„Blutiges Gold“ in Groß Raden : „Cooles Museum“: Handys sind hier erwünscht

Von Epoche zu Epoche springen: Der kleine Krieger „Ramsiw“ erläutert, was man in den jeweiligen Zeiten (hier 300 Jahre v. Chr.) als Tausch für ein Kilogramm Bernstein bekam.
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Von Epoche zu Epoche springen: Der kleine Krieger „Ramsiw“ erläutert, was man in den jeweiligen Zeiten (hier 300 Jahre v. Chr.) als Tausch für ein Kilogramm Bernstein bekam.

Kleiner Krieger Ramsiw führt multimedial durch die Sonderausstellung „Blutiges Gold“.

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28. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Immer mehr Schulklassen entdecken die noch bis 10. September 2018 dauernde  Sonderausstellung „Blutiges Gold – Macht und Gewalt in der Bronzezeit“ im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden als  besondere Unterrichtsstunde. Dabei ist die Sache  im Slawenmuseum  ganz und gar nicht verschult, vielmehr äußerst interaktiv konzipiert und umgesetzt.

Neu: Begleitheft für Schüler ab Klasse drei

Ja: Mitmachen   nicht nur der jüngeren Besucher ist ausdrücklich erwünscht und wird viel genutzt. So müssen die Kinder hier ihr Handy vorn im Foyer nicht abgeben. „Bei uns müsst ihr die Handys sogar mitbringen“, verkündete Museumsleiterin Heike Pilz. „,Cooles Museum‘ –  antwortete darauf ein Junge aus der Klützer Schule, die mit über 60 Kindern hier am 23. November war“, gibt die Groß-Radener Chefin die spontane Reaktion wieder.

Am Beginn der Ausstellung symbolisiert ein Lichtband am Fußboden die fließende Tollense.
Roland Güttler
Am Beginn der Ausstellung symbolisiert ein Lichtband am Fußboden die fließende Tollense.

Per Handy kann man an der Fotostation - nachdem man fast durch  die Schau  hindurch ist - sich in die Bronzezeit „zurückbeamen“. Der Museumsbesucher wählt dazu  eine Person und einen zeitgenössischen Hintergrund aus, fügt in den Kopf sein Gesicht ein und löst aus. Und schon hat  er sein Foto in historischem Gewand…

Zur Sonderausstellung ist mittlerweile auch ein Begleitheft erschienen. Herausgegeben vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, ist es für  Schüler ab Klasse 3 gedacht. Im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege können  Lehrer Klassensätze bestellen. Es steht im Internet als Download zur Verfügung (www.blutiges-gold.de).

Das Begleitmaterial liefert viele Hintergrundinfos über das Ausgrabungsfeld und die archäologischen Funde, über die Entstehung von Krieg und Gewalt sowie über die Bronzezeit an sich. Fotos und Grafiken machen die Beschreibungen anschaulich. Kleine Übungsaufgaben sollen dazu dienen, das erworbene Wissen zu vertiefen.

Ramsiw – wer stand hier als Namenspate?

Für ältere  Schüler gibt es zudem kommentierte Rundgänge und Führungen durch die Ausstellung; das ist unter anderem die Aufgabe von Heike Pilz. „Ich kann mich nicht beklagen“, so die Museumschefin zur Resonanz. So wandelte bereits eine Sternberger  Klasse  (SVZ berichtete)  auf den Spuren  des kleinen Kriegers Ramsiw. Dieser erzählt vom Leben in der Bronzezeit, dem Handel über weite Entfernungen und fragt nach den Gründen für Konflikte. Selbst aus der Neubrandenburger Ecke, auch wegen des Tollense-Fundorts,  kamen schon Klassen  nach Groß Raden.

Und nach dem Rundgang können die Kinder selbst etwas herstellen, sei es eine Pfeilspitze aus Speckstein oder eine Spirale. Zudem kann der Knochenmensch zusammengesetzt werden. Die Klützer Schüler konnten sich auf der Suche nach einem Namen nicht einigen: „Die Jungen waren für Hugo, die Mädchen für Willi. Und so heißt er jetzt eben Hugo-Willi Schmidt“, berichtet Heike Pilz schmunzelnd.

Nur noch ein kleines Rätsel gilt es zu lösen: Wie kam der kleine Bronze-Krieger zum Namen Ramsiw? Darin steckt Wismar als Namen – rückwärts gelesen! Bezugnehmend  auf die gleich zu Beginn der Ausstellung zu sehende vergrößerte Nachbildung des „Horns von Wismar“.   Dieses  wurde im 19. Jahrhundert in einem  Moor nahe der Hansestadt gefunden, nur die bronzenen Beschläge des Blasinstruments sind erhalten. Man sieht darauf Speichenräder, Spiralornamente,  Schiffe (oder Schlitten?) –  und zwei stehende Figuren mit Schild und Speer.  Datiert sind die Hornreste   etwa  auf die Zeit  der bronzezeitlichen Funde der Tollensetal-Schlacht. Und vielleicht wurde auf solch einem Horn vor über 3000 Jahren zum Angriff  im Tollensetal geblasen … r

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