Denkmal-Streit : Heinkel-Wand muss weichen

So könnte das neue Wohngebiet auf dem Werftdreieck mal aussehen.  Grafik: Albert Wimmer ZT GmbH
So könnte das neue Wohngebiet auf dem Werftdreieck mal aussehen. Grafik: Albert Wimmer ZT GmbH

Bürgerschaft lehnt Dringlichkeitsantrag zum Abriss-Stopp ab. Nächstes Jahr soll Erschließung beginnen.

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07. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Der Ortsbeirat Kröpeliner-Tor-Vorstadt ist mit seinem Dringlichkeitsantrag gescheitert, den Abriss der Heinkel-Mauer bis auf weiteres zu untersagen. Die Bürgerschaft lehnte das gestern ab. Damit ist der Weg für die Wiro frei, das beschädigte Denkmal abtragen zu lassen. Einzelne Steine sollen dabei für eine spätere Wiederverwendung gesichert werden. Los geht der Abriss laut Wiro-Chef Ralf Zimlich am 15. Januar. „Das Gerüst soll in der nächsten Woche errichtet werden“, sagt er.

Seit Mai 2017 liegt die Abrissgenehmigung vor. Erteilt hatte sie das Infrastrukturministerium, nachdem das Landesamt für Kultur und Denkmalschutz als Obere Denkmalschutzbehörde seine Zustimmung verweigert hatte. Wiro-Prokurist Christian Jentzsch: „Das Landesamt hat nur die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund gestellt.“ Das städtische Amt für Kultur und Denkmalpflege hingegen habe sich mit seiner Zustimmung zum Abriss auf den Denkmalwert bezogen. Der sei nach dem Austausch von mindestens einem Drittel der Ziegel, der zwingenden Fundamenterneuerung und bereits abgetragenen Teilen nicht mehr gegeben. „Eine Replik ist nicht das, was wir unter Denkmalwert verstehen“, erklärt Jentzsch. Die Kosten von mindestens 1,5 Millionen Euro für einen Wiederaufbau seien dabei nur Nebensache.

„Das heißt nicht, dass wir nicht an die Industriegeschichte des Standorts erinnern“, sagt Kulturamtschefin Michaela Selling. Geplant seien Stahlstelen, Schaukästen und eine Art industriegeschichtliches Museum, das neben dem Flugzeugbau auch die frühere Werft oder die Automeile abbilde. „Wichtig ist, dass die Nachwelt Informationen erhält, was dort mal war“, sagt Ingrid Bacher (SPD).

Die Wiro feilt unterdessen bereits an ihrer künftigen Großbaustelle. Das Grundstück hatte das städtische Wohnungsunternehmen 2014 für knapp zwölf Millionen Euro von der Krieger Grundstück GmbH gekauft, hinter der die Möbelhäuser Höffner und Möbel Kraft standen. Aktuell laufen die Arbeiten der Ämter am Bebauungsplan. Dessen Aufstellung hatte die Bürgerschaft im April 2015 beschlossen. Wiro-Sprecher Carsten Klehn geht davon aus, dass der B-Plan im nächsten Jahr in Kraft tritt. „Wenn das absehbar ist, dann wird es weitere Wettbewerbe zu den einzelnen Baufeldern geben“, sagt er. Parallel dazu sollen im nächsten Jahr die Erschließungsarbeiten starten. Unter anderem müssen die Straßenbahngleise versetzt werden, um das Abbiegen von der Lübecker Straße aus zu erleichtern. Hinzu kommen Versorgungsleitungen, Bodengutachten und die Verlegung der Max-Eyth-Straße.

„Realistisch kann der erste Hausbau frühestens 2019 beginnen“, so Klehn. Laufe dann alles glatt, könne das Gesamtprojekt 2022 abgeschlossen sein. Die Investition liege im dreistelligen Millionenbereich.

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