Godern : Wir Grafiker denken mit dem Stift

Wie Schwerins Silhouette  es auf eine Karte schafft, weiß Joachim Schmidt nur all zu gut.
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Wie Schwerins Silhouette es auf eine Karte schafft, weiß Joachim Freischmidt nur all zu gut.

Plakate, Karten und Co.: Joachim Freischmidt zeigt nun eine große Auswahl seiner Arbeiten aus mehr als sechs Jahrzehnten in Godern

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12. Oktober 2019, 16:00 Uhr

Ein Stück Papier und einen Stift. Mehr braucht er nicht. Joachim Freischmidt ist Grafiker. Er kam bei seiner Arbeit stets ohne den Computer aus. Mehr als 40 Jahre hat er als Schildermaler und später Grafiker und Designer gearbeitet. In all den Jahren hat Joachim Freischmidt sich immer auf seine Fantasie und die Handarbeit verlassen. Die Darstellung durchs Zeichnen biete eine größere Vielfalt bei geringstem Aufwand – es sei jederzeit aus dem Kopf abrufbar. Wie das dann aussehen kann, will der Goderner jetzt der Öffentlichkeit präsentieren. In einer Ausstellung wird er sein gestalterisches und grafisches Schaffen präsentieren. Fast sieben Jahrzehnten hat Joachim Freischmidt zusammengetragen und nun geordnet. 180 Einzelstücke werden vom 21. bis 26. Oktober im Goderner Bürgerhaus zu sehen sein. Joachim Freischmidt möchte aber weniger sein Können zeigen, sondern den Beruf vorstellen. „Was macht eigentlich ein Gestalter?“, lautet eine der Kernfragen. Joachim Freischmidt lässt die Gäste nicht ratlos zurück. Er zeigt, die schönen Seiten des Berufs. Auch einzelne Arbeitsschritte. Erklärt den kreativen Prozess und seinen Ablauf in vier Phasen. Der Goderner möchte auch die jungen Menschen erreichen. „Es ist auch ein Fingerzeig für neugierige Schüler bei der Suche nach einem geeigneten Beruf“, erklärt er.

An den Ausstellungstagen wird er selbst jeweils von 12 bis 18 Uhr vor Ort sein und Fragen beantworten. „Am Beginn unseres digitalen Zeitalters ist es sicher interessant, noch einmal eine Rückschau zu halten“, sagt er und geht die Ausstellungsliste noch einmal durch. Gezeigt wird ein breitgefächertes Repertoire über viele Themen. Von Messebauarbeiten über Plakate und Grußkarten bis hin zu Vorarbeiten für Museumsausstellungen. „Es ist auch ein Zeitzeugnis aus Kultur und Wirtschaft vergangener Jahrzehnte“, sagt der 79-Jährige. Gerade für die Jugend könne es von Interesse sein, so Freischmidt, zu erfahren, wie damals ohne PC gearbeitet wurde. Der Goderner favorisiert auch heute noch Stift und Papier. Als die ersten Computer in die Büros einzogen, versuchte er zunächst einen großen Bogen um die Technik zu machen. „Ich habe auch mal etwas mit der Maus gezeichnet, aber das ist nicht mein Ding. Auch im digitalen Zeitalter hat das Zeichnen seine Vorteile“, ist er fest überzeugt.

Joachim Freischmidt ist eben Handwerker durch und durch. Nach der Schule entschied er sich für eine Ausbildung als Maler in einem Spezialbetrieb für Schildermalerei in Schwerin. Schon als Sechsjähriger war er fasziniert von Formen und Farben. In der Schule gab es viel Lob von seiner Kunstlehrerin. „Viel habe ich in der Pionier-AG Malen und Zeichnen gelernt. Zwei unserer Lehrer waren Bühnenbildner am Theater und haben wohl den Anstoß in diese Richtung gegeben“, erinnert sich der heute 79-Jährige. Auch seine Mutter unterstützte ihn. Kurzzeitig hegte er Überlegungen, seinen Lebensunterhalt in der Forst zu verdienen. Davon riet die Mutter ab. Sie war in der Handwerkskammer und forcierte die Malerei.

Nach der Ausbildung ging es für Joachim Freischmidt nach Heiligendamm zum Studium an der Fachschule für angewandte Kunst. Ab 1958 stieg er wieder ins Arbeitsleben als Schild-, Plakat- und Schriftenmaler in der Deutschen Werbe- und Anzeigengesellschaft (DEWAG) ein. Seine Ideen zogen weite Kreise. So entwarf er mit einer Kollegin 1979 ein Plakat gegen die geplante Aufrüstung von Nato-Raketen in Europa mit der Aufschrift „Betrifft uns alle“. Doch Joachim Freischmidt ist kein Mann für das Rampenlicht. Viel lieber hinterlässt er seine Spuren ganz ohne großes Aufsehen. Der Grafiker und Designer entwarf unter anderem die Vitrine in der Naturschutzstation Schwerin. Auch davon hat er noch jeden einzelnen Arbeitsschritt aufbewahrt.

Hintergrund

Vernissage

Am 20. Oktober wird Joachim Freischmidt seine Ausstellung im Pinnower Bürgerhaus präsentieren. Die Vernissage ist um 18 Uhr. Bis zum 26. Oktober sind seine Werke aus fast 70 Jahren Grafiker-Arbeit zu sehen. Täglich von 12 bis 18 Uhr.

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