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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

24. September 2017 | 03:34 Uhr

Mähdrusch : „Brauchen noch fünf gute Tage“

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Endspurt bei Wariner Pflanzenbau eG: 460 Hektar Getreide standen gestern früh noch auf dem Halm. Wetterprobleme, aber keine Panikmache.

von
erstellt am 16.Aug.2017 | 21:11 Uhr

Die Staubfahne aus Spreu und kurzgehäckseltem Stroh auf dem Weizenschlag zwischen Büschow und Neperstorf verkündete von weitem, wo die Mähdrescher waren. Bestes Erntewetter herrschte am Dienstagabend gegen 18.30 Uhr, die Riesen mit einer Schneidwerkbreite von 10,50 Metern verschwanden auf dem kuppigen Gelände hinterm Horizont. Es dauerte eine ganze Weile, bis einer der Mähdrescher wieder ins Blickfeld kam.

Zwischendurch wurde das Korn immer wieder auf Umlagewagen gebunkert, die es dann zu den schon wartenden Treckern mit jeweils zwei Hängern brachten. Aus einem blauen Trecker stieg Matthes Maercker. Der 20-jährige Büschower hat gerade seine zweijährige „Ausbildung zum Landwirt in der Nähe von Rostock und Kiel“ abgeschlossen. Seit Anfang Juli arbeitet er bei der Wariner Pflanzenbau eG als Erntehelfer und danach geht es für ein Jahr nach Neuseeland „in die Canterbury- Region auf der Südinsel. Der Bauernverband hat den Betrieb vermittelt“. Doch erst einmal bringt er vor der Haustür die Ernte mit ein. „Montag ging es bis 22.30 Uhr, das ist nicht so lange. Es wurde aber auch schon mal nach Mitternacht“, so der 20-Jährige.


Um 22 Uhr setzte Petrus ein Stoppzeichen


Am Dienstag freilich war bereits gegen 22 Uhr Schluss; Petrus hatte wieder einmal in diesem Sommer die Schleusen geöffnet, diesmal samt Blitz und Donner. So wurden auf den Weizen- bzw. Roggenschlägen um Trams und Mankmoos am 16. August lediglich 80 Hektar abgeerntet. „Keine 100, das ist schlecht“, kommentierte Wolf-Dietmar Vetter, Geschäftsführer der Wariner Pflanzenbau eG, das Tagesergebnis. Somit stand gestern früh noch auf 460 von insgesamt 2100 Hektar das Getreide auf dem Halm. „Fünf richtig gute Tage brauchen wir noch“, meinte Vetters Stellvertreter Daniel Bohl.

Auch sehen die Wariner Pflanzenbauer den 2017er-Sommer problembeladen, ohne sich freilich der Panikmache durch manche Agrarpolitiker und Verbandsfunktionäre anzuschließen. Vetter belegt das mit Statistiken der 15-Jahres-Daten: „Auch der Drusch hat eine Theorie: Theoretisch gibt es im Jahr im Schnitt 18 Druschtage. 18 bis 20 Tage sind machbar, wir hatten aber auch schon mal 30“, so Vetter. 2013 brachten die Tramser die Ernte in 19 Tagen ein, im Jahr darauf in 20. Die Gegenpole sind 34 (2004) bzw. 31 Tage (2005). Doch wer erinnert sich noch daran?

Dieses Jahr war der Erntebeginn am 15. Juli. „Aktuell liegen wir bei 16 Druschtagen“, so Bohl. Wenn man jetzt auch noch sechs (Drusch-)Tage bräuchte, liege man im guten Schnitt.

Auch die gemessenen Niederschlagsmengen seien nicht ganz so extrem. Die Statistik der Wariner Pflanzenbauer weist immer wieder nasse Erntezeiten aus: 2002 und 2007 fielen im Juni/Juli/August 330 l/m2 bzw. 350. Rekordhalter waren 420 l/m2 (210). Diesmal waren es bis gestern nach sechs Litern am späten Dienstagabend dann 306. „Aber im August haben wir ja noch ein paar Tage“, so Vetter.

Und was die Getreidetrocknung betrifft, so sieht es 2017 gegenüber dem Vorjahr sogar bedeutend günstiger aus. „Am Montag haben wir erstmals für die Trocknung gedroschen. Gerste und Raps bekamen wir komplett trocken rein“, so Heike Schröder, Prokuristin bei der Wariner Pflanzenbau eG. Dienstags kam ab Mittag bis 17 Uhr das Korn zur Trocknung, danach war es nicht nötig. „2016 wurden 50 Prozent getrocknet, das passiert dieses Jahr nicht mehr“, so Schröder.

Bis Dienstag waren 2800 Tonnen Gerste, 2000 t Raps, 1500 t Weizen und 1000 t Roggen geerntet. Unterm Strich geht Vetter von „einer durchschnittlichen Ernte bei Getreide aus. 2016 waren es 20 bis 30 Prozent weniger. Bei Raps liegen wir unterm Schnitt“. Aber das habe andere Ursachen. „Bei Raps wird man sich neu finden müssen, nachdem keine Insektizide mehr eingesetzt werden dürfen. So wie bisher ist der Rapsanbau infrage gestellt“, prophezeit der Tramser Agrarchef.  

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