine halbe Million Euro in die Hand nehmen – für den kompletten Innenausbau der beiden Etagen im Kran. Finanziert werden könnte das über Spenden und Darlehen. Dass es sich lohnt, ist der OB sicher. „Ich bin 1998 das erste Mal auf den Kran gestiegen und war sofort verliebt.“ Das soll auch anderen möglich sein.

Kommentar von Nicole Pätzold-Glaß: Bürokratie macht gleich
Wer klüngelt warum mit wem? Verfolgt irgendjemand hintergründige Interessen? Eine Grundstimmung zwischen gesunder Vorsicht und leichtem Verfolgungswahn gibt es schon in Rostock – wahrscheinlich in uns allen. Ob das jetzt um den komischen Nachbarn, das kommunale Wassergeschäft und den Eurawasser-Nordwasser-Eklat oder die Tatsache geht, dass der Oberbürgermeister privat einem Verein vorsitzt, der in größeren Dimensionen in der Stadt agiert. Aber man entscheidet am besten für sich selbst – von Fall zu Fall. Dass dieser Kran umgebaut wird, ist ziemlich unverfänglich. Rostock wird um eine Attraktion reicher und muss nicht mal eigene Haushaltsmittel bemühen. Außerdem zeigt der Fall, dass selbst ein OB Jahre warten muss, bis er alle Genehmigungen hat – wie jeder andere.
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