Rostock : Hebammen suchen Unterstützung

Die Rostocker Hebamme Kathrin Herold (Mitte) hat Sabrina Klingen vor und nach der Geburt von Tochter Ava betreut. Landeshebammenverbandsvorsitzende Sigrid Ehle (l.) will die Situation der Geburtshelferinnen verbessern.
Foto:
Die Rostocker Hebamme Kathrin Herold (Mitte) hat Sabrina Klingen vor und nach der Geburt von Tochter Ava betreut. Landeshebammenverbandsvorsitzende Sigrid Ehle (l.) will die Situation der Geburtshelferinnen verbessern.

Landesverband verdeutlicht prekäre Situation der Geburtshelferinnen. Hohe Arbeitsbelastung und steigende Versicherungskosten.

nnn.de von
06. September 2017, 21:00 Uhr

Die kleine Ava lächelt auf dem Arm ihrer Mama fröhlich in die Runde. Was sich um sie herum abspielt, ahnt das drei Monate alte Mädchen nicht. Dabei hat es direkt mit ihr zu tun, denn der Deutsche Hebammenverband macht auf dem Doberaner Platz Station. „Ich hätte nie gedacht, wie wichtig die Betreuung durch eine Hebamme auch beim zweiten Kind ist“, sagt Avas Mama Sabrina Klingen, die schon eine fünfjährige Tochter hat und gestern gekommen ist, um ihre Hebamme Kathrin Herold und deren Kolleginnen zu unterstützen.

„Wir wollen mit den Rostockern ins Gespräch kommen, hören, wo der Schuh drückt und auf unsere prekäre Lage aufmerksam machen“ sagt Sigrid Ehle. Die 1. Landesvorsitzende des Hebammenverbandes MV berichtet von Frauen, die sie bereits in der vierten Schwangerschaftswoche anrufen würden – aus Angst, keine Hebamme zu finden. „Und auch den Kolleginnen tut es leid, wenn sie jemanden ablehnen müssen“, so Ehle. Doch das Personal ist knapp, nicht nur für die wichtige Vorsorge und Wochenbettbetreuung. „Sondern auch an den Kliniken, wo die Fachkräfte teilweise bis zu drei Geburten gleichzeitig betreuen müssen“, schildert die Verbandsvorsitzende die Realität des Berufsstandes, der sich immer neuen Herausforderungen gegenübersieht. Angestellte Hebammen würden oft kritisiert, wenn sie an den Kliniken nur Teilzeit arbeiten. „Dabei fangen sie nebenberuflich die Lücke bei der Vor- und Nachsorge der Schwangeren auf.“ Zu den immer schlechter werdenden Rahmenbedingungen gehören auch geringe Vergütung, Überstunden und steigende Versicherungskosten. „Diesen Beruf, der so wunderschön ist, den wählt man nur aus absoluter Überzeugung, denn durch die Privatisierung der Kliniken wurden die Bedingungen immer schlechter. Für die Hebammen, aber auch für die Familien“, sagt Sigrid Ehle.

Sie hofft, dass der Hilferuf der Hebammenverbände die Politik erreicht und sich in der kommenden Legislaturperiode etwas ändert. Zu den Forderungen gehören eine realistische Einschätzung des Betreuungsbedarfes, eine faire Abrechnung mit den Krankenkassen sowie eine Gesetzesänderung zur Umsetzung einer EU-Richtlinie bis 2020, welche die Ausbildung von Hebammen betrifft. „Weil sich das Aufgabengebiet so erweitert und auch der Verantwortungsgrad so zugenommen hat, gehört die Hebammenausbildung an die Universität“, sagt die Landesvorsitzende. Derzeit sei die Berufliche Schule in Rostock der einzige Ausbildungsstandort für die aktuell rund 50 angehenden Hebammen in MV.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen