Rostock : Heinkel-Wand vor dem Fall

Noch steht die Heinkel-Wand, aber die Wiro hat ihren Abriss bereits ausgeschrieben. Intakte Ziegel sollen gesichert werden.
Noch steht die Heinkel-Wand, aber die Wiro hat ihren Abriss bereits ausgeschrieben. Intakte Ziegel sollen gesichert werden.

Wiro schreibt Abrissarbeiten aus. Initiative kämpft für den Erhalt und zieht Rechtsexperten zurate #wirkoennenrichtig

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01. Dezember 2017, 08:00 Uhr

Während die Wiro gerade den Abriss der Heinkel-Wand ausgeschrieben hat, kämpft die Interessengemeinschaft (IG) Bauernhaus weiter für deren Erhalt. Dafür hat sie den Juristen Dieter Martin um eine rechtliche Einschätzung gebeten. Er ist Autor des Standardwerks „Handbuch Denkmalschutz und Denkmalpflege“ sowie offizieller Kommentator für das Denkmalschutzgesetz MV und zweifelt die Rechtmäßigkeit der im Mai erteilten Abrissgenehmigung an.

Martin nennt zwei Kritikpunkte: Zum einen sei die Genehmigung nicht durch das Landesamt für Kultur und Denkmalschutz (LAKD) oder Kulturministerium, sondern durch das Infrastrukturministerium erteilt worden. Dieses sei aber „unter keinen Umständen berechtigt, das fehlende Einvernehmen des LAKD zu ersetzen“, erklärt Martin, schränkt diese Aussage aber ein: „Die Ersetzung wäre nur nach Abstimmung mit dem Kulturministerium möglich gewesen.“ Zum anderen habe das Infrastrukturministerium die Grundsätze des Denkmalschutzgesetzes nicht beachtet. „Für derartige Gnadenerweise gibt es keine Rechtsgrundlage“, so Martin.

Die IG fordert nun in einem Schreiben an die Bürgerschaft, „den Abriss zumindest so lange auszusetzen, bis die neuen Erkenntnisse geprüft wurden und seriöse Kostenschätzungen vorliegen“. Henning Lipski, Sprecher des Kulturministeriums, räumt die fehlende Zustimmung des LAKD ein. Aber „für diesen Fall regelt das Denkmalschutzgesetz, dass das Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung abschließend entscheidet.“ Das habe das Oberverwaltungsgericht Greifswald bestätigt. „Die Genehmigung wurde nach einer Ermessensabwägung zwischen dem öffentlichen Interesse für den Erhalt der Mauer, anderen öffentlichen Interessen – bezahlbarer Wohnraum, sparsamer Umgang mit öffentlichen Mitteln – und den Eigentümerinteressen getroffen“, erklärt Lipski.

Laut Wiro-Sprecherin Dagmar Horning müssten von mehr als 16 000 untersuchten Steinen mindestens sechs Prozent ausgetauscht werden, weitere 25 Prozent seien „wahrscheinlich ebenfalls geschädigt“. Insgesamt müsste also bis zu ein Drittel der Steine erneuert werden. Darüber hinaus brösele der Mörtel an vielen Stellen und sei die Standsicherheit nicht gewährleistet. Die Wand abzutragen, ein Fundament zu bauen und sie aus alten und neuen Steinen wieder aufzubauen, koste mindestens zwei Millionen Euro. „Im Ergebnis würde eine bloße Replik entstehen, der kein Denkmalwert zukommt“, erklärt Horning. Als Ersatz sind zehn Meter hohe Stelen aus Corten-Stahl sowie Schaukästen geplant.

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