Rostock : Vom Chirurgen zum Uni-Rektor

Wolfgang Schareck bei der feierlichen Immatrikulation der Erstsemester der Unisität Rostock 2013
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Wolfgang Schareck bei der feierlichen Immatrikulation der Erstsemester der Unisität Rostock 2013

Professor Wolfgang Schareck wird heute 65: Wie wichtige Entscheidungen, die Liebe zur Wissenschaft und zu Rostock sein Leben prägen. #wirkoennenrichtig

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25. Januar 2018, 08:00 Uhr

Eigentlich wollte er nach seiner ersten Amtszeit als Rektor der Universität Rostock in die Medizin zurückgehen, dann folgte die zweite. „Die Arbeit hat mir auch Spaß gemacht, vor allem wegen der Interdisziplinarität“, sagt Prof. Wolfgang Schareck. Im Herbst wurde er sogar für eine dritte Amtszeit gewählt. Heute feiert der gelernte Chirurg seinen 65. Geburtstag und blickt auf ein Leben voller Entscheidungen, den Weg nach Rostock und sein Wirken zurück.

Vom Rheinland in die Hansestadt ist der in Düsseldorf geborene Schareck nach dem Medizinstudium in Freiburg und Tübingen sowie einem Jahr als Assistenzarzt in Dortmund durch seinen Wegbegleiter Prof. Ulrich Hopt gekommen. „Er sollte 1992 einen Vortrag halten und ich ihn begleiten. Im Zuge dessen offenbarte er mir, dass er nach Rostock gehen wolle und fragte, ob ich ihn als Leitender Oberarzt begleite“, erinnert sich Schareck, der gern klassische Musik hört, auch wenn das Bratschespiel als Kind nicht die liebste Beschäftigung war. Schließlich wagte er 1994 erst allein den Schritt, holte dann Frau und die drei Kinder in die Lange Straße nach. Heute wohnt er in Biestow, begeht in diesem Jahr den 40. Hochzeitstag mit seiner Frau und ist stolzer Großvater von fünf Enkeln.

Er hat die Stadt lieben gelernt, in der seine Mutter ihre Wurzeln hatte. Auch vom Großvater, einem Reeder aus Warin, habe er schon in Kindertagen gehört, dass der Himmel in Rostock viel höher sei, als anderswo – und wohl die Vorliebe zum Segeln geerbt. Zum Studium habe er das Rheinland verlassen, sei bewusst von zu Hause weg. Eine wichtige Station war die Facharztausbildung im Bundeswehrkrankenhaus in Hamm. „Ich hatte einen sehr guten Ausbilder, der gesagt hat: Du gehörst an die Uni und nicht in ein Krankenhaus“, blickt Schareck zurück, der früher gern Tennis gespielt hat, heute lieber am Gehlsdorfer Ufer Fahrrad fährt.

Nach Rostock brachte er nicht nur die Familie mit, sondern auch das geballte Wissen und Können über Leber- und Pankreastransplantation. Auch baute er die Gefäßchirurgie in der Universitätsklinik mit auf. Besonders stolz sei er, eine Schule geschaffen zu haben: „Ich glaube, in der Klinik wird eine Arterie immer noch so operiert, wie ich es eingeführt habe“, lacht der Chirurg, der „ein begeisterter Arzt am Krankenbett“ gewesen ist.

Hätte er dem Wunsch seines Wegbegleiters Hopt entsprochen, hätte er 2001 mit ihm die Hansestadt wieder verlassen. Doch für Schareck war klar: „Einer muss die Stellung halten.“ Auch 2002 habe er ein lukratives Angebot aus Düsseldorf ausgeschlagen: „Ich wollte das Team nicht im Stich lassen“, so der Mediziner.

Den Weg zum Uni-Rektor habe er nicht gezielt gewählt, sagt Schareck. Alles begann, als ihn sein Kollege Prof. Arndt Rolfs 2004 zum Konzilspräsidenten vorschlug. „Da dachte ich nur: Na gut, dann mach ichs halt“, lacht Schareck. Über den Posten des Prorektors kam er 2008 dank Zureden des damaligen Rektors Professor Thomas Strothotte, dessen Abschied 2009 auch das Oberamt in Scharecks Hände brachte.

Für seine letzte Amtszeit bis 2023 wünsche der Rektor sich und der Alma Mater ein gelungenes Jubiläumsjahr 2019 und dass in Sachen Gleichstellung nachgebessert werde – „bis zur Promotion ist es ausgeglichen, aber bei der Habilitation müssen sich Frauen oft zwischen Kind und Karriere entscheiden. Da müssen wir nachbessern“, sagt Schareck. Er wolle die Uni weiter überregional profilieren und die interdisziplinäre Lehre vorantreiben, „die freie Methodenwahl auf der Suche nach Wissen“.

Er selbst wolle vor allem „gesund und geistig fit bleiben“, so der Jubilar. Ab und zu würden ihm Namen entfallen, die er sonst parat hatte – verständlich bei einem Mann, der mit so vielen Menschen zutun hat. Erstaunlich aber, wie genau er jede seiner Stationen aus dem Gedächtnis beziffern kann. Auch wo er war, als 1989 die Mauer fiel: „Natürlich im OP. Wir hörten, was passiert war und haben uns sehr gefreut, aber weiter operiert“, sagt Schareck verschmitzt. Seinen Ehrentag will er im Sommer mit seiner Frau feiern, die gleich alt wird. Heute ist er im Dienst der Universität unterwegs.

Zur Person

Kurzbiografie Wolfgang Schareck:

• *25. Januar 1953 in Düsseldorf
• 1971 Abitur in Düsseldorf

• 1971-1978 Studium der Humanmedizin (Uni Freiburg)

• 1978-1981 Stabsarzt, Bundeswehrkrankenhaus Hamm

• 1981-1982 Assistent am Pathologischen Institut (Städtisches Krankenhaus Dortmund)

• 1982-1994 Assistent und Oberarzt (Uni Tübingen), Ausbildung zum Allgemein- und Gefäßchirurgen

• seit 1994 Leitender Oberarzt der Abteilung für Allgemeine, Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie (Uni Rostock)

• 1999 Ernennung zum apl. Professor, seit 2002 für Gefäß- und Transplantationschirurgie

Verwaltung der Uni Rostock:
• 2000-04 stellv. Konzilmitglied

• 2004-08 Konzilspräsident, Mitglied im Fakultätsrat der Medizin

• 2006-08 Studiendekan und Senatsmitglied

• 2008 Prorektor für Studium, Lehre und Evaluation

• seit 2009 Rektor
Akademische Abschlüsse:

• Promotion 1978, Uni Freiburg

• Habilitation 1992, Uni Tübingen

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