Hohen Viecheln : 30000 junge Aale für den Schweriner See

Bottichweise setzt Fischersohn Christoph Prignitz die Jungaale in den Schweriner See.
Bottichweise setzt Fischersohn Christoph Prignitz die Jungaale in den Schweriner See.

Fischerei Prignitz kämpft gegen den Fischräuber Kormoran und hofft auf Regulierung des Bestandes. Land fördert Kosten für Aalbesatz zu 80 Prozent

nnn.de von
12. Juli 2018, 05:00 Uhr

Freude bei den Mitarbeitern der Fischerei Prignitz: Der Lkw vom Fischerei- und Verarbeitungsbetrieb Dehmel aus Dabel bringt Besatz-Aal aus Holland. 198 Kilogramm – bei einem Gewicht von sechs bis sieben Gramm sind das rund 30 000 Tiere. „Die sind im Dezember vor Frankreich im Atlantik als Glasaale gefangen und in einer Fischfarm in Holland vorgestreckt worden“, erklärt ein Dehmel-Mitarbeiter auf SVZ-Nachfrage. Vorstrecken bedeutet in der Fachsprache die kontrollierte Aufzucht von Jungfischen bis zu einer Größe, in der die Überlebenschancen besser sind. Der Großteil der Fracht, nämlich 176 Kilo, wird sofort in den Schweriner See, etwa 22 Kilo in den benachbarten See Döpe entlassen.

Der europäische Aal wird immer mehr zur Mangelware, steht aus verschiedenen Gründen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Ohne intensive Besatzmaßnahmen wäre er nicht nur rar auf dem Speisenteller, er wäre längst von ihm verschwunden. „Mein Onkel hat 1954 den ersten Kormoran im Netz gehabt. Da ist er mit dem noch zum Pastor gegangen, der ornithologisch bewandert war, um zu bestimmen, was das für ein Vogel ist“, sagt Tobias Prignitz. Für ihn ist der Kormoran einer der Hauptverursacher der Aal-Knappheit. Mittlerweile bevölkern 3000 Exemplare der schwarzen Vögel mit ihren gelb geränderten Hakenschnäbeln den drittgrößten Binnensee der Bundesrepublik – eine Brutkolonie befindet sich nur wenige hundert Meter abseits im Naturschutzgebiet der Döpe. Bei einem Tagesbedarf von etwa 500 Gramm Fisch pro Vogel werden damit allein durch den Kormoran täglich 1,5 Tonnen dem Gewässer entnommen. Und zu seiner Lieblingsbeute zählt nun mal der Aal. Bei einem kontrollierten Abschuss eines Kormorans am Schweriner See wurden in dessen Magen 13 frisch verschlungene Satzaale gefunden.

Familie Prignitz besitzt seit mehr als 300 Jahren das Fischereirecht im nördlichen Teil des Schweriner Sees. Damit sind sie die älteste Fischerfamilie im Land. Und die kämpft nicht zuletzt wegen des gierigen Fischräubers bereits seit Jahren ums Überleben. „Wenn wir nicht zusätzlich die Tourismusschiene fahren würden, hätten wir schon längst dicht machen müssen“, sagt Sohn Christopher. „Zu DDR-Zeiten haben wir in etwa das wieder abfischen können, was wir eingesetzt haben. Das ist schon lange nicht mehr so“, so der Jungfischer, der in 11. Generation den Betrieb übernehmen will. „Es wird Zeit, dass Till Backhaus und die hiesige Politik endlich handeln. Schließlich hat das Europaparlament bereits 2010 beschlossen, dass der Kormoranbestand in der EU reguliert werden muss“, sagt Vater Tobias. Immerhin: Der diesjährige Aalbesatz der Fischerei Prignitz wurde zu 80 Prozent vom Land gefördert - sonst hätte sich das Unternehmen diese etwa 9500 Euro teure Aktion nicht leisten können. Zumal davon auszugehen sei, dass nur vier Prozent der Jungaale überhaupt überleben und heranwachsen. Von diesen wiederum werden nur etwa 50 Prozent durch Fischer oder Angler gefangen, bevor sie geschlechtsreif als so genannte Blankaale die weite Reise in die Sargassosee antreten. Neben Prignitz setzen auch die Schweriner Seen GmbH und der Mueßer Fischerhof regelmäßig Aale in den Schweriner See. Peter Täufel

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