Nachbarschaftsstreit : Rostocks Gastronomen in Gefahr

Weil Anwohner sich über den Lärm rauchender Gäste beschweren, müssen Andrea und Marko Hübner sowie ihre Angestellten nun um die Existenz fürchten.
Weil Anwohner sich über den Lärm rauchender Gäste beschweren, müssen Andrea und Marko Hübner sowie ihre Angestellten nun um die Existenz fürchten.

Lärmstreit zwischen Anwohnern und Petrikeller-Betreibern droht zu eskalieren. Präzedenzfall für die Hansestadt und Deutschland?

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05. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Rostocks Gastronomen hängen zwischen den Gesetzen: Auf der einen Seite müssen sie den Nichtraucherschutz gewährleisten, auf der anderen strenge Lärmschutzvorgaben. Den Petrikeller-Betreibern Andrea und Marko Hübner und ihren Angestellten droht deswegen sogar das Aus. Zugezogene Nachbarn beschweren sich seit Längerem über Gäste, die abends zum Rauchen vor die Tür gehen. Sie seien zu laut.

„Wir haben versucht, eine nachbarschaftliche Einigung zu erzielen“, sagt Marko Hübner. Doch mehrere Vermittlungsgespräche des Ordnungsamtes seien an der Gegenseite gescheitert. Pikant: Einer der Beschwerdeführer ist FDP-Kreisvorsitzender Christoph Eisfeld, ehemals selbst Mieter der Hübners. Auf der Homepage der Liberalen fordert dieser beim Thema Hafenentwicklung „ein vernünftiges Miteinander von Wohnen und Wirtschaft“. Insbesondere macht er sich dort gegen Lärmgrenzwerte für den Hafen stark, da dies Betriebe und Arbeitsplätze gefährde.

Aus Sicht der Petrikeller-Betreiber legt er seit seinem unfreiwilligen Umzug andere Maßstäbe vor seiner Haustür an. Ihnen zufolge droht Eisfeld sogar mit einer Klage. Sie selbst haben einen Mitarbeiter abgestellt, der ab 21.30 Uhr jeden Raucher vor die Tür begleitet und für ruhige Töne sorgen soll. Einen eigenen Raucherbereich zu schaffen, sei im denkmalgeschützten Gebäude nicht möglich. Einen Außenbereich gibt es nicht. Setzen sich die Anwohner durch, müsste der Petrikeller spätestens um 22 Uhr schließen. „Das wäre katastrophal“, sagt Andrea Hübner. Geöffnet sei erst ab 18 Uhr. „Unser Hauptgeschäft sind Weihnachtsfeiern und Co.“, ergänzt ihr Mann. Viele Gäste kämen aus anderen Regionen wie Rügen und könnten früher gar nicht vor Ort sein.

Das Paar befürchtet nun sogar einen Präzedenzfall für Rostock mit möglichen Auswirkungen für ganz Deutschland. Denn viele Gastronomen fänden sich in ähnlichen Lagen wieder, so in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt oder in Warnemünde. Gerade im Ostseebad und für den Tourismus seien aber längere Öffnungszeiten entscheidend. Laut Amt für Umweltschutz „können die meisten Konflikte unter Hinweis auf die Betreiberpflichten gelöst werden“. Andernfalls würden Kontrollen und „weitergehende rechtliche Schritte eingeleitet“.

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