Rostock : Schlechte Karten fürs Casino

Die Spielbanken MV wollen im Stadthafen ein Casino eröffnen – doch es gibt Widerstand.
Die Spielbanken MV wollen im Stadthafen ein Casino eröffnen – doch es gibt Widerstand.

Ausschuss für Stadtentwicklung lehnt Vermietung durch Wiro ab, Bürgerschaft entscheidet am Mittwoch. #wirkoennenrichtig

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28. Januar 2018, 05:00 Uhr

Weiter Gegenwind für ein Spielcasino im Stadthafen: Der Ausschuss für Stadtentwicklung hat am Donnerstag jegliche Vermietung durch die Wiro abgelehnt. Die Entscheidung fiel mit fünf Stimmen bei fünf Enthaltungen. „Wenn man eine Vermietung durch andere nicht verhindern kann, dann ist das so“, sagt Ingrid Bacher, deren SPD den Verbotsantrag gestellt hat. Aber die Hansestadt solle ein Spielcasino nicht fördern, schon gar nicht an so prominenter Stelle und in unmittelbarer Nähe zu Wohnvierteln wie KTV und Stadtmitte.

Im Konzept der Spielbanken MV, die von der Landesregierung den Zuschlag als Betreiber erhalten hatten, bildet Rostock den Hauptstandort. Weitere Casinos sind in Neubrandenburg, Stralsund und Schwerin geplant, aber in abgespeckten Formen. In Rostock sei neben dem Glücksspiel am Roulette-, Black Jack- oder Poker-Tisch auch ein kulturelles Programm mit Livemusik, Comedians und anderen Künstlern vorgesehen. Dafür seien rund 180 von den insgesamt 900 Quadratmetern Fläche eingeplant. „Das wird kein reiner Zockertempel“, sagt Geschäftsführer Thomas Fritz. Den Schritt weg von der Urlauberhochburg Warnemünde hin in die Innenstadt begründet er mit der Werbung um Städtetouristen. Beim Betrieb im Kurhaus hatten die Urlauber seinen Angaben zufolge rund 70 Prozent der Gäste gestellt, die übrigen 30 Prozent seien Einheimische gewesen. Dieses Verhältnis werde sich eher in Richtung Touristen verschieben, so Fritz.

Durch das neue Angebot würden 41 Vollzeitarbeitsplätze entstehen. Außerdem winkt der Hansestadt ein Anteil an den Einnahmen in Höhe von rund 130 000 bis 140 000 Euro jährlich. Hinzu komme ein Marketing-Budget von 170 000 Euro, von dem beispielsweise Hanse Sail oder Jazz-Festivals profitieren könnten. Das Thema Spielsucht werde in der staatlich lizenzierten Spielbank ebenfalls sehr ernst genommen. „Wir arbeiten dabei mit der Caritas zusammen“, so Fritz. „Wir tun alles, um Spielsucht so frühzeitig wie möglich zu verhindern.“ Unter-18-Jährige kämen gar nicht erst ins Casino.

Karina Jens (CDU) bestätigt das aus eigener Erfahrung im damaligen Warnemünder Kurhaus. Sie sagt: „Ein Casino ist keine Spielhölle.“ Es sei auch bei Weitem nicht so, dass jeder dort der Spielsucht verfalle. Sie sei kein Fan von Verboten, sieht aber die Lage im Stadtzentrum durchaus kritisch. „Die konzeptionelle Änderung hin zu Innenstädten hat einen faden Beigeschmack“, so Jens.

Derzeit ruhen die Verhandlungen zwischen Wiro und den Spielbanken MV. Mit ihrem Casino wollen sie in das Gebäude der ehemaligen Diskothek Dejavue ziehen, das dem kommunalen Wohnungsunternehmen gehört. Ob die Wiro vermieten darf, entscheidet die Bürgerschaft am Mittwoch.

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