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Serie: Raritäten im Sternberger Kuchen - Teil 27 : Die Borstenreichen

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Diesmal geht es um die zum Tierstamm der wirbellosen Ringelwürmer zählenden Borstenwürmer (Polychaeten).

von
erstellt am 11.Nov.2017 | 05:48 Uhr

Die zum Tierstamm der wirbellosen Ringelwürmer (Annelida) zählenden Borstenwürmer (Polychaeten) gehören mit bisher 13 000 beschriebenen Arten in etwa 72 Familien zu einer der artenreichsten marinen Tiergruppe. Aufgrund ihrer guten Anpassung selbst an extreme Umweltbedingungen haben sie alle Lebensräume unserer Weltmeere von den Küsten bis zur Tiefsee erobert. Neben mikroskopisch kleinen Arten treten alle Größenklassen bis zu den Riesen der Gattung Eunice auf, die Längen von drei Mdetern erreichen können. Mit einer großen Individuendichte dominieren einige Arten viele Meeresbodengemeinschaften.

Borstenwürmer gehören zu den ältesten Bewohnern unseres Planeten und sind seit dem Präkambrium (Ediacara Fauna in Südaustralien, ca. 600 Mio. Jahre) nachweisbar. Besonders schöne und fossil hervorragend überlieferte Exemplare stammen aus dem mittleren Kambrium (505 Mio. Jahre), aus dem Burgess-Schiefer der kanadischen Rockie Mountains.

In Anpassung an ihre Lebensräume und ihre jeweilige Lebensweise haben Borstenwürmer im Verlauf der Evolution eine große Formenvielfalt entwickelt. Gemeinsam haben alle Arten jedoch ein charakteristisches Merkmal. Es ist die Dreigliedrigkeit ihres Körpers, der sich in einen Kopf, Schwanz und einen segmentierten Körper unterteilen lässt, wobei jedes Segment des Körpers paarige, beinähnliche und unterschiedlich gestaltete Anhängsel, die mit Borsten (Chaetae) besetzten sogenannten Parapodien. Neben frei beweglich, auf oder im Meeressediment lebenden sowie im Wasserkörper schwimmenden Borstenwürmern gibt es eine weitere Gruppe, die zu einer sessilen Lebensweise übergegangen ist. Die Tiere leben zeitweilig oder dauernd in Röhren, die aus abgeschiedenem Kalk oder verkitteten Fremdkörpern bestehen. Diese so genannten Röhrenpolychaeten bilden durch massenhafte Ansiedlung oft riffähnliche Komplexe.

Während sich die Systematik rezenter Röhrenpolychaeten weitgehend auf Merkmale des Weichkörpers stützt, können fossile Arten nur nach Gehäusemerkmalen wie Querschnittsformen und Skulptur unterschieden werden. Die als Wohnung genutzten fossilen Kalkröhren weisen gekrümmte, knäuelförmige, zylindrisch bis keulenförmige oder schneckenartig aufgerollte Wachstumsformen auf, wobei die Wachstumszyklen durch Knotenbildung gekennzeichnet sind. Als Baugrund kommen sowohl fester Sedimentboden als auch Schalen von Muscheln, Schnecken oder Seeigelgehäuse in Betracht.

Während in einigen Abschnitten des Tertiärs kalkige Wohnröhren der Würmer massenhaft und zum Teil gesteinsbildend auftreten, sind im Sternberger Gestein zwei, eher selten zu findende Arten (Ditrupa sp. und Serpula corrugata) vertreten. Die Abbildung zeigt ein Handstück aus der Sammlung Thiede, Parchim mit einer ca. zwei Zentimeter langen, unregelmäßig gewundenen Kalkröhre, vermutlich der Art Serpula corrugata.















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