Rostocker Kuscheltier : Greifi-Fauxpas: Lieferung gestoppt

Greif im Giftpelz: Das Plüschtier „Greifi“ wollte die Stadt im Jubiläumsjahr 2018 allen Neugeborenen schenken. Wegen toxischer Weichmacher wurde es jetzt aus dem Verkehr gezogen.
Greif im Giftpelz: Das Plüschtier „Greifi“ wollte die Stadt im Jubiläumsjahr 2018 allen Neugeborenen schenken. Wegen toxischer Weichmacher wurde es jetzt aus dem Verkehr gezogen.

Giftige Jubiläumskuscheltiere ohne personelle Konsequenzen im Rathaus. Verwaltung will reklamieren. Neuer Hersteller wird gesucht. #wirkoennenrichtig

von
29. Januar 2018, 21:00 Uhr

Die missglückte Jubiläums-Aktion, bei der 2018 in Rostock Neugeborene mit gelben, giftigen Plüschtieren beschenkt werden sollten, wird offenbar keine personellen Folgen im Rathaus nach sich ziehen. Stattdessen wurde die weitere Lieferung gestoppt, die 400 bereits georderten Greifen sollen zum chinesischen Hersteller zurückgeschickt und reklamiert werden, informiert Stadtsprecher Ulrich Kunze. Die Suche nach einem neuen Produzenten für die benötigten 5000 Jubiläumskuscheltiere laufe bereits.

Obwohl am Freitag bekannt geworden war, dass die Augen des „Greifi“ toxische Weichmacher enthalten, die für Kinder lebensgefährlich sein können, wird nach Angaben der Stadtverwaltung niemand aus dem zuständigen Projektbüro für das Doppeljubiläum zur Verantwortung gezogen. Das Büro um Mitarbeiterin Franziska Nagorny habe den Auftrag ordnungsgemäß ausgelöst und drei Angebote eingeholt – alle von Produzenten außerhalb Deutschlands. Aus dem Projektbüro heißt es, dass mehr als 80 Prozent des in Deutschland verkauften Spielzeugs derzeit in China hergestellt würden, auch für namhafte deutsche Marken. Oberbürgermeister Roland Methling (Parteilos) betont, dass China nicht als Handelspartner diskreditiert werden dürfe.

Für die erste gelieferte Charge, 400 Stück, hatte die Hansestadt bereits knapp 2000 Euro ausgegeben. Die anderen 4600 wurden laut Auftragnehmer bereits produziert und sollten zeitnah verschifft werden, heißt es aus dem Rathaus. Die Auslieferung sei aber gestoppt worden, denn schon nach zehn Tagen – nachdem die ersten 96 Kinder ihre Plüschtiere bekommen hatten – war bekannt geworden, dass Greifi das CE-Kennzeichen fehlt. Dieses Siegel gibt Auskunft darüber, ob EU-Normen eingehalten werden. Am Freitag bestätigte das Landesamt für Gesundheit und Soziales, dass in den Augen der giftigen Greifen Phthalate zu finden seien – deren Verwendung in Kinderspielzeugen ist seit 2008 von der EU strengstens untersagt. Eine Unterlassungsverfügung war die Folge. Ein von der Stadt beauftragtes Labor war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Spielzeuge ungefährlich seien. Dennoch hat die Verwaltung die Ausgabe der Tiere gestoppt und bereits beschenkte Eltern benachrichtigt. Die bestellten Greifen verbleiben verpackt in der Stadtverwaltung, heißt es. Insgesamt sollten 5000 Greifen im Wert von fast 23 000 Euro gekauft werden.

Trotz allem will Methling sein Versprechen halten und allen 2018 geborenen Kindern einen Greifen schenken. Die Suche nach einem anderen Hersteller laufe bereits, so Rathaussprecher Kunze. Es wurden fünf Hersteller um ein Angebot gebeten, die nach festgelegten Kriterien geprüft werden sollen.

Kommentar “Ab jetzt besser aufpassen“ von Katrin Zimmer

Peinlich, dass unser Jubiläumsjahr mit so einem Fauxpas beginnt. Aber: Das Geld für die Greifen gibt es wohl zurück und niemand ist verletzt worden. Deshalb jemanden entlassen? Da sind schon andere mit Schlimmerem davongekommen.

Immerhin wurden die giftigen Plüschtiere der Stadt zufolge wenigstens in Folie eingeschweißt geliefert und kamen so hoffentlich mit den wenigsten Neugeborenen in direkten Kontakt. Die Eltern, die Greifi noch nicht entsorgt oder zurückgegeben haben, sollten sich schnellstens von dem Unglücksbringer verabschieden und hoffen, dass dessen Nachfolger ungefährlicher wird. Fraglich ist aber, wer das negativ behaftete Fabelwesen noch in die Nähe seiner Kinder lassen will. Andererseits wäre die Anekdote auf jeder Geburtstagsfeier der Hit.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen