Warin : Der mit den Bibern flüstert

Mario Krüger, studierter Forstwirt, kann anhand der Breite der Nagespuren erkennen, ob an einem Damm wie diesem nur Alt- oder auch Jungtiere gebaut haben.
Foto:
1 von 3
Mario Krüger, studierter Forstwirt, kann anhand der Breite der Nagespuren erkennen, ob an einem Damm wie diesem nur Alt- oder auch Jungtiere gebaut haben.

Mario Krüger ist im Naturpark Sternberger Seenland für das Management der schutzbedürftigen emsigen Dämmebauer zuständig.

nnn.de von
08. Februar 2018, 12:00 Uhr

Der Vorgang um den Biberdamm am Großen Steedersee (SVZ berichtete am 1.2.) war beispielhaft dafür, was die Biber, ihr Manager Mario Krüger und die Biberkritiker im Naturpark Sternberger Seenland den ganzen Tag so tun. Die Angler des Vereins Petri Heil hatten seit einiger Zeit Probleme damit, ihre Bootshäuser am Großen Steedersee bei Warin trockenen Fußes zu erreichen. Als Schuldiger wurde ein Biber ausgemacht, der einen seiner Nahrungsdämme so gebaut hatte, dass das Wasser des Sees zurückgestaut wurde. Der Wasser- und Bodenverband „Obere Warnow“ beantragte eine Entfernung und die Untere Naturschutzbehörde genehmigte diese in Absprache mit Mario Krüger. Die Maßnahme erfolgte bereits Ende Dezember, der Biber hatte inzwischen eine Familie gegründet und war in Richtung Tönnisbach weitergezogen. Die Angler hatten bis zu einer Begehung am 31. Januar noch nicht einmal bemerkt, dass der Damm des Anstoßes verschwunden war. Denn einige Stege vor ihren Bootshäusern standen noch immer unter Wasser. Offenbar gibt es noch andere Ursachen für den hohen Wasserstand. Hinter einem Rohrdurchlass wurde im Graben Sand aufgespült, außerdem landeten durch die Stürme Äste und Zweige darin. Nicht zuletzt werden die extremen Niederschlagsmengen der letzten Monate eine Rolle spielen.

„Unser Biber-Management ist beispielhaft in Mecklenburg-Vorpommern, es gibt für Probleme relativ schnell Lösungen“, meint Mario Krüger, der durch die Ausdehnung des Sternberger Seenlandes mit den Unteren Naturschutzbehörden (UNB) in drei Landkreisen zusammenarbeitet: Ludwigslust-Parchim, Rostock und Nordwestmecklenburg. „Am häufigsten haben wir mit Stefan Labes in LUP zu tun“, so Krüger. Bevor das Naturparkzentrum 2005 gegründet worden sei, war das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) in Güstrow für den Umgang mit den Bibern zuständig. „Da waren vor allem die Landwirte auf den Biber schlecht zu sprechen, weil er oft Flächen überstaut hat. Doch es war für die Bürger schwierig, die zuständige Behörde für ihr Problem zu finden.“ Denn nach der Flora- und Fauna-Habitat-Richtlinie gilt der Biber nach wie vor als streng zu schützende Art. „Damals wurden fast alle Anträge auf die Entfernung eines Dammes abgelehnt“, schaut Krüger zurück. Doch seitdem er für das Biber-Management zuständig ist, verschafft er sich nun regelmäßig einen Überblick über die im Naturparkgebiet lebenden Individuen, ihre Reviere und eben ihre Dämme. „Der erste Damm, der zu ihren Wohnburgen gehört, darf nur im absoluten Ausnahmefall entfernt werden, wenn er ,erheblichen’ Schaden anrichtet“, erklärt Mario Krüger Dabei sei dieses ,erheblich’ jedoch Auslegungssache. Zumeist gebe es wie beim Steedersee einen Antrag auf die Entfernung eines Dammes durch den zuständigen Wasser- und Bodenverband an die UNB. Um die Situation einschätzen zu können, schaut sich Mario Krüger die jeweilige Burg und die zu dem Biber gehörenden Dämme an und gibt seine Einschätzung an die UNB weiter, die entsprechend entscheidet. Wo Dämme nicht entfernt werden können, wird ein sogenannter „Bibertäuscher“ eingebaut, ein Drainagerohr, durch das das Wasser trotz Damm weiter fließen kann. Die Ursprungsidee dafür hatte das Biberhaus „Biber & Co“ in Alt Necheln. „Aber wir haben den Bibertäuscher weiter entwickelt“, meint Krüger. Das sei ein harter dreijähriger Kampf mit dem Biber gewesen. „Als die Rohrenden nur zwei Meter vom Damm entfernt endeten, hat der Biber bemerkt, warum das Wasser nicht abfließt und hat die Rohre verstopft.“ Nun enden sie in sechs Metern Entfernung. „Das kapiert der Biber nicht mehr. In 80 Prozent der Fälle funktioniert das.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen